26.6.2018 Ich bin wieder in Spanien – Nordspanien

Meinen befürchteten Alptraum in seglerischer Hinsicht habe ich in Portugal nicht erlebt. Nach der Zwangspause in Caisais konnte ich jeden Tag fahren und das bei außerordentlich komfortablen Wetter, wenn auch das reine Segeln eher selten war. Ich hatte berichtet. Aber immerhin waren viele Stunden ohne Motorunterstützung zustande gekommen, was ich mit Genuss wahrnahm. Portugal hat mich nicht nur wegen der äußerst freundlichen, ja, ich würde im Vergleich zu den bisher durchfahrenen Ländern, in ihrem Verhalten Fremden gegenüber, sogar vornehmen Menschen begeistert. Von der im westlichen Teil eher lieblichen Küste mit unendlich vielen und unendlich langen Stränden und dahinter liegenden vielfältigen Kulturlandschaften einmal abgesehen. Einfach wunderschön. Die Tage waren bestimmt durch ruhiges Fahren auf dem Meer, welches sich ehr wie der Wannsee in Berlin darstellte. Dünung und eine signifikante Welle gab es in den letzten Tagen nicht mehr. Die Odd@Sea fuhr wie ein Ausflugsdampfer. Allerdings war es fast durchgehend bewölkt und damit recht kalt. An späten Nachmittag frischte jeweils der Wind etwas auf, sodass auch reines Segeln, zwar mit 2 bis 3 Knoten sehr langsam, aber zu meinem vollen Vergnügen möglich war.

Diese Taube nahm meine Vorbeifahrt als blinder Passagier war. Sie begleitete mich etwa eine Stunde, obwohl ich an Bord sehr aktiv war und sie auf der Reeling einen sehr unsicheren Stand hatte. Dann verschwand sie in der Weite des Meeres.
Auf der Badeplattform lag zur gleichen Zeit ein zerstörtes Vogelei. Das ausgelaufene Eidotter habe ich später weggespült, aus Rücksicht vor der Taube. War das eventuell der Grund dafür, daß sie mich so lange begleitet hat?

Plangemäß bin ich von Aveiro nach Leixöes, einem sehr großen Ölhafen mit einer kleinen Marina am Rande gefahren. Dass hier Öl umgesetzt wird, konnte ich bereits daran erkennen, dass meine Logge, so nennt sich der Geschwindigkeitsmesser, im Hafenbecken nicht mehr arbeitete, da das Wasser eher einer öligen Brühe glich. Von dort ging es nach Viana de Castelo, einer Marina in einem Fluss. Wie in Aveiro habe ich es auch hier zeitlich nicht geschafft, den Ebbstrom zu vermeiden. Gegen den Flußstrom zu fahren, der durch das abfließende Wasser bei Ebbe noch verstärkt wird, bedeutet eine Situation zu erleben, wie ich sie an der Lorelei bei der Rheinfahrt erlebt habe. Bei Vollgas bleiben da nur noch 2 Knoten übrig, was die wenigen Kilometer bis in die flussaufwärts liegenden Häfen zu einem abendfüllenden Programm machen kann. Hier kam meine Erfahrung mit dem vorteilhaften ufernahen Fahren voll zum Tragen.

Schon bei der Einfahrt in den Hafen von Leixöes deutete ein Tanker an, dass es sich um einen Ölhafen handelt.
Es fehlte aber auch nicht an Containerschiffen. Diese großen Schiffe fahren nicht unter eigener Maschine in diesen engen Hafen ein, sondern werden von Schleppern an ihren Liegeplatz manövriert, wie man am rechten Schiff erkennen kann.
In einer Ecke des Hafens liegt eine kleine Marina, die von hohen Pierwänden umgeben ist. Hier ein Rückblick bei der Ausfahrt bei Flut
Die Odd@Sea mit anderen Segelschiffen bei Ebbe vor dem Schwimmsteg
… von der Pier aus gesehen, kann einem schon schwindelig werden
Das futuristisch anmutende Gebäude am Hafenrand ist die Kapitanerie des Hafens

Eigentlich wollte ich heute in Sanxenxo (frage bitte niemand nach der Aussprache), dem ersten Hafen in Nordspanien, lediglich tanken und aufgrund der ruhigen Nächte vor einem Strand außerhalb des Hafens ankern. Die Tankstelle wurde aber 3 Minuten vor meiner Ankunft geschlossen und erst wieder morgen Vormittag um 10 Uhr geöffnet. Der gerade den Laden abschließende Tankwart bot mir aber den Kundenliegeplatz für die Nacht an. So kann man auch Geld sparen. Die portugiesische Gastlandflagge hatte ich bereits während der Fahrt beim Grenzübertritt am Rio Minho wieder gegen eine spanische Flagge getauscht. Die letzten zwei Stunden der heutigen Tour konnte ich unter Vollbesegelung motorlos mit bis zu 4 Knoten Fahrt bei bis zu 10 Knoten achterlichem Wind fahren, was mir wieder einmal machte, was mich so fasziniert am Segeln: Absolute Ruhe im Schiff und niemand wird gestört, wenn dabei die Musikanlage auf voller Pulle läuft. Ein doppelter Genuss.

Morgen geht es an das Kap Finisterra, dem Ende der Welt, wie der Name andeutet, wo ich ankern werde. Von dort werde ich westlichen Kurs nehmen und mit einer Zwischenstation in Hafen von Corme nach La Coruna fahren. Insgesamt bin ich die letzten beiden Wochen hier am Westende von Europa trotz vieler schlechter Prognosen von alten Hasen erstaunlich schnell vorangekommen und es ist noch keine Änderung der Wetterlage zu erkennen. Von wo ich dann den Sprung über die Biskaya noch La Rochelle oder nach Brest ansetzen werde, weiß ich noch nicht. Lust auf eine mehrtägige Fahrt habe ich jedenfalls in der Zwischenzeit angesammelt. Mal schauen, wie das Biskayawetter wird.

3 Gedanken zu „26.6.2018 Ich bin wieder in Spanien – Nordspanien“

  1. Hallo lieber Jürgen,
    Wir verfolgen deine Reise mit viel Interesse und lesen deine Blogeinträge mit viel Vergnügen.
    Unser derzeitiger Standort mit unserem rollenden Zuhause sind die Ile de Brehat an der Nordküste der Bretagne. Fahren aber morgen Richtung Heimat, werden uns also leider verpassen.
    Weiterhin alles Gute
    Konni und Jutta

  2. Lieber Jürgen, herzliche Gratulation zur Ankunft im sicheren Hafen von La Coruna.
    Jetzt lese ich noch Deinen letzten Blog, die Fotos wecken mein Interesse.
    Beste Grüsse aus der immer heisseren Schweiz
    Walter

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