19.11.2017 Das erste Ziel ist erreicht

Liebe interessierte Leser, ich bin gestern Abend in der Marina von Eforie Nord am Südrand von Konstanta angekommen und damit ist für mich ein lange gehegter Traum in Erfüllung gegangen, auch wenn es etwas länger gedauert hat, als ich es mir erhofft hatte. Das nächste Ziel, nämlich das östliche Mittelmeer, ist aber immer noch lange vor Weihnachten erreichbar, wenn das Wetter mitspielt.

Die Fahrt dorthin war von schlechtem Wetter und vom Zeitdruck bestimmt. Bei der frühen Abfahrt vom Ankerplatz in Cernavoda nieselte es, etwas später hörte der Regen für etwa eine Stunde auf, um die letzten Kilometer der Kanalfahrt wieder mit etwas stärkeren Regen zu „verwässern“. Auch die letzten 7 Kilometer durch den riesigen Hafen von Konstanta sowie über das offene Meer waren ausgesprochen nass. Nicht nur von oben, sondern auch, wegen der heftigen Wellen und des starken Windes, von unten. Die Sicht betrug weniger als einen Kilometer und so wurde es eine richtige, für die Seefahrt typische kleine Navigationsaufgabe, den kleinen Hafen von Eforie Nord zu finden.

Da ich am Vorabend bereits von der Capitanerie von Cernavoda (so etwas wie der Hafenchef) bei der Schleuse mit allen erforderlichen Daten (und das sind unglaublich viele) angemeldet wurde, wurde ich bereits bei der Anfahrt auf Englisch angesprochen. Die Kammer stand für mich alleine bereit und eine nette junge Dame reichte mir per Angel und Körbchen ein Merkblatt die etwa 12 m nach unten mit besten Wünschen für die Fahrt. Darin wurde das Prozedere für die Ausschleusung in Konstanta beschrieben, bei dem vor Allem die Übergabe des „Lösegelds“ zum Verlassen des Kanals beschrieben war. Bevor man nicht bezahlt hat, darf man nämlich nicht in die Schleusenkammer am Zielort.

Der Kanal selbst ist gigantisch breit und hat durchaus interessante Stellen, eine davon ist in dem Bild zu sehen. Verkehr gibt es nur sehr wenig, es ist eher langweilig. Bedauerlich ist der Zustand sämtlicher technischen Anlagen am Kanal. Von den Doppelschleusen funktioniert in Cernavoda nur eine. Die andere scheint schon lange außer Betrieb zu sein. Da es regnete und ich nicht am Steuer stehen wollte, übernahm der Autopilot den größten Teil der Fahrt. Ich habe meine Schuld bei einem kurzen Anlegen vor der Ausfahrschleuse entrichtet und konnte wieder direkt in eine Kammer hinter einem Frachter einfahren.

Ein Teil der Kanalstrecke geht durch ein Gebirge durch einen sehr imposanter Einschnitt
In der Ferne sieht man etwas Undefinierbares
… was sich als ein völlig abstraktes Denkmal entpuppt, welches den Bau des Kanals symbolisieren soll

Spannend wurde es nach der Kanalausfahrt, denn der steife Ostwind war bereits in dem riesigen Hafen äußerst wellenwirksam. Die Sicht war schlecht und es wurde bereits dunkel. Mangels Liegealternativen blieb mir die ungeschützte Fahrt über das Meer nicht erspart und gab mir einen Vorgeschmack auf das, was mich in Zukunft wohl häufiger erwartet. Beim Verlassen der Abdeckung ging es dann richtig los, aber mit Rückenwind. Das erste Lebewesen, welches mich im Schwarzen Meer begrüßte, war ein Delphin, der neben mir einige Sprünge machte, um danach wieder zu verschwinden. Ich fühle mich von einem der wirklichen Hausherren dieses Gewässers sehr geehrt und hätte mir gewünscht, dass ich die Kapazitäten für ein Foto gehabt hätte. Problematisch war eigentlich in diesem Streckenabschnitt nur die sehr enge Einfahrt in die Marina, die durch zwei etwas größere Coladosen als rote und grüne Tonnen gekennzeichnet ist. Der beidseitige Wall aus großen Steinen und Wellenbrechern sorgte dafür, dass die Wellen quer zur Einfahrt liefen und ich benötigte alle meine Kraft, die Odd@Sea mit Vollausschlägen in der Einfahrtrinne zu halten. Eine sehr große Welle, die mich hier erwischte, erlaubte mir kurzzeitig einen kompletten Überblick über den gesamten Hafen aus einer größeren Höhe zu bekommen. Im darauf folgenden Moment hat mich die Welle dann auch schon mitten in das Hafenbecken gespült und ich stand recht verdutzt da. Der Hafenmeister sagte mir später, dass er mit einer Havarie gerechnet hatte, denn er konnte nicht wissen, dass mein Schiff in diesem Moment einen sehr geringen Tiefgang hatte.

Hinten links

Hinten links ist die sehr schmale Einfahrt nach Eforie Nord mit den steinernen Wellenbrechern zu sehen
Hier stehen durchaus auch große Segelyachten

Mit diesem sehr freundlichen Menschen, der weder englisch noch deutsch sprechen kann, habe ich dann eine halbe Nacht vor einem Computer mit einem Sprachübersetzungsprogramm in seiner ca. 1,5 x 1,5 m großen und gut geheizten „Pförtnerloge“ gesessen, mich trefflich und mit viel Spaß mit ihm per Tastatur und Mimik unterhalten und dabei eine Riesenflasche hervorragenden rumänischen Wein gelehrt. Die Ankunft im Schwarzen Meer war also ein voller Erfolg. Da heute Sonntag ist, kann der Mast erst morgen gestellt werden. Ich bin gespannt, wie das dann morgen funktionieren wird.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag.

3 Gedanken zu „19.11.2017 Das erste Ziel ist erreicht“

  1. Hallo Jürgen. Herzlichen Glückwunsch zu der geschafften Donau Passage. Wenn man das alles liest, hast Du ja viel erlebt und viele nette hilfsbereite Leute getroffen. Freut mich, dass es so geklappt hat und dass es endlich aufs Meer geht und du endlich Segel setzen kannst. Hoffe, dass wir uns nächstes Jahr irgendwo im Mittelmeer treffen.

    Viele Grüsse Georg

  2. Lieber Jürgen, gratuliere zu diesem ersten großen Etappenziel und dazu, dass du nun die Segel setzen kannst und deine odd@sea dir bestätigen kann, dass sie nicht nur ein gutes Motor-, sondern auch ein geschmeidiges Segelboot ist! Ist ja schon ein ziemliches Stück Weg, das du da bewältigt hast, mit allerlei Überraschungen, auch einigen harten, aber im Überblick doch überwiegend guter Laune. Die computer-gestützte, sprachlose Sprachparty in 1,5qm-Kabuff mit großkalibriger Weinflasche z. B. stelle ich mir sehr witzig vor. Bin auch gerade ziemlich sprachlos, in Japan. Unser Sohn macht da ein Auslandssemester und wir, meine Frau und ich, besuchen ihn. Da kann man , wie wohl bei dir auch?, häufig noch nicht mal ansatzweise was lesen. Hier ist kalter, regnerischer November. Nächste Woche fahren wir zurück ins deutsche Pendant. Dir wünschen wir viele warme Tage mit räumlichen 3-4er Winden und weiter viele freundliche Bekanntschaften!
    Alles Gute aus Kanazawa, West-Japan.
    Wolfgang

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