13.8.2020 Eine weitere Querung der Biskaya ist vollendet

Jörg ist pünktlich wie verabredet in La Rochelle mit dem Flugzeug von München über Porto in La Rochelle angekommen. Zunächst stand bei fast unerträglicher Hitze die Abfahrbereitschaft in die Biskaya für den kommenden Tag auf dem Plan. Zuvor, am Sonntag, musste jedoch noch das Catering für die Fahrt nach Sardinien beschafft werden. Das wäre grundsätzlich möglich für ein paar Stunden am Vormittag, die Variante des Lieferservices direkt an den Hafen jedoch nicht. So entschieden wir uns kurzerhand, unser Vorhaben um einen Tag zu verschieben und gingen am Abend lieber in ein Restaurant am Hafen, um unser Wiedersehen zu feiern. Mit meinem und einem geliehenen Fahrrad für Jörg fuhren wir stattdessen am Montag zum Supermarkt. Nun war allerdings die Frustration bei uns groß als wir hören mussten, dass grundsätzlich in Zeiten von Corona kein Lieferservice angeboten wird. Also mussten wir entweder den Inhalt von zwei überfüllten Einkaufswagen mit dem Fahrrädern zu Hafen und zum Schiff befördern, oder, und da war eine freundliche Verkäuferin hilfreich, einen Taxifahrer anzuheuern, der diesen Transport ohne einen menschlichen Gast durchführen würde. Am Ende war auch dieses absolut kein Problem und unser Einkauf fand den Weg an unseren Steg auch ohne unsere Begleitung. Wir kamen natürlich etwas später dort an, bezahlten dem freundlichen Fahrer seinen Dienst und begannen dann damit, bei weit über 30° C im Schatten, die Unmengen an schweren Kisten und Flaschen den langen Weg über den Steg bis zu Odd@Sea zu tragen. Das ging an die Substanz. Etwas ruhiger gestaltete sich das Auspacken und Verstauen. Jörg, der damit schon viele Erfahrungen gesammelt hat, machte das mit Einfallsreichtum und Können.

So ging es dann zwar erst am Dienstagmorgen los, aber es war abzusehen, dass dieser Zeitraum für eine Fahrt nach Santander, besser geeignet war, als ein früherer. Geeignet heißt nicht, dass wir uns einen Segeltraum erfüllen konnten, sondern nur, dass wir auf dieser Strecke nur begrenzt mit Wetterstörungen rechnen müssten. Ein schwacher Wind aus wechselnden Richtungen, der stundenweise auch aussetzte, zwang uns zu der Fahrvariante des Motorsegelns, die bei der flachen See durchaus auch Vergnügen bereiten konnte. Meine Strapazen beim Reinigen des Unterwasserschiffs und dem Aufbringen des Anti-Foulings in Rochefort haben sich spürbar gelohnt. Die „Odd“ läuft wieder wie neu. Es ist eine Freude! Leider holte mich jedoch mein Fahrdefizit aus mehr als einem halben Jahr aber trotzdem ein, ich musste mich übergeben und habe die ganze Nacht hindurch bis zum nächsten Morgen sehr darunter gelitten. Für Jörg, den Seebär, den Garnichts mehr anhaben kann, war es natürlich ein wirklicher Spaziergang. Kurz vor der spanischen Küste haben wir uns dann dazu entschlossen, etwas nördlicher zu fahren und den Hafen von Laredo anzulaufen. Andernfalls wären wir kurz vor unserem eigentlichen Ziel noch in ein Gewitter eingefahren und noch dazu in einen für die Größe der Odd@Sea etwas ungeeigneten Hafen. Hier in Laredo war ich bereits vor Jahren mit dem Erik und seiner „Kire“ und kannte den Hafen gut. Er war, wie damals auch, nicht einmal ein Viertel voll, verlangte aber auch jetzt wieder einen relativ hohen Preis. In der Bucht hier liegt einer der größten Sandstrände Nordspaniens und in der Nachbarstadt Santona wurde einst die „Santa Maria“ gebaut.

Eigentlich wollten wir in einem Stück in das Mittelmeer fahren. Die Wetterbedingungen sind allerdings im Moment nicht geeignet für sehr anspruchsvolle Ziele. So hoffen wir auf den typischerweise beständigen Nordwind, der uns zügig entlang der portugiesischen Küste nach Gibraltar bringt. Im Moment ist dieser allerdings nicht zu haben oder fehlt vollständig.

