7.6.2018 Ich bin am südwestlichsten Punkt Europas angekommen – Ab jetzt geht es nur noch nach Nordost

Die Fahrt von Albufeira nach dem Cabo de Saao Vicente, den südwestlichsten Punkt Europas, sollte ursprünglich nur bis etwa 20 km davor in den Naturhafen von Sagres gehen. Ich war aber derartig angetan von dieser außergewöhnlichen Fahrt, dass ich mich kurzerhand entschlossen habe, bis an das Kap zu fahren und damit zugleich die für morgen geplante Strecke nach Sines, die über 100 km keine Übernachtungsalternativen hergibt, zu verkürzen. Heute konnte ich einen Aspekt meiner Betrachtung von gestern im positiven Sinne erfahren, nämlich den Einfluss von Wellen auf die Fahrtgeschwindigkeit. Auch heute war wieder ein Kurs hoch am Wind angesagt, jedoch war das Meer, entgegen der Wetterprognosen, fast wellenfrei. Bei etwa 10 Knoten Wind aus Südwest ging die Fahrt Richtung Westen so schnell, dass ich sehr früh mein Ziel erreichte und deshalb die Strecke verlängern konnte. Es war eine absolute Genussfahrt. Ich legte mich über viele Stunden auf eine Matratze in die Plicht (das Cockpit) und ruhte, um nicht zu sagen schlief. Es war den Tag über bewölkt, sodass es nicht zu brenzlig für die Haut wurde, der Wind war wieder relativ kalt. Erst nach der Umrundung des ersten Kaps, welchen den südlichen Extrempunkt von Portugal markierte, nahm die Welle zu, jedoch in der für den Atlantik typischen Weise mit großer Wellenlänge. Es folgte ein geschmeidiges Auf und Ab, das gut zu ertragen war für den Skipper und den Autopiloten. Der alternative Ankerplatz liegt etwa 1 km östlich des westlichsten Kaps von Portugal. Es handelt sich dabei um einen außergewöhnlichen Ort, der zu Fuß nicht zu erreichen ist, da die Klippen hier rundherum sehr hoch sind. Dennoch gibt es einen kleinen strandähnlichen Bereich in dieser schmalen Bucht, der aus herabgefallenen Gestein besteht. Dieser Ort ist naturgemäß menschenleer und atemberaubend schön, wie es die Bilder leider nicht ausdrücken können. Die Nacht hier wird sicherlich eine besondere Erfahrung werden. Der Schwell vom Meer ist zwar beträchtlich, aber ich habe mich inzwischen an die Schaukelei so gewöhnt, dass mir etwas fehlen würde, wenn es total ruhig sein würde auf dem Schiff. Morgen werde ich früh nach der einsetzenden Flut starten, um den Hafen von Sines, der etwa 100 km im Norden liegt möglichst vor Sonnenuntergang zu erreichen. Es ist Westwind angesagt. Ich soll also idealen halben Wind (senkrecht zu Fahrtrichtung) haben und bin deshalb zuversichtlich. Die darauf folgende Station ist dann bereits Cascais, wo ich wohl ein paar Tage auf ein Paket aus Deutschland warten muß und mir so lange die Zeit in Lissabon vertreiben werde. Ist jemand neidisch?

Ein Blick zurück bei der Ausfahrt aus dem Hafen von Albufeira, der nur dorch einen engen Kanal zu erreichen ist
Die kleine Fischereiflotte liegt hier an Moorings im Vorhafen
Zur Steilküste gehört an der Algarve zugleich ein riesiger Strand. Hier gleich neben dem Hafen über einen Aufzug erreichbar.
Leben wie Gott an der Algarve
… zum Teil in schloßähnlichen Anwesen
… und immer mit einem natürlich abgeteilten Privatstrand. Hier muß niemand dem Strand teilen, denn es gibt genügend kleine Buchten.
Der südlichste Punkt Portugals, ein weit ins Meer reichendes Kap

 

… welches sich als Steilküste fortsetzt

 

Meine Ankerbucht hat einen Geröllstrand und ist sehr eng

 

… steile Felsen rechts

 

… und links

 

Die Landzunge im Hintergrund ist das gerade umrundete Kap.

Ein Gedanke zu „7.6.2018 Ich bin am südwestlichsten Punkt Europas angekommen – Ab jetzt geht es nur noch nach Nordost“

  1. Lieber Jürgen, ständig anteilnehmend an Deinem Toern ein paar nett gemeinte Hinweise unter uns: Lass das Schiff slippen u. von Bewuchs befreien, gleichzeitig Kontrolle Deiner Schwert- u. Ruderstellung, ggf. Niederholer erneuern für sicheren Lateraltrimm (wichtig für Vortrieb), bei Amwindfahrten 5° – 10° abfallen v. Maxi, zurückgelegte Zeiten u. Strecken notieren, Zeitvorteil ermitteln, bringt meist einen Gewinn, zusätzlich auch durch günstigeren Schneidewinkel der Wellen. Stagfock als Zusatzsegel bei wenig Wind im Auge behalten. Bei Kapumrundungen auf Strömung achten (Fahrt über Grund beobachten).
    Viele Grüße u. die üblichen halsbrecherischen Wünsche, vor allem viel Freude am Schiff
    Andreas

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