14.5.2018 Zwei Wochen lang üppig Leben und Segeln mit Freunden in und um Ibiza

Ich habe mir noch eine weitere Auszeit in Bezug auf meine Blogbeiträge genommen und hoffe, dass dieses auf Verständnis bei der Leserschaft stoßen wird, wenn ich den Blogtitel als Begründung dafür nenne. Die Tage waren vollgefüllt mit dem Zusammensein mit Hanne und Frieder, ich hatte von diesen wundervollen Menschen im letzten Beitrag berichtet, sowie in den letzten vier Tagen auch noch mit Guido, einem langjährigen Freund aus meiner zweiten Lebensperiode in Berlin, der ebenfalls ein erfahrener Segler ist, eigens aus Berlin eingeflogen ist und für ein paar Tage auf der Odd@Sea verweilte. Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Hanne und Frieder nahmen mich in Valencia auf wie einen guten Freund, wir segelten gemeinsam über Denia nach Ibiza und machten zunächst Station für drei Tage im Hafen von San Antonio, der an der Westküste dieser kleinen Baleareninsel liegt. Ein kurzer Schlag nach Süden brachte uns dann auf eine der fast unbewohnten und noch kleineren Insel Formentera vorgelagerten und zu Fuß nur über eine stets überflutete Verbindung erreichbare Landzunge auf deren Nordseite. Hier bot uns auf der Westseite die traumhaft schöne Ankerbucht mit dem schönen Namen Puerto de Espalmador Schutz vor dem Wind. Wir konnten natürlich mit unseren beiden Schiffen und mit Hilfe meines Dinghis „AnnaLena“ als unser Wassertaxi trockenen Fußes an den Strand kommen. Bei überwiegend blauem Himmel lagen wir dort zwei Tage lang zusammen mit zahlreichen anderen Segel- und Motoryachten, deren Insassen diese Idylle sicherlich genauso wie wir genossen vor einem fast menschenleeren Sandstrand, der fast von Horizont zu Horizont reicht. Meine beiden Begleiter zogen das Bad in dem glasklaren Wasser vor, dessen Untergrund noch bis zu 6 Meter Tiefe in allen Einzelheiten zu erkennen ist. Ich war wegen einer Wassertemperatur von kaum mehr als 15° C etwas zurückhaltender und schloss mich den beiden erst zu den gemeinsamen Spaziergängen in der wundervollen Insellandschaft an. Die Tage waren gefüllt mit unzähligen guten Gesprächen an Bord und an Land sowie den leckeren Speisen, die Hanne in täglich in unglaublicher Perfektion zubereitete. Alles in Allem also ein Leben wie im Paradies mit zwei äußerst liebenswerten Menschen!

Hanne und Frieder – zwei vollenspannte Weltenbummler auf ihrem Schiff, der Kairos (aus dem Griechischen für „günstiger Zeitpunkt“)
… und am Strand von Formentera
… und ihr Schiff, der „Kairos“, einer Comfortina 38
… und die Odd@Sea von der Kairos aus gesehen vor dem Strand
So sieht der „Arbeitsplatz“ eines Einhandseglers aus, dessen Schiff für den Einhandbetrieb ausgelegt ist – ein Leinenchaos, das es zu beherrschen gilt.
So schön sieht ein Segel in „Schmetterlingsanordnung“ bei dem Fahren vor dem Wind aus
… wobei der Skipper allerdings nach vorne kaum etwas sehen kann

