7.3.2018 Manchmal kommt es anders als man denkt

Pünktlich um 8:30 Uhr stand ich vor dem Geschäft in der Altstadt von Gaeta, um meinen dann hoffentlich gefüllten Gastank abzuholen. Ich wollte mich frühestmöglich auf den Weg nach St. Felice Circeo, oder, wenn es der Wind zulässt, weiter nach Anzio machen. Der Wetterbericht ließ beide Optionen zu. Das Geschäft öffnete erst eine viertel Stunde später, hatte aber sowohl meinen „Kleinlaster“ als auch meine nun wieder deutlich schwerere Gasflasche parat.

Unmittelbar vor meiner Abfahrt, ich löste gerade die Leinen und der Motor lief, kam eine Dame an mein Schiff und lud mich zu sich auf ihre Segelyacht ein. Sie und ihr Mann waren auch auf einer großen Tour, wollten aber in die andere Richtung. Beide lagen bereits einige Tage in diesem Hafen, haben mein Schiff mit der deutschen Flagge aber erst gestern Abend bemerkt. So blieb es beim Austausch der „handbreit Wasser“ usw. Schade, dass diese Begegnung nicht früher erfolgte.

Beim Ausfahren aus der Bucht, vorbei an prächtigen Festungen und einem wunderschönen Großsegler mit drei Masten in die immer rauher werdende See bemerkte ich, das ein schnelles motorisiertes Schlauchboot mich verfolgte. Ich kuppelte sofort aus und erkannte als einen der beiden Insassen einen der Hafenmanager. Er erinnerte mich, als er bei mir eingetroffen war, dass ich die Hafengebühr für die letzte Nacht noch nicht bezahlt hätte. Ich war mir nicht sicher, aber seine Forderung konnte durchaus berechtigt gewesen sein. Dieses aber nicht wegen eines schnöden Betrugsversuches meinerseits, sondern wegen einer ganztägig durchgeführten Arbeit an den Computern des Hafens. Ich wurde mehrfach von ihm vertröstet, als ich bei ihm oder einem Kollegen deshalb vorsprach und konnte mich wirklich nicht erinnern, ob letztlich bar gezahlt hatte oder überhaupt nicht. Warum er mir von Bord zu Bord weniger Geld abnahm, als an den beiden Vortagen. Er konnte natürlich angesichts zweier in den hohen Wellen schaukelnden Schiffen keine Rechnung ausstellen. Honi soit qui mal y pense.

Ein Blick zurück auf das beschauliche Gaeta City
Der militärische Teil des Hafens ist mit einer Sperre verriegelt
Eine prächtige Festungsanlage krönt diese Stadt wie so viele in der Region
… aber auch ebenso prächtige weltliche und kirchliche Bauten
Mit einem speziellen Gruss an Jörg: Die schwarze Lady, ein riesiger Dreimaster
Um das Kap herum geht es weiter mit burgähnlichen Bauten in Gaeta
… und ein Stück weiter steht die nächste
Aber auch Naturdenkmale prägen das Bild. Leider habe ich die riesige Brandung in dieser Gruft nicht mit dem Auslöser erwischt

Die Bedingungen für den Weg nach St. Felice Circeo waren wie am Vortag und ich kam so gut voran, dass die Weiterfahrt nach Anzio und eine Ankunft vor 17:00 Uhr möglich waren. Allerdings bauten sich mächtige Gewitterwolken rundherum auf und die Wellenhöhe stieg stark an. Ich vertraute auf den Kurswechsel hinter dem nächsten Kap, der mich bei den gegebenen Windverhältnissen sicher sehr schnell an das Ziel gebracht hätte. Aber die Fahrt um das Kap herum gestaltete sich bereits sehr schwierig, da der Wind leicht dreht und zugleich schwächer wurde. Zudem stieg die Wellenhöhe beträchtlich, was selbst das manuelle Steuern sehr kompliziert machte. Die Aussichten aus diesen Tatsachen ließen mich umkehren zu meinem eigentlichen Zielhafen. Nicht erwartet hatte ich allerdings, dass es sich um die Ruhe vor dem Sturm handelte. Der etwa 5 km lange Rückweg wurde nun zum Alptraum. Mit mehr als 40 Knoten achterlichen Wind ging es zwar zügig voran, die Wellen und der Regenguss machten es jedoch äußerst unkomfortabel. Ich „rettete“ mich schließlich in den Vorhafen und war zunächst einmal die Wellen los. Nun benötigte ich aber zwei Hände an Land, um sicher im christlichen Stil festmachen zu können. Auf meine diversen Anrufe über Seefunk reagierte niemand. Was hätten die Marineros auch machen können. Der Hafen ist auch zu klein für die Manöver zweier Boote. Die Odd@Sea war im gegen die Windrichtung ungeschützten Hafen kaum zu bändigen. Ein Ankerversuch blieb wegen ungeeignetem Grund erfolglos. Letztlich konnte ich mit einem wohlbekannten Trick diese Situation retten. Ich lenkte das Schiff mit dem Heck in den Wind und gab so viel Rückwärtsschub, dass es einigermaßen ruhig stand, bis der so rasant gekommene Sturm wieder plötzlich verschwand. Sofort waren Helfer auf einem der Stege, wiesen mir einen Stellplatz sehr freundlich zu und gaben die notwenige Hilfe beim übergeben der Muringleinen. Ich erntete einiges Lob für mein Verhalten und die Fragen nach meinen Mitfahrern und auch meines Alters erzeugte einiges Staunen. So etwas poliert nach dem gerade Erlebten natürlich die Stimmung erheblich.

Was allerdings angesichts der auf das Wesentliche beschränkten Aufmerksamkeit des Skippers auf der Strecke geblieben ist war, dass der Laptop immer noch auf der Niedergangsabdeckung stand, zwar unter der Sprayhood, aber nicht wirklich vollständig gegen den massiven Regen geschützt. Das Resultat bemerkte ich erst, als ich die Tastatur zum Schreiben des Blogs benutzen wollte. Offensichtlich konnte ich mit meinen intensiven Versuchen, die sichtbaren Wassertropfen auf und zwischen den Tasten mit einem Saugpapier zu entfernen, das im Inneren angerichtete Unheil nicht mehr verhindern. So habe ich jetzt die Höchststrafe zu erdulden, diesen Beitrag vollständig mit Hilfe der Bildschirmtastatur und der Maus schreiben zu müssen. Auf den Rat von Jörg hin werde ich nun mit Reis und Wärme versuchen, die Tastatur wieder zu trocknen. Mal sehen, ob das klappt. Um weitere Ratschläge zur Behandlung des Problems wäre ich sehr dankbar. Es muss also in den kommenden Tagen mit verzögerten Berichten gerechnet werden.

3 Gedanken zu „7.3.2018 Manchmal kommt es anders als man denkt“

  1. Lieber Jürgen,
    ein wenig Glück kann der Skipper immer gebrauchen, besonders einhand. Dein Computerproblem ließe sich wohl lösen, wenn es Dir gelingt, ihn vollständig zu trocknen. Erst dann wieder einschalten. An Land tut ein Haartrockner gute Dienste, wir hatten gerade Wasser im Auto-Steuergerät, eine gute Stunde Föhn genügte.
    Viel Glück weiterhin, wir freuen uns schon auf Dich!
    Rita und Andreas

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