10.7.2019 Ein altes Problem holt mich wieder ein: Meine Batterien

Aus der einen geplanten Übernachtung im Hafen von Glückstadt wurden drei Tage Liegezeit, denn das Wetter änderte sich keineswegs. Ich nutzte die Zeit, um bei einem winzigen Schiffsaurüster direkt am Hafen, der ein erstaunlich vielfältiges Sortiment anbietet, eine Handvoll Schäkel zur dauerhaften Befestigung des Radarreflektors und den mir noch fehlenden Union Jack für einen geplanten Stopp in England zu kaufen sowie meinen Kühlschrank aufzufüllen. Außerdem machte ich mich mit den Fahrregeln auf dem Nord-Ostsee-Kanal (NOK) vertraut. Bei gleichem Wetter wie an den Vortagen, aber auch der Aussicht auf die für diesen Tag erwartete Beruhigung, verließ ich Glückstadt um etwa 10.00 Uhr und fuhr die Elbe weiter runter nach Brunsbüttel, vorbei an dem (abgeschalteten?) Kernkraftwerk und der aus den heißen politischen Tagen her bekannten Ortschaft Brokdorf. Dann hieß es warten vor der kleineren der beiden Doppelkammerschleusen, bis ein kleines weißes Blinklicht die Einfahrt der Sportboote in eine der Kammern erlaubt.

Für den geübten Kanalfahrer ungewohnt sind dabei zwei Dinge: Es gibt auf beiden Seiten der Kammer Schwimmstege über die gesamte Länge, an denen man wie in einer Marina seitlich festmachen kann und der Hub ist sehr gering und verläuft äußerst langsam, fast unmerklich. Dadurch wird das Schleusen auch für die ungeübten Sportbootfahrer sehr stressfrei, was den Betrieb sicher, schnell und insgesamt zum Kinderspiel werden lässt. Das sage ich als ein ziemlich erfahrener Skipper in Sachen Großschleusen. Allerdings sind die Stege so tief, dass sich ein Fender nicht wirklich dagegen legen kann und mein relativ hohes Freibord mir größte Schwierigkeiten beim Verlassen des Schiffs macht. Da war für mich als Einhandfahrer Sportlichkeit mit viel Kraft angesagt. Es war nicht viel los in Brunsbüttel, denn es lagen nur fünf Boote etwas verloren in der riesigen Kammer.

Jeden Tag einmal öffnet das Tor zum Binnenhafen von Glückstadt für eine Stunde. Zwei grüne Lichter erlauben zunächst die Ausfahrt in den Vorhafen. Wenn man hier liegt, dann bedarf es also einer guten Zeitplanung.
Ein zusätzliches weißes Licht erlaubt dann die Einfahrt in den Binnenhafen.
Selbst an einem Tag, der nur wenige Segler anspricht, warten hier viele Boote auf die geeignete Tide, die sie entweder in Richtung Hamburg oder Helgoland bringt. Da übernachtet man durchaus auch einmal in der dritten Reihe eines Päckchens.

Da erst in Kiel für die Passage bezahlt werden kann, ging die Reise durch den NOK sofort los. Na ja, ein wenig Abwechslung brachten nur die wenigen Vorbeifahrten von wirklich großen Seeschiffen, die sich stets genau in Kanalmitte aufhalten, sodass genügend Platz für kleine Schiffe zwischen deren Bordwand und der noch fahrbaren Tiefe am Kanalrand verbleibt. Erstaunlich sind natürlich auch die vielen Kanalfähren, welche die durch den Kanal unterbrochenen Straßen verbinden und dem Transitverkehr stets den Vortritt lassen. Außerdem die vielen Brücken verschiedenster Bauart, die alle mindesten 40m Durchfahrtshöhe aufweisen.

Sehr beindruckend war hingegen meine vorher auf Empfehlung eingeplante Übernachtung etwa 15 km vor Kiel in einem wunderschönen, langgezogenen See, der Ähnlichkeit hat mit der Krummen Lanke in Berlin und der zum Ankern offiziell freigegeben ist. Dieser Abend und die Nacht dort waren wunderschön ruhig. Um sieben Uhr morgens dröhnte mir allerdings das Horn eines Wachschiffs ins Ohr. Als ich an Deck kam, bat man mich dann freundlich, den Liegeplatz woanders hin zu verlegen, da ich mitten in einer Fahrrinne liegen und demnächst ein Leichter aus der hinteren See Ecke in den Kanal geschleppt würde. Aha, es gab zwar keine Fahrwegmarkierungen, die mich auf diesen Umstand hingewiesen hätten, aber egal, ich tat wie angesagt und verlegte mich vor dem Frühstück auf die andere Seeseite.