War es Übermut oder der drehende Wind, der uns von dort in die Inselhauptstadt mit gleichem Namen trieb? Jedenfalls lagen wird die nächsten drei Tage im Porto de Ibiza und damit in einem mediterranen Traumort, wo der Zufall gerade ein mittelalterliches Fest innerhalb der großen Festungsanlage und darum herum inmitten der Altstadt stattfinden ließ. Jetzt waren die gemeinsamen Erkundungen natürlich der Stadt gewidmet, wobei wir nicht aufhörten mit unseren zugleich intensiven und stets sehr interessanten Gesprächen sowie dem gemeinsamen Verspeisen der von Hanna zubereiteten Köstlichkeiten. Ein zusätzliches Highlight war natürlich auch die gemeinsame Busfahrt zum Punta Arabi, dem Ort, an welchem sich die Hippy-Bewegung auf Ibiza etablierte, die Ende der 60-iger Jahre für Aufregung in der etablierten Welt sorgte und deren Protagonisten heute einmal in jeder Woche einen selbst in der Nebensaison von sehr vielen Besuchern überlaufenden „Hippy-Markt“ betreiben. Für mich war es schon ein seltsames Gefühl, die damals als Vorbild in Bezug auf einen sehr freien und friedlichen Lebensstil beneideten und zum Teil geradezu verehrten Menschen heute life zu erleben. Das Gefühl von damals konnte sich bei mir nicht so recht einstellen, sondern eher ein Gefühl meiner Deplatziertheit in einer kleinen Welt, die an diesem Ort irgendwie stillzustehen scheint, ich jedoch definitiv nicht. Zurück in Ibiza nutzte ich die Möglichkeit, mir dringend benötigte Hilfe zu den beiden großen technischen Problempunkten der Odd@Sea zu holen. Ein sehr kompetenter Volvo-Penta-Service am Ort konnte mir dabei sehr gut helfen. Zum einen war die Seewasserpumpe offensichtlich bereits seit langer Zeit undicht, was ich allerdings selbst nicht als Ursache des Bilgewassers erkannt hatte. Ich danke Frieder, der nach einer kurzen Inspektion der Bilge meines Schiffes und einer „Geschmacksprobe“ des Wassers, welches sich wieder in großen Mengen dort angesammelt hatte, sofort auf diesen Defekt schloss. Das Ersatzteil war sehr schnell beschafft und installiert und das Problem damit beseitigt. Das zweite Problem, nämlich eine sehr große Unzuverlässigkeit beim Anlassen des Motors, konnte mit Hilfe der Auskunft des Spezialisten zumindest besser verstanden werden, wenngleich es auch noch nicht endgültig gelöst werden konnte. Es ist äußerst lästig, wenn die Maschine auf See vor dem Segelbergen, dem Einlaufen in einen Hafen oder dem Ankern nicht sofort anspringt und erst ein Gang in die Kabine, das Öffnen des Motorraums, ein kurzes Schütteln zweier Relais sowie ein erneuter Startversuch zum dann aber stets zuverlässigen Erfolg führen. Auf Anraten des Technikers habe ich die Relais mit Heißkleber auf deren Steckplatine befestigt, um die Auswirkung der Motorvibrationen zu minimieren. Zunächst schien dieses die Lösung zu sein. Jedoch bereits einen Tag später quittierte der Startcomputer erneut seinen Dienst wegen eines immer noch existierenden Kontaktproblems an einem der Relais. Die Suche geht also weiter. Ideen zur Lösung gibt es jedenfalls noch und das Wackeln an den Relais hilft ja zumindest zuverlässig.

Die Festung von Ibiza vom Steg der Marina aus in der Nacht betrachtet. Links ist die Odd@Sea mit ihrem aufgerollten Vorsegel zu erkennen.
Der Eingang zur Festung von Ibiza zu Beginn der mittelalterlichen Feierlichkeiten
… von oben sieht man die Schönheit der Stadt am Besten
… hier mit Blick auf einen Teil des riesigen Hafens
… und hier mehr in die Richtung des offenen Meers
Die hübschen Mädchen tragen mit ihren Dudelsäcken und Trommeln nicht nur zum Geräuschpegel, sondern auch zur Stimmung bei
… das scheint auch Frieder vor der ausgeschmückten Kulisse zu beeindrucken

Guido kam pünktlich, von Palma de Mallorca mit dem Flugzeug einfliegend, vor vier Tagen in Ibiza an und wurde wegen seines stets entspannten und freundlichen Wesens sofort von uns Dreien in unsere kleine „Familie“ mit großer Herzlichkeit aufgenommen. So wurden wir unverzüglich vier einander zugetane Menschen. Auf dem Besuchsprogramm von Guido stand natürlich Segeln, Segeln und noch einmal Segeln. So sollte es dann auch sein und wir starteten mit beiden Schiffen von Ibiza aus zunächst einmal mehr zu unserer Traumbucht auf Formentera.

Guido kommt vom Traumstrand von Formentera wieder an Bord
… und muß erkennen, dass der Strandbesuch auch trockenen Fußes mit Hilfe des Beiboots möglich ist. Im Hintergrund eine relativ geringe Anzahl von weiteren Ankerliegern
… dem Skipper (hier leider etwas unterbelichtet) war dieser Umstand bereits bekannt
Man soll kaum glauben, dass man hieraus auf den anderen Teil von Formentera zu Fuß laufen kann. Wehe dem Skipper, der hier durchfahren will.

