17.4.2018 Das Wetterfenster weitet sich aus

Es scheint so, als sei die Zeit der schmalen Zeitfenster für sichere Fahrten über das Meer vorbei. Seit vier Tagen hat sich das Wetter spürbar beruhigt, d.h., die Wetterwechsel erfolgen nicht mehr so schnell. Ursache dafür war sicherlich eines der historisch schwersten und gigantischsten großen Unwetter auf dem Nordatlantik, welches die Luft in Europa bis zur letzten Woche durcheinander gewirbelt hat. Für mich bedeutete dieses, fünf Tage in Folge vorwärts zu kommen und es ist sicher, dass auch morgen ein fahrbarer Tag sein wird und ich genau zur richtigen Zeit einen weiteren Schulkameraden aus dem Gymnasium wiedersehen kann, der mit seiner Frau gerade Urlaub in der Nähe von Perpignan macht. Das bedeutet natürlich zunächst nur, dass es keine harten Windlagen wie Stürme, Gewitter und Schauerböen geben wird und den meistens in der Folge entstehenden Seegang. Es bedeutet allerdings nicht, dass damit dann stets der richtige Segelspaß verbunden ist, denn der Wind muss dafür sowohl stark genug, aber nicht zu stark sein und aus fahrbaren Richtungen kommen. Ein Wind von vorne muss außerdem so kräftig sein, dass man die zum Kreuzen benötigte längere Strecke als die Gerade zwischen Start und Ziel mit einer so großen Geschwindigkeit fahren kann, dass der Umweg einigermaßen zeitlich kompensiert wird. Ein reiner Rückenwind ist ebenfalls nicht sehr förderlich, da das Boot diesen nicht in viel Fahrt umsetzen kann. Man sieht, ohne ein wenig Glück kommt man nicht weit. Für mich bedeutete dieses, dass ich in diesen Tagen wieder einmal wenig segeln konnte, da der Wettergott wohl meine Planungen kennt und mir dann den Wind stetig auf die Nase serviert. Das hat sich seit dem Winter im Schwarzen Meer und in der Aegaeis nicht geändert. Das konnte ich bei dem Törn von Marseille bis zum Port Gardian genauso feststellen, wie danach auf der Strecken nach Cap D’Agde, wo ich heute im Vorhafen vor Anker liege. Gerade die heutige Strecke war gekennzeichnet durch herrliches Sonnenwetter und einer fast dünungs- und wellenfreien See. Die Odd@Sea fuhr so, wie sie in einem guten Hafen steht: Ohne Schaukeln und Wackeln. Es war wieder einmal ein besonderer Genuss, obwohl auch dieses Mal wieder nur für ein paar Stunden die Genua als Stützsegel eingesetzt werden konnte. Wie die Fahrt war, so ruhig und angenehm ist heute mein Liegeplatz im Vorhafen einer riesigen Marina. Das Schiff liegt wie eingegossen im Wasser und bewegt sich nur ein wenig, wenn ein anderes Schiff in den Hafen einläuft. Mit dem Einsetzen der Dunkelheit nimmt allerdings der Verkehr hier stark ab. Morgen steht die Fahrt zum Treffpunkt Canet an, etwa 60 km die Küste entlang nach Südwesten, wo ich das Boot im Hafen festmachen werde. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit einem Freund aus alten Tagen.

Gleich hinter der Ausfahrt aus Frioul liegt eine Insel, die einst als Gefängnis für prominente Gefangene diente
Vor dem Hintergrund der Stadt Marseille hoch am schwachen Wind unter Segeln
Da der WInd sehr schwach war, setzte ich die Vollbesegelung ein, also Genua, Kuttersegel und Großsegel (hier von der Luvseite gesehen) und gewann etwa einen halben Knoten Fahrt
… in Lee kann man die beiden Vorsegel besser erkennen
Unterwegs nach Saintes-Maries-de-la-Mer (Port Gardian) begegnete mir eine Dreimastbark auf Gegenkurs. Leider habe ich kein Teleobjektiv, dafür aber einen Fleck auf dem Sensor.

Jetzt muß ich noch aus aktuellem Anlaß einen Nachtrag schreiben. Es ist Mitternacht und ich habe die Abendzeit mit Musik und gutem Essen und mehreren Gläsern Rotwein verbracht. Plötzlich beleuchtet ein Motorboot der Hafenverwaltung die Odd@Sea mit hellen Scheinwerfern und macht mit Klopfzeichen am Rumpf auf sich aufmerksam. Folgsam ziehe ich mir ein paar Klamotten an und gehe in das Cockpit. Zwei aufgeregte Herren erklären mir auf französich, dass ich den Vorhafen sofort verlassen müßte, da das Ankern hier nicht erlaubt sei. Meine Antwort, daß ich seit 19:00 Uhr hier liege und durch den Genuß von einigem Rotwein nicht mehr in der Lage sei, das Schiff von hier wegzusteuern, ließ diese ihren Chef anzurufen, der sich sehr angenehm mit mir daraufhin am Telefon auf englisch unterhielt. Er hörte sich mein Argument an und verabschiedete sich freundlich. Das Problem war also gelöst. Warum man hier nicht ankern darf, bleibt für mich unklar. Der Vorschlag der beiden Hafenmitarbeiter war, entweder in die Marina hinein zu fahren, was dann natürlich teuer würde, oder außerhalb des Hafens zu ankern, was natürlich bei Nulltarif sehr einfach gewesen wäre, da das Wetter und die See heute Nacht gnädig sind. So ist das Leben. Sie verabschiedeten sich jedenfalls sehr freundlich und verschwanden im Dunkel der Nacht mit ihrem Motorboot und ich gehe jetzt schlafen oder trinke auf diesen Schreck hin erstmal noch einen win rouge.

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