12.2.2018 Wie sieht extreme Versandung eines Hafens aus?

Eigentlich war ja die schnelle Route in die Straße von Messina geplant. Aber wozu sind Planungen da? Zum Lernen natürlich. Von Crotone sollte die nächste Strecke nach Rocella Ionica gehen, um dann mit nur einem weiteren Sprung das Zwischenziel zu erreichen. Daraus wurde nichts, weil die Natur einmal mehr gegen mich war. Der eigentlich leichte Südwestwind entpuppte sich als genügend stark um eine so große Welle zu erzeugen, dass die Odd@Sea ein ums andere Mal stampfte und dabei viel Fahrt verlor. Ich erreichte nur einen Bruchteil der nominellen Geschwindigkeit unter Motor. Wegen des Gegenwinds war an Segeln ohnehin nicht zu denken. Zudem sah ich zwar ständig die Sonne, kam aber nie in den Genuss deren direkter wärmender Bestrahlung. Es war den ganzen Tag sch… kalt. Etwa zur Hälfte der Strecke musste ich leider feststellen, dass die verbleibende Zeit bei weitem nicht mehr ausgereicht hätte auch nur in zeitlicher Nähe zum Sonnenuntergang am Ziel zu sein. Die rasche Umplanung ergab, dass ein kleiner Hafen querab von der Streckenführung nach 86 der ursprünglich geplanten 115 km für eine Übernachtung in Frage kam. Hier erlebte ich so ziemlich das Abenteuerlichste, was ich je erlebt habe. Aus der Ferne konnte der Hafen von Badolato zunächst überhaupt nicht gesehen werden. Dichter dran konnte man einen Wellenbrecher ahnen und sah auch einige Masten hinter Sandbergen. Der Navigator führte mich vor die Einfahrt, die auch ordnungsgemäß durch einen rote und einen grüne Signalmast gekennzeichnet war. An Orientierung war dennoch nicht zu denken, denn es gab nur einen vielleicht 5 Meter breiten, einem Bach ähnelnden Wasserkanal, der offensichtlich äußerst flach war. Dieser machte auch noch eine Biegung, sodass man nicht erkennen konnte, was einen erwartet, wenn man sich in diese Enge hinein traut. Meine Ratlosigkeit führte zunächst dazu, dass ich vor dem Hafen am Strand den Anker fallen lassen wollte. Das Wetter, die Wassertiefe und der Boden hätten dieses gefahrlos erlaubt. Nach einer Rücksprache mit Jörg, der derartige Situationen gut kennt, sollte ein Telefonat mit dem Hafenbüro die Sache klären. Dazu kam es nicht, sondern es näherte sich ein winziges Motorboot mit zwei Mann an Bord, die eilig auf mich zukamen und mir erklärten, dass ich nicht einfahren könne. Es war ein wenig kompliziert, mit Zeichensprache und Wortbrocken aus verschiedenen Sprachen verständlich zu machen, dass ich mein Schiff auf 85 cm Wassertiefe einstellen könnte. Letztlich fuhren sie mit ihrem Boot direkt vor meinem Bug, ich konnte sie kaum sehen, und gaben mir Handzeichen, um der äußerst schmalen Fahrrinne zu folgen. Diese führte an hohen Sandbergen rechts und links in einen Vorhafen, der den Zugang zum eigentlichen Hafenbecken bildet. Hier sind mit 4 m Tiefe wieder komfortable Liegeverhältnisse. Ein Liegeplatz an einer Pier wurde mir dann zugewiesen und alle waren glücklich, dass dieses Abenteuer bestanden wurde. Durch die Enge der Einfahrt bedingt, gibt es hier überhaupt keinen Schwell. Man liegt wie in Abrahams Schoß. Jetzt hoffe ich nur noch, dass ich morgen auch noch aus dem Hafen wieder hinauskomme. Sonst war es das mit meiner Reise erst einmal, bis die Zufahrt mit dem bereits bereitstehenden Baggern verbreitert und vertieft ist.

Ein letzter Rückblick auf Crotone
Ölplattformen stehen in großer Zahl rund um Crotone
…. und davon gibt es etliche in dieser Gegend.
So sieht eine Hafeneinfahrt aus, die wirklich stark versandet ist. Wo ist die Einfahrt eigentlich? Das grüne Einfahrtzeichen (links) gibt Auskunft.
Nach glücklich geschaffter Einfahrt liegt die Odd@Sea sicher im Hafen
…. in dem einige Boote, allerdings deutlich kleinere, zu finden sind
Großgerät steht zwar bereit, konnte aber offensichtlich das Desaster nicht verhindern
Die Einfahrt von einerm Sandberg aus gesehen. An der Wasserfärbung kann man den fahrbaren Bereich erkennen. Trotzdem ist es nicht mehr als einen Meter Wassertiefe.
Hier beginnt der Vorhafen, wenn man die Engstelle passiert hat

Die Feuertaufe meines „Schwimmstegs“ beim christlichen Anlegen, ich berichtete darüber, wurde in Crotone leider nicht ganz bestanden, denn die „Annalena“ nahm einen kleinen Schaden, den ich natürlich sofort noch in Crotone wieder repariert habe. Die Aushärtedauer für den polyurethanbasierten Kleber benötigte jedoch eine ganze Nacht. Ich war also gezwungen, eine Holzbohle als Brücke zwischen dem Steg und dem Heck der Odd@Sea zu nutzen. Diese befestigte ich mit zwei Leinen am Schiff. Eine verhinderte das Abrutschen von der Badeplattform nach hinten und die andere diente dem Hochziehen des landseitigen Endes, um ein ständiges Bewegen der Bohle auf Steg und Schiff zu verhindern. In der Konsequenz musste ich meinen großen Kugelfender einen anderen Platz zuweisen und hatte damit kein glückliches Händchen. Ich legte diesen versehentlich direkt vor den Auslass meiner Webasto-Heizung, was zu einem lokalen Schmelzen und dem Ablassen der Luft führte. Nun frage ich einmal meine Leser, ob jemand einen Tipp für den Umgang mit einem derartigen Defekt hat: Neukaufen oder reparieren und wenn ja, wie?

Dieser kleine „Vulkan“ ist in der Folge einer örtlichen Überhitzung und dem Abblasen der Luft entstanden. Hat jemand eine Idee, ob so etwas reparierbar ist?

Glück hatte ich mit der Hilfe des Hafenmeisters von Crotone, der mir einen Fachmann für Schiffsmotorelektrik vermittelte. Er kam noch am Sonntagnachmittag und benötigte nur etwa eine dreiviertel Stunde um den Fehler im Anlassrelais zu finden und sofort zu beheben. Mehrere Anlassversuche waren ebenso so erfolgreich, wie sie es stets waren. Meine diesbezügliche Sorge, die mich seit dem ersten Auftreten des Fehlers in Lefkas gequälte hatte, hat sich damit erledigt. Was für eine Erleichterung wenn man bedenkt, was alles vom Funktionieren des Antriebs insbesondere auf dem Meer abhängt.

Morgen steht dann mit Zielort Rocella Ionica mit nur 37 km eine relativ kurze Strecke an. Ich brauche unbedingt wieder ein ausgiebiges Catering und werde die Freizeit dazu nutzen.

Ein Gedanke zu „12.2.2018 Wie sieht extreme Versandung eines Hafens aus?“

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