21.6.2018 Glück und Pech wechseln sich ab und das ist gut so

Ich möchte einmal beginnen mit einem kurzen Rückblick auf das Wetter während meiner Fahrten im Schwarzen Meer und im Mittelmeer. Das war geprägt durch eine außerordentliche Unbeständigkeit, die wohl auch primär der Jahreszeit, Winter und Frühling, geschuldet war. Es gab die für meine gewählte Route im Uhrzeigersinn um Europa typisch westlich geprägten Winde, wenn ich grundsätzlich vom Wetterchaos in der Ägäis einmal absehe. Die Frage war jeden Tag erneut, ob der Westwind eher eine nördliche oder südliche Komponente aufweisen würde. Ich würde sagen, dass unter dem Strich etwa ausgeglichene Verhältnisse vorlagen, was natürlich für die hauptsächlich westlich geprägten Kurse nicht eben optimal war. Im Atlantik stellte sich zunächst ein strikter West- und, nach Umfahren der Punta Europa, ein ebenso strikter Nordwind ein. Das war zu erwarten. Ebenso wird es nach dem Passieren des Cap Finisterre in der Biskaya eher wieder Westwinde geben, die mich dann bis in die Nordsee in positiver Weise begleiten werden. Das ist mir auch von erfahrenen Seefahrern mittlerweile bestätigt worden. Es kann also im Moment nur darum gehen, wie stark der Nordwind ist und weniger darum, ob es auf den einzelnen Teilstrecken mehr oder weniger für das Segeln vorteilhafte Abweichungen davon geben wird. Der Atlantik hat mich insofern bisher ganz gut bedient, da er die Nordwinde, gerade in den letzten Tagen nach dem zehntägigen Abwettern in Cascais, eher hat etwas schwächer ausfallen lassen, sodass ich wenigstens nicht zu stark im Vorankommen behindert wurde. Da er mich aber ebenso mit zwar imposant großen, aber sehr langsam an- und abschwellenden Wassermassen beglückt hat, blieb mir der bisherige Ärger über das Eintauchen in die kurzen Wellen und dem damit verbundenen Fahrtabfall völlig erspart, was das Vorankommen nicht nur schneller, sondern auch angenehmer gestaltete. Ich stehe daher noch ganz unter dem Eindruck der Fahrten von Cascais in den Vorhafen von Pineche, einem durch die Fischerei geprägten Hafen mit einer eher kleinen Marina, sowie von dort bis zu meinem derzeitigen Standort, der Marina von Nazare. Die Erfahrungen waren insbesondere von dem Glück geprägt, dass es sogar zeitweilig an beiden Tagen nicht nur schwachen, sondern sogar Rückenwind gab. Leider gab der mit etwa 1 bis 2 Knoten nicht viel her, verminderte aber auch nicht die erreichbare Geschwindigkeit mit der Maschine. Das nenne ich Glück genauso wie die Tatsache, dass die vielen Gewitter der letzten beiden jeweils sorgfältig um meine Fahrstrecke herumzogen und die Odd@Sea nur nachts mit reichlich Blitzlicht bedachten.

