27.1.2018 Nach Norden innerhalb der Inselwelt des Ionischen Meers

Ich melde mich wieder, nachdem ich, wie angekündigt, jeweils eine Nacht in Zakintos und Poros verbracht habe und heute in dem kleinen Hafen von Fiskardho, am nördlichen Augang der zwischen den Inseln Zakintos und Ithaki liegenden Wasserstraße festgemacht habe. Das Wetter ist einfach herrlich, wenn man als Tourist die Gegend besucht. Des Seglers Herz kann sich daran auch erfreuen, jedoch würde er ein wenig Wind in einer für seine Fahrtrichtig geeigneten Richtung bevorzugen. Seit drei Tagen herrscht aber im Ionischen Meer Windstille. Na ja, Europa soll umrundet werden und da darf man keinen Spriteinsatz scheuen. Immerhin half mir in der Passage eine Strömung von einem halben Knoten, etwas schneller als nominal zu fahren.

Zwei Fähren von zwei Gesellschaften bedienen die gleichen Orte auf den Inseln in Konkurrenz
Zakintos ist eine sehr schöne Stadt mit einer langen Hafenpromenade
Wer etwas auf sich hält, baut zwei Kirchen gleich nebeneinander. Absolute Windstille!

Die Tage der stürmischen Winde scheinen eine Pause eingelegt zu haben. So waren die Nächte in den genannten Häfen ausgesprochen ruhig, nur leicht gestört durch nächtlich ein- und ausfahrende Fähren. Diese Beobachtung veranlasst mich zu der folgenden Überlegung. Die Sorge um eine Mobilie wie ein Schiff empfinde ich anders, als die Sorge um eine Immobilie wie ein Haus. Da ich beide Varianten aus eigener Erfahrung kenne, erlaube ich mir ein paar Bemerkungen dazu. Die Immobilie ist sehr wenig bedroht durch äußere Einflüsse. Ein Schiff wird ständig bedroht, beim Fahren und selbst in einem „sicheren“ Hafen. Sicher ist ein Hafen nur dann, wenn in der einzigen, nicht abgedeckten Windrichtung niemals Wind auftritt. Wenn man auf einem Schiff lebt, bekommt der Ausdruck „sorgen“ noch einmal eine völlig andere Bedeutung. Es sind hauptsächlich die kleinen Dinge, die einer ständigen Aufmerksamkeit bedürfen. Beispielsweise suche ich seit Tagen nach einer kleinen Plastiktüte, in die ich neu eingekaufte Schlauchsystemteile wie Kupplungen, Verschraubungen und Adapterstücke eingepackt hatte. Ich benötige das neue Schlauchsystem, da in den meisten Häfen nur der Wasserhahn angeboten wird. Mein Wasser wird knapp und ich bin auf die Teile angewiesen. Aber wo sind sie? Ich habe das ganze Schiff ohne Erfolg auf den Kopf gestellt. Noch einmal suchen oder aufgeben und neu einkaufen? Ähnlich geht es mir mit dem Lötzinn, welches ich zur endgültigen Reparatur meiner Antenne brauche. Einfach weg! Auf See redet man in derartigen Fällen vom Klabautermann, der seine Streiche spielt. Dieser Clown hat sicherlich auch seine Hände im Spiel, wenn es um die markanten, bedrohlich wirkenden Geräusche geht, die sich wie das Schlagen von schweren Gegenständen auf eine Blechstruktur anhören und immer bei größeren Rollbewegungen (für Nichtnautiker: Bewegungen um die Längsachse) auftreten und die bereits seit den unruhigen Tagen auf der Donau mein ständiger Begleiter sind. Unzählige Versuche zur Identifikation der Ursache, wobei mich auch Jörg an Bord unterstützt hatte, blieben ohne wirkliche Erkenntnis. Nach neuesten Erkenntnissen von heute habe ich den Eindruck, dass eine mechanische Kopplung im Autosteuersystem sehr viel Spiel haben muss, denn das manuelle Steuern bleibt nach wie vor geräuschlos. Ich habe heute die Reaktion des Autopiloten auf einen sehr geringen Wert eingestellt und konnte eine deutliche Verringerung der Geräusche wahrnehmen. Wie gesagt, man ist an Bord auf sich selbst gestellt und muss die Probleme irgendwie in den Griff bekommen. Bei einer Mobilie ist die Reaktionszeit von geringerer Bedeutung.