Heute haben wir nur Kleinigkeiten bei einer kurzen Stadtbesichtigung eingekauft, geduscht, gut an Bord gegessen und gequatscht. Morgen werden wir, nach einem weiteren Tag des Abwetterns heute, bei ebenfalls zunächst sehr schwachem und wechselhaft drehenden Wind versuchen, die Küste entlang in Richtung Westen nach Gijon oder, wenn es denn möglich ist, „um die Ecke“ herum in Richtung La Coruna zu fahren. Dann jedoch bei etwas stärkeren, aber von eher von vorne kommenden Wind. Es sieht also nicht sehr gut aus, aber, da wir nicht mit Starkwind oder Sturm müssen rechnen, werden wir unser Glück versuchen.

7.8.2020 Morgen geht meine Zeit in Rochefort zu Ende

Morgen kommt der Jörg aus München mit dem Flugzeug mit kostensparendem Umweg über Porto nach La Rochelle. Ich will als guter Gastgeber ihn direkt am Zielort empfangen und trete daher mit der abnehmenden Morgenflut meine Rückreise nach La Rochelle an.

Die letzten Tage waren geprägt durch viel, viel körperlich schwere Arbeit in brühender Hitze, in den letzten Tagen bis knapp unter 40 °C. Die Odd@Sea wurde zunächst mit einem riesigen Kran aus den Wasser gehoben und mit einem von einem starken Trecker gezogenen, hydraulisch an die geometrische Schiffsform anpassbarem Spezialfahrzeug an einen Parkplatz an Land befördert und dort auf starken Stahlböcken abgestellt. Da sie unten eine schmale horizontale Ebene aufweist, wurden keine seitlichen Stützen benötigt in der Annahme, dass die Breite der Ebene auch bei stärkerem Wind nicht die Stabilität des Aufbaus überfordert.

Als jemand, der sich über eine lange Zeit stets an Bord auf dem Wasser aufgehalten hat und einfach immer, also auch bei Windstille auf dem Schiff kleine oder große Körperbewegungen zur eigenen Stabilisierung macht, war das eine Herausforderung. Es gab zwar nur wenig Wind, aber die wenigen Windböen ließen das Schiff doch ein wenig auf den Böcken wackeln. Da kommt dann leicht Panik auf, denn im Wissen, dass man sich auf hartem Land aufhält, würde ein Kippen der Böcke zur Zerstörung des Schiffs und ggf. auch seines Skippers führen. Diese lange Sensibilisierung für leichteste Bewegungen war hier sehr störend.

Was war zu tun? Zunächst habe ich mit einem großen Spachtel den starken Bewuchs durch Algen und harten Pocken und Muscheln unterhalb der Wasserlinie abgeschabt. Dieses ergab nach der heutigen Reinigung der Standfläche dann einen richtig großen Berg. Danach wurde das Schiff mit einem starken Kärcher und einem wirklich starken Wasserstrahl abgespritzt, wobei die nach der ersten Behandlung noch vorhandenen Reste entfernt wurden. Diese Arbeit machte ein Mitarbeiter der Werft. Dann kam mein großer Auftritt, der mich wegen der Hitze an den Rand des Wahnsinns gebracht hat: Zwei Lagen von Anti-Fouling-Farbe mussten aufgetragen werden.

Ich hatte vom Vorbesitzer zwei große Kanister mit amerikanischem Material für den Pazifik übernommen, die hier zum Einsatz kommen sollten. Leider waren beide Kanister mit schwarzem Material gefüllt. Das würde ich nur einem Menschen empfehlen, den ich nicht gut leiden kann. Bei hohen Temperaturen erwärmt sich das Material in der Sonne stark, wird dabei zäh und kaum mehr zu applizieren und ihm muss ständig Verdünner zugesetzt werden. Dass es dabei und beim Ausrollen am Schiff ständig Spitzer gibt ist genauso unvermeidlich, wie die häufigen Reinigungen der Werkzeuge und des ansonsten weißen Schiffs, welches dabei eingefärbt wird. Beim zweiten Anstrich kann man zudem kaum unterscheiden, wo man gerade Farbe appliziert hat, denn es sieht alles gleich aus. Schrecklich!

Mit viel Einsatz und einem hitzebedingten arbeitsfreien Tag ist am Ende doch noch ein erfreuliches Ergebnis entstanden. Wenn ich davon Fotos gemacht hätte, dann hätte ich im Anschluss meinen Fotoapparat wegen Verdreckung wegschmeißen müssen. Ich bitte um Verständnis.

Mein Fahrrad hat mich dann auch noch beschäftigt, denn es hatte einen Platten auf dem Hinterrad. Da dieses für mich unverzichtbar ist, war sofortige Aktion gefordert. Ich besorgte in einem kleinen, aber feinen Fahrradladen direkt am Hafen Flickzeug, welches allerdings das Problem auch nach dreimaligen Wiederholen nur begrenzt lösen konnte. Mit Optimismus startete ich zu meiner routinemäßigen Einkaufstour in die Innenstand und als ich unmittelbar vor dem Carrefour Cité ankam, hatte ich wieder einen Platten, dieses Mal gut hörbar mit lautem Knall. Shit ist immer! Offenbar war der desolate Mantel die Ursache, denn ich lief mit meinen Einkäufen am Lenker direkt wieder zu dem Fahrradladen und ließ dieses Mal mein Rad auf Anraten des Mechanikers dort, um es nach etwa einer Stunde für wenig Geld repariert funktionierend wieder abzuholen.

