23.9.2019 Wieder einmal „wie Gott in Frankreich“

Der „Parkplatzwechsel“ von einem in den anderen Hafen in Dünkirchen ging rasch und unkompliziert. Etwa 2 km Fahrt durch den Hafen waren zu überwinden, um das Schiff an einem neuen Steg wieder festzumachen. Also keine wirklich herausfordernde nautische Aufgabe. Die wirkliche Begründung in dem „Parkplatzwechsel“ war eigentlich nur das nicht funktionierende WLAN im Hafen des letzten Tages. Was für ein Luxusproblem!

Der Nachmittag brachte mir und den beiden Seglern aus Deutschland dann einen sehr aufschlussreichen Besuch des örtlichen Museums für die sehr weitgehende maritime Vergangenheit von Dünkirchen sowie einen Besuch eines historischen Großseglers aus deutscher Fertigung, der hier für immer festgemacht ist. Bemerkenswert war, dass mein versehentliches Ansprechen einer Mitarbeiterin des Museums in deutscher Sprache aufgrund einer Verwechselung und der darauf folgende erklärende Diskurs dazu führte, dass wir mit sehr praktischen und zugleich informativen elektronischen Museumsführern in deutscher Sprache für unseren Rundgang ausgestattet wurden. Man bietet ansonsten nämlich ausschließlich Erläuterungen in französischer Sprache an. Es wäre zu umfangreich über dieses Museum und seine Darbietungen zur anfänglichen Fischerei über die Entwicklung der Handelsschifffahrt, die zahlreichen Kriege bis hin in die Gegenwart zu berichten, zumal die dargestellte Materie nicht gerade unkompliziert ist. Sehr beeindruckend war allemal auch der anschließende Rundgang durch einen Großsegler im Hafen, der einem sehr realistisch das Leben der Menschen an Bord eines Salpeterschiffes auf der Route um Kap Horn aufzeigte, von der Kajüte des Kapitäns über die Räume der Offiziere bis hin zu den Hängematten der Mannschaft. Es muss sehr viel Enthusiasmus oder die schiere Armut bei den Menschen damals vorgelegen haben, als sie dieses Leben in der christlichen Seefahrt für sich ausgewählt haben.

Ein Regenschauer zwang uns dann zu einem schnellen Rückzug in den Hafen, vorbei an einem Universitätsgebäude, welches für mich eindeutig das höchste Ranking auf der für mich nach oben eindeutig begrenzten Schrecklichkeitsskala einnehmen würde. Dieser Schock konnte aber durch einen sehr schönen, von intensiven, interessanten und für mich auch lehrreichen Gesprächen über die Segelei sowie der gesellschaftlichen Entwicklung geprägten Abend an Bord des Schiffes meiner Begleiter mehr als vollständig kompensiert werden.

Für die kommenden Tage wird mich die Westwetterlage mit zum Teil starken Winden an einer Weiterfahrt hindern.

Es gilt also: Abwarten und Tee trinken!

Ein Gedanke zu „23.9.2019 Wieder einmal „wie Gott in Frankreich““

  1. Hi Jürgen, schön, dass es dir gut geht und du wieder unterwegs bist. Odd at sea wird ja offenkundig immer mehr zur Einheit mit ihrem Skipper, das freut uns sehr ebenso wie deine interessanten Berichte. Wir liegen zur Zeit im schönen Carloforte im SW Sardiniens, allerdings bis So fest, da unser Propeller fehlt, Werftfehler…. Ab Mo geht es dann zu unserem Winterhafen Navarrese, wo wir uns sehr wohl fühlen. Dir weiterhin gute Fahrt, pass auf dich auf Frieder und Hanne, SY Kairos

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