Vor dem Verlassen des NOK in Holtenau nutzte ich die Wartezeit vor der Schleuse, meinen Obolus für die Passage zu entrichten. Mit 18€ war ich dabei und überrascht, dass es nicht deutlich mehr wurde. In Kiel wollte ich in der Hauptvertretung eines großen Ausrüsters für Sportboote ein Dhingy als Ersatz für die verschenke AnnaLena beschaffen, welches zusammengelegt in meine Backskiste passt. Dazu war mein altes Beiboot viel zu groß, das ich leider wegen der notwendigen Montage des Windpiloten aufgeben musste. So wählte ich einen Liegeplatz mit gutem Verkehrsanschluß in die Innenstadt direkt hinter der Schleuse, in Holtenau. Dass dieser Liegeplatz noch dazu recht preiswert daherkam, war ein Umstand, der eine Kette von Verirrungen auslöste, wie sich dann in den nächsten zwei Tagen herausstellte.

Warten vor der Schleuse in Kiel-Holtenaus die in die Kieler Förde führt. Der Signalmast weist die Schiffe und auch die Sportboote an, wie sie sich verhalten sollen. Ich warte für die Einfahrt in die Kammer auf ein blinkendes weißes Licht.
Mit mir warten auch zwei mittelgroße Seeschiffe.
Der Schleusenhub ist sehr gering , wie auch die Steiggeschwindigkeit. Man merkt diese kaum. Schwimmstege mach die NOK-Schleusen einzigartig und den Schleusenvorgang auch für ungeübte Skipper kinderleicht und stressfrei zu manövrieren.
Es waren mit mir nur weitere drei Sportboote in dieser riesigen Schleusenkammer, in welche bis zu vier Seeschiffe passen.

Direkt nach der Ankunft befragte ich das Internet nach einer Busverbindung zu einem mir bekannten Ausrüster und gab dessen Adresse an. Die Antwort kam prompt und ich hatte keine Veranlassung, an deren Richtigkeit zu zweifeln. Ich kannte die Stadt und deren Umgebung ohnehin nicht. So stieg ich in den Bus ein, stieg zweimal um und erreichte einen kleinen Ort in der Pampa Schleswig-Holsteins. Dort folgte ich dem Rat einiger Passanten und fand schließlich die Adresse. Allerdings residierte in diesem Einfamilienhaus keineswegs der Ausrüster, der im Internet mit einem riesigen Ladengeschäft auftritt. Von dort kam ich dann nur zu Fuß zurück zu einem Ort mit Verkehrsanschluß. Nach einer halben Stunde war ich wieder dort, wo ich in den kleinen Bedarfsbus, etwas größer als ein Taxi, eingestiegen war. Eine sehr nette Studentin gab mir auf meine Frage den Rat, ihr zum Bahnhof des Ortes zu folgen und von dort aus mit der Bahn zurück nach Kiel zu fahren. Warum musste ich länger als eine Stunde mit dem Bus durch die Landschaft fahren, wo ein Zug im gleichen Nahverkehrsnetz sehr viel schneller und zum gleichen Preis auch hinfährt? Etwas verwirrend war allerdings die Tatsache, dass der Zug zunächst in die falsche Richtung fuhr. Mit Hilfe meiner Begleiterin wurde mir klar, dass der Zug nach Kiel an diesem Ort nicht hält und ich aber von einer entfernteren Stadt dorthin direkt durchfahren kann. Gesagt, getan. Vielleicht als kleinen Dank für diesen guten Rat konnte ich der netten Studentin, auf deren Bitte hin, eine ausgiebige Studienberatung anbieten. Sie hatte gerade mit dem Biologiestudium angefangen und wollte sich auf Bionik, einer Disziplin zwischen Biologie und den Ingenieurswissenschaften, spezialisieren. Wie auch immer, ich kam spät am Abend wieder auf meinem Schiff an und musste einen weiteren Versuch, zu einem Schlauchboot zu kommen, am nächsten Tag noch einmal neu ansetzen.

Der Irrtum klärte sich sofort auf, als ich die Webseite des Ausrüsters und den dort angegebenen Lageplan konsultierte. Am nächsten Morgen ging es folglich erneut auf die Reise, dieses Mal auf kurzem Weg, allerdings nicht ohne einen kleinen Verkehrsunfall des Busses, der in der Enge der Innenstadt einem parkenden Wagen den Außenspiegel abfuhr und seine Fahrgäste direkt am Unfallort absetzte.