Was war nun das Pech in diesen Tagen? Das begann bei der Suche nach einem Ankerplatz im Vorhafen von Pineche, also in dem von der Hafenmole geschützten Bereich im Hafen, die nicht mit Hafenanlagen ausgestattet ist. Hier standen als ich einlief bereits mehrere Yachten, was mir eigentlich signalisierte, dass man hier geschützt stehen und zugleich auf einen geeigneten Ankergrund treffen würde. Neben einer schwedischen Najad, Kenner werden diesen Namen mit großen, komfortablen aber auch hochpreisigen Yachten aus Skandinavien verbinden, war mein Ankerversuch sofort erfolgreich, befriedigte aber mein Gefühl nicht dauerhaft, dass sich die beiden großen Yachten beim Schwoien zu nahe kommen und u. U. berühren konnten. Kurz vor Sonnenuntergang habe ich mich dann dazu entschlossen, den Anker noch einmal zu heben und nach einem Platz in größerer Entfernung zu suchen. Das war nicht ganz einfach, denn der ansonsten an diesem Tag so ruhige Wind frischte zur Nacht hinauf und ich musste mich als Einhandfahrer sehr sputen, als ich den Bug des Schiffes an einen geeigneten Ort gebracht habe, dass ich den Anker schnell mit ausreichender Kette ausbringen und dann schnell wieder ins Cockpit zurückkommen und mit dem Rückwärtsgang den Anker in den Grund zu fahren, so weit, dass er auch bei starkem Wind gut hält. Der Ankergrund zeigte sich jetzt allerdings nicht mehr so gutmütig wie beim ersten Mal. Ich mußte insgesamt drei Mal neu ansetzen und nahm dabei zuletzt leider den Anker der Najad mitsamt einer armdicken Muringleine vom Hafengrund auf. Die schwedischen Nachbarn, ein Ehepaar, welches sich wie ich auch aus dem Mittelmeer kommend auf dem Weg nach Norden befand, waren natürlich nicht sehr erfreut über diese fast schon nächtliche Störung ihrer Ruhe an Bord. Das Problem stellte sich aber sehr viel unangenehmer dar, als es zunächst aussah. Den Anker holte der Skipper mit seinem Dinghi zurück in sein Schiff und ich konnte mit einem von einem griechischen Fischer erlernten Trick die an meinem Anker hängende Muringleine loswerden. Dabei wird diese Leine mit einer eigenen Leine am Schiff festgemacht, sodass diese bei fallendem Anker zunächst oben festgehalten wird. Neben dem Anker wird anschließend die Leine wieder an den Grund des Hafens fallen gelassen. Das hatte auf Anhieb perfekt funktioniert. Was nicht funktioniert hat war, dass der Schwede seine Ankerkette aus bis dahin noch unbekanntem Grund nicht mehr einziehen konnte, um es dann erneut vor den Anker zu legen. Da sein Schiff auch unter Vollgas sich nicht von der Stelle bewegte, konnte er für die Nacht jedenfalls erst einmal beruhigt schlafen gehen. Ich sagte ihm natürlich meine Hilfe bei der Problemlösung für den nächsten Morgen zu und suchte mir erfolgreich im Dunkel der Nacht einen neuen Ankerplatz der jetzt genügend Freiraum aufwies, allerdings schon fast die Hafeneinfahrt blockierte. Ich setzte jetzt voll auf mein Ankerlicht. Am nächsten Morgen fuhr ich mit meinem Dinghi zur Najad hinüber und konnte feststellen, dass der Schwede nicht nur mit einer professionellen Taucherausrüstung ausgestattet war, sondern damit auch umzugehen verstand. Allerdings waren seine Bemühungen insofern nicht erfolgreich, da sich seine Ankerkette mehrmals um einen am Hafengrund liegenden alten Stockanker eines alten Fischerboots gewickelt hatte. Jetzt war professionelle Hilfe angesagt. Diese konnte zu meinem Erstaunen in wenigen Minuten telefonisch über den Hafenmeister aktiviert werden und kam mit einem Motorboot zum Tatort. Der junge Mann musste sich erheblich mühen, konnte die Ankerkette aber in relativ kurzer Zeit aus ihrer misslichen Lage befreien. Alle waren zufrieden. Wo bleibt also das Pech? Als originärer Problemverursacher wurden mir die Kosten auferlegt. Irgendwie konnte ich das letztlich verstehen, aber mein Zutun war weder absichtlich noch in seiner Wirkung für mich absehbar. Egal, ich übernahm eine Rechnung von 130 € und setzte meine Fahrt fort, die mich wegen des mir heute sehr freundlich gesinnten Meers dann auch sehr schnell wieder entspannen ließ. Glück und Pech liegen also nahe beieinander und wechseln sich ab und zu gegenseitig ab. So muss es auch sein.

Zum Abschluß noch ein paar Bilder von den letzten Fahrtagen:

Dieses kuriose Kap mußte ich unmittelbar nach dem Verlassen des Hafens von Cascai umfahren. Die portugiesische Steilküste ist nicht so hoch wie die der Mittelmeerländer, ist aber wegen ihrer schroffen Struktur sehr imposant.
Drei typische Merkmale der portugiesischen Küste: Lange Strände (links), eine ausgeprägte farbliche Textur der Steilküste ( in der Mitte) und weniger steile bewachsene grüne Küstenabschnitte (rechts). Das Meer zeigt hier keine Windsee, denn es ist windstill. An der Trennlinie in der Textur kann man erkennen, dass die dahinter liegende See deutich tiefer liegt. Die Höhe der langwelligen See lag hier etwa bei 2 Meter.
Diese hervorragend geeignete, wunderschöne Ankerbucht lag leider so nah an meinem Startpunkt des Tages, dass ich mich entschlossen habe weiterzufahren. Sie öffnet sich nach hinten in der Form eines Omegas. Deshalb kann man hier nur die Enge der Einfahrt und den Strand erkennen.
Anfahrt auf den Hafen von Nazare. Das kleine Städtchen hat eine Ober- und eine Unterstadt. Links am Hang kann man eine schräge Linie erkennen, die sich als ein Schrägaufzug erweist, der die beiden Ortsteile für Fußgänger auf das Angenehmste verbindet.
Man kann die Leuchtfeuer auf dem Molenköpfen der Hafeneinfahrt, rechts grün, links rot, kaum erkennen. Dazwischen geht es in den Vorhafen von Nazare

Ein Gedanke zu „21.6.2018 Glück und Pech wechseln sich ab und das ist gut so“

  1. Tja mein lieber Jürgen,
    über Ankermanöver und ihre Tücken können alle Seefahrer wohl Bücherseiten füllen. Auch wir hatten im Mittelmeer viele Erlebnisse, auf die wir mit unserer kleinen Crew gerne verzichtet hätten.
    Ein Tipp von mir: Wenn ich einen Taucher benötige, gebe ich mich immer selbst als Taucher zu erkennen, der sich nur nicht selbst helfen kann, weil ich kein Equipment dabei habe. Es ist dadurch immer freundlicher und wesentlich billiger.
    Allerdings bin ich tatsächlich auch Sport-Taucher.
    Aber man kann es ja mal versuchen……..

    Weiterhin „Gute Fahrt“! wünscht die Crew des „Goldzahn“!

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