9.2.2021 Weiter geht es mit dem Warten auf das Ende der Pandemie

Ich habe mich lange nicht mehr bei den noch verbliebenen Beobachtern meines Blogs gemeldet und habe auch heute nicht wirklich etwas Neues zu erzählen. Die Quarantäne hält mich weiterhin im Hafen von Torrevieja an alter Stelle fest. Es gibt auch keine Flüge nach Deutschland bzw. in die entgegengesetzte Richtung. Außerdem wäre eine Rückkehr nach Spanien zur Zeit nicht erlaubt. Ich verlasse fast seit meiner Ankunft nur zum Einkauf von Lebensmitteln die Odd@Sea, wobei ich jeweils den kürzest möglichen Weg zum nächsten Supermarkt nehme. Das geschieht so alle vier bis fünf Tage. Ansonsten bin ich, abgesehen von den Gängen zum Duschen im Hafengebäude, immer unter Deck und lasse mich sanft oder manchmal auch recht rüpelhaft durchschaukeln oder auch durchprügeln. Das machen dann der Wind oder die Tag und Nacht ein- und ausfahrenden Fischereischiffe. An ein normales Gehen an Land ist garnicht mehr zu denken, denn der Boden schwankt unentwegt. Ich glaube, dass es sehr gut zu verstehen ist, wenn ich das Ganze beschreibe als Zumutung für einen normalen Menschen. Das Fahren als Einhandsegler ist zwar auch irgendwie recht einsam, aber aufgrund von ständig notwendigen Aktivitäten kommt diese Einsamkeit einem nicht so sehr unter die Haut und man belohnt sich selbst immer wieder mit einem Blick auf die Natur und den jeweils veränderten Standort auf der Karte und mit dem Stolz, wieder einmal einen Schlag erfolgreich hinbekommen zu haben. Wenn ich nicht mein Webradio hätte (Rockantenne Hamburg – sehr zu empfehlen!), wäre ich wahrscheinlich schon verrückt geworden.

Warum schreibe ich gerade heute diesen Blogbeitrag? Vor zwei Tagen hatte es hier ein einigermaßen seltenes Naturereignis gegeben: Der Wind kam aus Nordafrika und trug eine Menge von rotbraunen Saharasand über das Meer nach Spanien. Zunächst gab es nur einen kleinen Hauch davon, aber in der zweiten Nacht muß dann der große Zampano die Schaufel so richtig voll gemacht haben. Die folgenden Bilder zeigen, wie die Odd@Sea seitdem aussieht.

Da hat die Wüste zugeschlagen! Eine dicke Schicht Saharasand bedeckt die Odd@Sea. Im Hintergrund sind die Fischtrawler der örtlichen Flotte zu sehen.

Nun brauche ich irgendwann einmal einen guten Tag, der mich zum Arbeiten mit dem Wasserschlauch und der Bürste motivieren kann. Mal schauen.

Ich kann die Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt lassen, Euch ein wenig neidisch zu machen. Jeden Abend sehe ich in der Tagesschau, was so in der Heimat gerade angesagt ist, u. A. auch das Wetter. Als ich hier im September festgemacht habe, lagen die Tagestemperaturen etwa bei sehr angenehmen 20 bis 25°C. Nach dem Jahreswechsel sanken diese dann auf etwa maximale 20°C, um dann im Januar auf minimal etwa 15°C zu sinken. Schrecklich, denn da muß man ja ein wenig heizen! Geregnet oder besser gesagt genieselt hat es hier übrigens in dieser Zeit auch: Etwa fünf mal für jeweils etwa eine Stunde. Ansonsten herrscht hier die Sonne bei stahlblauem Himmel. Wenn ich an diese Aspekte meines Hierseins denke, dann bin ich dem Schicksal natürlich sehr dankbar.

Wie geht es für mich weiter? Ich weiß es nicht. Irgendwie hat mich dieser extreme Lockdown auch gedanklich völlig ausgebremst. Ich möchte, sollte ich weiterfahren, nicht vom Regen in die Traufe kommen. Ansonsten habe ich überhaupt keine Idee, was denn das nächste Ziel sein könnte. Der Atlantik ist mir gedanklich abhanden gekommen. Ist das nun das Resultat meines zunehmenden Alters oder der allgemeinen Ratlosigkeit? Bis zum Ende der Pandemie werde ich jedenfalls keine großen Fahrten unternehmen. Sollten es die Winde erlauben, dann würde ich dann vielleich doch noch einmal in Richtung Balearen fahren, zumindest aber noch einmal für ein paar Tage nach Almerimar, bevor ich wieder Kurs in Richtung Gibraltar setze. Kommt Zeit, kommt Rat!

Ich wünsche den verbliebenen Lesern meines Blogs, dass Ihr in dieser schrecklichen Zeit gesund bleibt und dem Virus die Nase zeigt. Haltet Euch wacker,

Euer Jürgen von der Odd@Sea aus Torrevieja an der Costa Blanca.

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