10.12.2019 Was ist eigentlich mit meinem Schiff los?

Scheiße, ich weiß eigentlich nicht mehr, was mit mir zurzeit geschieht. Ich habe trotz der technisch bedingten Zwangspause eine Lebensenergie wie noch nie in meinem Leben. Ist es die von mir so sehr geliebte Musik und der extrem gute Merlot alleine, die mich antreibt? Nein, es ist weit mehr! Ich glaube, dass ich gerade so etwas erleben darf wie das Erwachsenwerden eines Teenagers. Genau das habe ich mein ganzes Leben lang vermisst. Es hat die gesamte Zeit einer intensiven beruflichen Entwicklung hinweg einfach nicht so richtig bemerkt, dass etwas fehlt: Das wirkliche Lebensglück! Der Umstand, dass eigentlich alles passen kann.

Ich weiß, dass das nach Überheblichkeit klingen mag. Aber ich empfinde zurzeit, dass meine Lebensumstände, auch wenn es durchaus praktische Probleme gibt, zumindest, was meine Seele betrifft, extrem schön sind. So schön wie ich es noch nie in meinem schon ziemlich langen und nicht gerade immer einfach verlaufendem Leben erfahren habe. Woran liegt das eigentlich?

Mein Schiff scheint ohne einen erkennbaren Grund zurzeit abzusaufen. Der Grund für die Wasseraufnahme, insbesondere wenn ich auf langer Strecke unterwegs bin, und die Ursache dafür ist immer noch nicht geklärt. Wenn ich im Hafen liege, dann nicht. Was soll das heißen? Ich fahre gerne über möglichst weite Strecken. Sollte ich deshalb anhalten und mich irgendwo niederlassen? Mein Innerstes sagt dazu Nein. Das Problem muss irgendwie anders gelöst werden. Ich möchte nämlich weiter kommen. Unbedingt. Es gibt noch sehr viel mehr zu erleben. Wo auch immer. Es sind vor allem die kurzen Begegnungen mit unbekannten Menschen, die mir Antrieb geben. Da begegne ich heute zum Beispiel einem äußerst netten Menschen in einem Ausrüstungsladen für Sportschiffe, der mir persönlich eine Fülle von wertvollen Botschaften zu vermitteln vermag. Ganz ohne wirtschaftliche Beweggründe. Was für ein Erlebnis. er hilft mit damit nicht nur sachlich weiter, sondern bestärkt mich zudem in meinen Zielen.

Ich habe lang daran gearbeitet in meinem Leben, dass ich derartige Botschaften überhaupt wahrnehmen konnte. Nun wirken diese gelernten Mechanismen und bereichern mein Lebensglück enorm.

O.K., ohne die Hilfe des sehr sportlichen Mitarbeiters des lokalen Ausrüsters hätte ich mein Liferaft nicht in den Laden zur Inspektion beim Hersteller bringen können. Das Ding ist so schwer, da für sechs Insassen spezifiziert, dass ich es nicht ohne Hilfe über die Reling hätte bringen können. Ich bin mir meiner altersbedingten Grenzen sehr wohl bewusste.

Ich freue mich dennoch immer noch auf jeden neuen Tag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.