Von dort aus ging es dann getrennt weiter. Die Kairos segelte zurück nach Ibiza, die Odd@Sea ging bei gutem Segelwind auf der Westseite von Ibiza nach Norden, um dort eine der schönsten Ankerbuchten der Insel zu besuchen. Die erste angefahrene Insel zeigt sich als zu eng für unser Schiff. Außerdem war der Ankergrund nicht sehr gut geeignet. Die zweit Bucht war im Hinblick auf den Schwell und das Ambiente weniger einladend. Erst die Dritte erwies sich als eine weitere, tiefe Traumbucht mit seitlicher Steilküste, einem sich über die gesamte Breite der Bucht erstreckenden Traumstrand mit einer freundlichen Strandbar mit einer noch freundlicheren Bardame und einem geeigneten Liegeplatz für unser Schiff. Leider war auch hier der Schwell etwas ungemütlich, jedoch erträglich. Allerdings konnten wir von dem über 40 Knoten schnellen Wind über der Bucht kaum etwas merken. Also eine ideale Bucht für die Nacht. Entsprechend gut haben wir dort geschlafen.

Eine Traumbucht mit allem, was dazu gehört: Sandstrand und Strandbar
… auch daneben unterstreichen die steilen Klippen die Schönheit der Bucht
… was die beiden Seefahrer natürlich glücklich macht. Die Odd@Sea im Hintergrund
… beide hat das Dinghy sicher zum Strand und zurück an Bord gebracht
Guido beim Geniessen des Augenblicks vor dem Sonnenuntergang und nach dem Genuß eines Sundowners
… bevor der Sonnenuntergang uns zurück an Bord treibt

Die letzte gemeinsame Nacht verbrachten wir wieder am Ausgangsort Ibiza Stadt, dieses Mal allerdings nicht im Hafen, sondern in einer westlich davon gelegenen großen Ankerbucht mit teilweise steilen felsigen Ufern und einem ebenfalls schönen Sandstrand, in der ständig mehr als 30 Boote festgemacht hatten. Hier war es nachts sowohl fast schwellfrei als auch windstill. Also perfekte Verhältnisse bei der gegebenen Wetterlage. Da der Hafen in nur wenigen Minuten zu Fuß von diese Bucht liegt, besuchten wir an diesem letzten Besuchstag von Guido zunächst unsere Freunde von der Kairos auf deren Schiff, um dann mit der in diesen Tagen auf Ibiza sehr häufig benutzten Barkasse quer durch den riesigen Hafen zwischen den zum Teil großen Schiffen in die Altstadt zu fahren. Dieses Boot hatte es uns allen angetan, denn es ist steinalt und hat einen sehr langsam laufenden Dieselmotor, der es jedoch auf eine unerwartet große Geschwindigkeit beschleunigt. Es wird von den Mitgliedern einer Familie betrieben, die wir auf unseren zahlreichen Fahrten alle kennenlernen durften. Es war jedes Mal ein großes Vergnügen, den An- und Ablegemanövern zuzuschauen, die ohne Hilfsmittel wie Strahlrudern nur mit Steuer und Gashebel in beengter Umgebung ausgeführt werden müssen. Klassische Schiffsführung wie zur Zeit der Dampfschiffe also.

Die uralte Barkasse in voller Fahrt vor der Festung von Ibiza. Hanne und Frieder hat wohl die Belichtungsautomatik meiner Kamera oder die Unkenntnis deren Bedieners leider etwas zu stark abgedunkelt.
Abschied von der sicheren Ankerbucht in Ibiza Stadt am Abend vor der Abfahrt. Die Odd@Sea liegt dicht vor den Häusern auf steinigen Klippen auf ruhigem Wasser
… die Sonne geht langsam über dem Feld liegender Schiffe unter
… und die Lichter gehen zugleich in der Bucht langsam an.

Ich werde das Wetterfenster morgen nutzen, um wieder auf den Kontinent zurück und dann weiter in Richtung Gibraltar zu segeln. Leider geht damit auch eine unbeschreiblich schöne Zeit mit sehr lieben Menschen zu Ende, denen ich abschließend noch einmal vielen Dank für die gemeinsame Zeit sagen und alles Gute für die Zukunft wünschen möchte.

2 Gedanken zu „14.5.2018 Zwei Wochen lang üppig Leben und Segeln mit Freunden in und um Ibiza“

  1. Besten Dank für die spannende Gesellschaft und deinen tollen Bericht! Sind gut in Andratx angekommen, schöner Segeltag, du sicher auch in Javea! Weiter gute Fahrt Frieder und Hanne

  2. Lieber Jürgen,
    waren tolle Tage, hat mir viel Spass gemacht.
    Vielen Dank, war eine klasse Zeit.
    Zurück in Berlin musste ich nur fest stellen, dass es hier im Norden deutlich heisser ist als auf Ibiza 🙂
    Liebe Grüße
    Guido

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