In Poros steht ein weiterer Vertreter der Fährenzunft
… und natürlich ein alter Bekannter (siehe oben)
Die Insel Zakintos ist malerisch schön. Hier ein Taleinschnitt ins Innere der Insel. Die Wolken lösten sich natürlich nach kurzer Zeit wieder auf und es wurde ein strahlender Sonnentag im Ionischen Meer.

Zakintos und Poros sind beide große Fährhäfen, in denen verschiedene Fährbetriebe sich Konkurrenz bei der Bedienung derselben Orte am Festland liefern. Die Häfen sind von sehr guter Qualität und zum Teil auf die Belange von Fischern und Sportschiffern ausgelegt. Heute liege ich in Fiskadho, einem sehr kleinen, aber sehr schönen Fischereihafen, in denen zurzeit einige Segelyachten am Land stehen. Wo diese hier in der Saison Platz finden, bleibt ein Geheimnis. Jedenfalls ist das Dorf malerisch schön und in sehr gutem Zustand, was die Infrastruktur angeht. Eine Empfehlung für Urlaubsinteressierte. Auch die Fahrt hierher, unter Motor bei Windstille, durch die kanalartige Lücke zwischen zwei großen Inseln, war sehr entspannt und wegen der Berge rechts und links äußerst imposant. Ausnahmsweise begegnete mir hier ein Frachtschiff, ansonsten bin ich eher alleine unterwegs in dieser Region, bis auf die Fähren. Von hier aus geht es morgen weiter nach Norden zum Hafen von Leykada, der am Ende einer langen kanalartigen Strecke liegt. Von dort geht es dann in zwei, drei Tagen zum Absprungort zur Überfahrt über die Adria bis an den Hacken des italienischen Stiefels. Das Wetter wird mich wohl für die kommenden Tage weiterhin stabil mit wenig Wind aus meiner Fahrtrichtung ärgern. Ich aber habe Zeit und lasse mich auch nicht durch das Wetter aus der Ruhe bringen.

Die Einfahrt in den Kanal zwischen Zakintos (links) und Ithaki (rechts)
… uns so sieht die Ausfahrt aus
… und dazwischen imposante Berge auf beiden Seiten, die den Wind abschatten. Das Wasser ist spiegelglatt.
An der Ausfahrt links liegt der kleine, malerische Hafen von Fiskardho (hinten rechts die Odd@Sea). Bisher aus meiner Sicht der schönste Ort in Griechenland.
Dieses Mal habe ich wieder klassisch angelegt, da keine Mooring frei und zugleich absolute Windstille war.
Hinter der Insel im Hintergrund liegt das Ziel für morgen

Das war es für heute.

2 Gedanken zu „27.1.2018 Nach Norden innerhalb der Inselwelt des Ionischen Meers“

  1. Lieber Jürgen,
    sehr interessant, wie es dir seit dem Jahreswechsel ergangen ist. Dass sich das Wetter jetzt erst einmal, zumindest für einige Zeit, beruhigt hat, ich ja auch ganz schön, so kannst Du das hoffentlich warme Wetter genießen.
    Das Thema mit den Schlauchanschlüssen kennen wir mit unserem Reisemobil auch, es ist gut einen Satz Gardena-Anschlüsse in allen Größen in Reserve zu haben, sonst steht man an den meißten Wasserstellen blöd da und muss zur Not zur Gießkanne greifen.
    Die anderen Dinge, die Du vermisst – Du hast sie sicher dahin gelegt, wo man sie nicht verlieren kann…

    Weiterhin alles Gute.
    Konni und Jutta

  2. Fiskardho hat ja nur 300 Einwohner, was machst Du dort ?
    Mittwoch hatte ich Parteiversammlung, deswegen gab es keinen Anruf.
    wo bleibt das Familienbild ?

    komm gut rüber nach Italien…..

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