Egal, nach einem weiteren Umstieg erreichte ich den Ausrüster und kaufte ein ideal für mich passendes Schlauchboot, welches zudem auch noch für meinen 5PS-Außenbordmotor zugelassen ist und zusammengefaltet in meine Backskiste passt. Phantastisch. Leider hatte der Laden keine passenden Zinkanoden für die Odd@Sea und auch keinen Hafenführer für die Ostsee. Wegen des unhandlichen und schweren Gepäcks fuhr ich mit einem Taxi wieder zum Hafen, welches von einem unterhaltsamen Fahrer chauffiert wurde, der mir einiges Interessantes über die Stadt erzählte.

Mit dem Fahrrad und der Schleusenfähre versuchte ich dann, einen Buchladen des Nautischen Services wegen des Hafenführers aufzusuchen, der auf der anderen Kanalseite seinen Sitz hat und leicht mit einer öffentlichen Fähre zu erreichen ist. Dieser konnte mir aber auch nicht helfen und ich kehrte wieder zurück und vertagte meine Abfahrt erneut. Also konnte ich mich dem Problemthema AIS-Reichweite noch vor dem Abendbrot widmen. Offensichtlich haben meine Bemühungen, die Mastfußkupplung in der Antennenleitung durch Nachlöten zu reparieren, Erfolg gehabt. Ich konnte heute Morgen meinen wirklichen Standort folglich auch wieder auf Marinetraffic.com sehen. Na bitte, geht doch!

Heute Morgen wollte ich endlich wieder in See stechen, frühstückte und bereitete mein Schiff für die Abfahrt vor. Der letzte Akt vor dem Lösen der Leinen und dem Verstauen des Fenderbretts besteht dabei aus dem Anlassen des Motors. Jetzt passierte exakt genau das Gleiche, was mir in der Nordsee auf dem Weg nach Cuxhaven im letzten Jahr auch schon passiert war: Der Motor zuckte nur kurz, alle Systeme schalteten sich ab und liefen nach einem Moment erneut hoch. Der Versuch, die Verbrauchsbatterien auf die Starterbatterie zu schalten brachte das gleiche Ergebnis. Ich hatte seit der Übernachtung im NOK keinen Landstrom mehr zur Verfügung gehabt, aber der Ladezustand war mit 96% eigentlich immer noch sehr gut. Der Batteriemonitor zeigte auch sonst keine Auffälligkeiten. Es wurde aber deutlich, dass der Innenwiederstand sämtlicher Batterien bei großer Belastung stark ansteigt und die Spannung entsprechend abfällt, eine Erklärung für den schlechten Zustand meiner geschätzt etwa 10 Jahre alten Batterien. Es müssen also 5 neue AGM-Akkus her. Nun hieß es auf den Rückruf seitens des Ausrüsters zu warten, der heute Morgen die Verfügbarkeit der passenden Batterien prüfen wollte. Es wird also wahrscheinlich auch morgen wieder nichts mit der Abfahrt auf das große Meer. Na ja, mich treibt ja keiner!

Am Abend kam dann doch noch ein Anruf mit der schlechten Nachricht, dass es nur zwei geeignete AGM-Akkus am Lager gäbe und die Beschaffung weiterer Batterien einige Tage in Anspruch nehmen würde. Eine freundlich geführte Unterhaltung erbrachte dann eine gangbare Interimslösung: Ich hole morgen Vormittag einen Blei-Säure-Akku mit 100 Ah Kapazität im Laden ab und ersetze zunächst die alte Starterbatterie. Diese Batterieart verträgt sehr hohe Ströme und ist als Anlasserbatterie besonders gut geeignet. So kann ich bei Bedarf jederzeit die Maschine starten und so die (noch) alten Verbraucherbatterien wieder laden. Ich werde mich wohl mit dem Akkuproblem noch eine Weile herumschlagen müssen. Dieses jedoch nicht mehr mit derartig spektakulären Ausfällen, wie bisher.

Es gibt sie also noch, die Chance auf eine Abfahrt morgen oder übermorgen. Wie erfreulich.

2 Gedanken zu „10.7.2019 Ein altes Problem holt mich wieder ein: Meine Batterien“

  1. Lieber Jürgen,
    Lieber die Schwierigkeiten mit den Akkus jetzt als in Lettland oder sonst wo!
    Wir hoffen, es kann dann bald losgehen.
    Liebe Grüße
    Konni und Jutta

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