20.2.2018 Ein langer Fahrtag bei schlechtem Wetter

Es sollte ein größerer Schlag werden, um rechtzeitig zum Treffen mit meinem Freund und für eine Woche Mitfahrer Marius in Neapel zu sein. Am Startort Cetraro war es bereits grau in grau und es wurde auch nicht besser während der Überfahrt nach Acciaroli mit einer Länge von 115 km.

Die eher kleine Marina in Cetraro war gut gefüllt. Hier ein Blick bei der Abfahrt von dem Steg im Vordergrund, der zum öffentlichen Teil des Hafens gehört und an dem ich kostenfrei übernachten konnte.
Schon bei der Einfahrt war auch hier starke Versandung zu erkennen. Hinter der Hafenmole ist eine Sandbank zu erkennen, die da eigentlich nicht hin gehört. Brechende Wellen und Untiefen in der Einfahrt sind die Folge.
Ein Blick zurück auf die Ausfahrt (die Lücke rechts) zeigt, dass die Ecke zwischen der Mole des Vorhafens und der roten Seite der Hafeneinfahrt stark versandet ist.

Nach dem Besuch der Marina in Reggio mit seinen horrenden Liegegebühren habe ich meine Strategie wieder auf diejenige umgestellt, die mir seit der Einfahrt ins Schwarze Meer gute Dienste in Sachen Sparsamkeit geleistet hat: Nur noch in reinen Fischereihäfen bzw. bei Marinas in den stets vorhandenen Fischereihafenteil anlegen oder in den meistens im Wetterschatten von Hafenmolen vorhandenen Buchten ankern. Solange niemand daran Anstoß nimmt, geht das gebührenfrei über die Bühne. Allerdings darf man keinerlei Service erwarten. Für eine energieautarke Yacht wie der Odd@sea ist das kein Problem. Das Ankern stellt für mich ohnehin die mit Abstand schönste Form der Übernachtung auf dem Wasser dar. Vor dem Strand im Stockfinsteren liegen und erst einmal nach anstrengender Fahrt warm duschen und anschließend bei warmer Bude kochen und speisen, was gibt es Schöneres? Mal sehen, wie lange ich diese Strategie durchhalten kann. Das Auffüllen von Wasser und Kraftstoff hatte bisher immer ebenfalls gut funktioniert. In Marinas tut man sich da häufig schwerer, diesen Service anzubieten, wenn man nachfragt. Denn wenn im Winter die stationäre Hafentankstelle abgeschlossen wurde, dann fällt niemanden so recht eine komplikationsarme Lösung ein, wie es auch in Reggio der Fall war. Die Fischerei braucht immer Sprit und hat ihre funktionierenden Versorgungskanäle.

Zurück zur letzten Fahrt. Anfänglich regnete es leicht, später nahm der Regen zu, um am Ende der Fahrt, beim Festmachen des Schiffes, in einem monströsen Schauer mit Tropfen, die einem den Schädel spalten könnten, zu enden. Nur ein Vorteil hatte dieses Wetter: Die Regenschauer führten ihre eigenen Windsysteme mit sich, was immerhin bei insgesamt zum Segeln zu schwachem Wind dafür sorgte, dass für kurze Zeiten bei bis zu 20 Knoten achtern Wind Rauschefahrt angesagt war. Allerdings rauschte der Motor dabei mit. Die Sicht war über dies so schlecht, dass ich keine Bilder machen wollte, auf denen dann nichts zu sehen sein würde.

Hier angekommen, fand ich einen Liegeplatz im Fischereiteil des Hafens in einer hinteren Ecke an einer respektablen Pier. Dort angekommen, kam ein offensichtlich für den Hafen Verantwortlicher mit einem PKW angefahren und versuchte mir auf Italienisch klarzumachen, dass ich hier an dieser Stelle wegen zu geringem Wasserstand nicht liegen könnte. Ein „quod errat demonstrandum“ konnte ihn dann doch davon überzeugen, dass es für mich unproblematisch ist, an flachen Stellen sicher zu liegen. Er verabschiedete sich zumindest beruhigt. Es war heute früh genug, um noch in der kleinen schmucken Ortschaft die Reserven an Lebensmitteln aufzufüllen. Mein Liegeplatz lag strategisch sehr gut, denn der Weg zu den Geschäften war nicht weit. Der Ort besticht durch seinen Pflegezustand und Sauberkeit sowie die kleinen Gassen, die kreuz und quer angelegt sind und ein Verlaufen von Ortsunkundigen garantieren.

Morgen geht es nach Capri, von wo aus der Sprung nach Neapel in zwei bis drei Stunden am Vormittag zu schaffen ist, wenn sich die Wetterberichte als richtig erweisen. Mal sehen, was kommt.

Ein Gedanke zu „20.2.2018 Ein langer Fahrtag bei schlechtem Wetter“

  1. Hallo Jürgen,
    aufgrund anstehender Arbeiten auf unserer Kolchose habe ich eben erst Deine Abenteuer seit Verlassen des Schwarzen Meeres weiter verfolgen können, und das aber am Stück und mit großem Dank. Mittelmeer im Winter ist kein Badeurlaub, die Fahrt von Sizilien (Capri?) nach Norden Richtung Südfrankreich auch nicht. Größtes Erlebnis weit und breit sind aber die Eolischen Inseln (Stromboli und Co), die Deine bisherigen Erlebnisse sicher deutlich positiv bereichern könnten, sofern es Dein Zeitplan zulassen sollte. Ansonsten halte Dich in Richtung Norden bitte östlich von Sardinien und Corsika, häufige überwiegend westliche oder nordwestliche Winde (Mistral) machen sonst teilweise das Navigieren unmöglich (Legerwallküsten). Vorsicht beim Queren der Straße von Bonifacio und Cap Corse. Hoffe, Du machst mit den Korsen bessere Erfahrungen als ich vor Jahren.Wir freuen uns schon riesig auf Deine Ankunft im Bormer Hafen, Burkhard hat uns schon vorab berichtet. Südfrankreich wird Dich, abgesehen von gelegentlich etwas zu starkem Mistral, mit viel regelmäßigem Segelwind entschädigen, es ist die zweitwindreichste Region unseres Planeten nach Kap Hoorn.
    Herzliche Grüße
    Rita und Andreas

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