Gestern wurde die Odd@Sea wieder in ihr Element verbracht, wobei ich die von den Böcken an Land verdeckten Streifen am hängenden Schiff nachbearbeiten konnte. Wegen der Hitze trocknete die Farbe sehr schnell und konnte entsprechend schnell gewässert werden. Nun stehe ich mit dem Bug Richtung Schleuse und kann morgen um etwa 9:00 Uhr auslaufen. Durch die eigentlich ungeplante Eigenarbeit konnte ich die Kosten dieses Aufenthalts hier an der Charente in Grenzen halten. Allerdings habe ich körperlich in den letzten Tagen stark zugesetzt und wahrscheinlich den durch die lange Bewegungslosigkeit an Bord angerichteten körperlichen Schäden kompensieren können. Ich bin zwar müde, aber mir geht es gut. Die Hitze wird aber ab morgen wieder etwas abnehmen.

Jörg und ich werden am Montag das für den zweiwöchigen Trip benötigte Catering beschaffen, uns für diesen fertig machen, tanken und wahrscheinlich am Dienstag morgen losfahren. Dann beginnt ein neues Abenteuer, auf das wir uns beide schon jetzt freuen.

26.7.2020 Seit Vorgestern nicht mehr allein – Wie schön!

Wie angekündigt ist mein Seglerfreund Erik pünktlich in Rochefort eingetroffen und stand plötzlich vor der Odd@Sea. Er wird hier in den kommenden Tagen seine „Kire“ ausmotten und zurück in ihr Element bringen. Zwei Tage haben wir nun schon bis in die späten Abendstunden hinein vor allem „gequatscht“ und auch ein wenig an unseren Schiffen gearbeitet, Erik natürlich viel mehr als ich. Dann stand auch noch eine Einkaufstour in den nächsten Supermarkt an, denn ohne Lebensmittel geht es nicht. Den Tagesabschluss haben wir dann stets in einer Kneipe im zentralen Park der Stadt verbracht und belgisches Bier getrunken. Warum erzähle ich das? Weil ich mich kaum noch an mein letztes Bier erinnern kann und entsprechend gierig darauf war. Wir sind dabei beide mit unseren Fahrrädern unterwegs in dem etwas bergigen Gelände von Rochefort. Für mich hat ein fast vergessenes Lebensgefühl wieder die Oberhand übernommen.

Ich habe den Krantermin zur Reinigung des Unterwasserschiffs der Odd@Sea sowie zwei Anstriche mit Antifouling an Land für den Nachmittag des 29.7. erhalten. Am Freitagabend wird zwar der zweite Anstrich getrocknet sein, das Schiff aber erst am Montag, den 3.8. vormittags wieder ins Wasser gekrant werden. In dieser Zeit wird dann der Gang in die Koje etwas beschwerlicher, denn es gilt, über eine Leiter an und von Bord zu kommen. Aber das kenne ich ja schon.

Meine Gespräche mit dem Jörg aus München konvergieren jetzt insofern, dass wir in nicht langer Zeit gemeinsam in einem Schlag um die iberische Halbinsel herum in das Mittelmeer und dort in Richtung Sardinien fahren werden. Dazu werden wir mindestens zwei Wochen benötigen. Das wirkliche Leben fängt also wieder an bzw. geht weiter. Ich freue mich darauf und auf die gemeinsamen Tage mit Erik hier in Rochefort.

22.7.2020 Ich bin aus Langeweile schon einmal weiter gefahren

So schön es auch in La Rochelle ist, die größenbedingte Weitläufigkeit des Hafens macht diesen nicht interessanter. Da ich in meiner empfundenen Isolation jetzt bereits fast 7 Monate lebe, wird mein Leben immer wieder mit Momenten gefüllt, die ich so vorher noch nie erlebt habe. Da spielt sich irgendetwas abstrakt im Gehirn ab, füllt aber den Körper davon mit sehr unbekannten starken Gefühlen. Ich habe früher bereits Ähnliches unter Begleitung durch einen Arzt erlebt und kann mich deshalb sehr gut darauf einlassen. Diese Wallungen kommen ohne Ansage und gehen natürlich auch wieder sehr rasch, durch ihre Unterschiedlichkeit und Intensität sind sie allerdings sehr beeindruckend. Meine etwas ungewöhnliche Lebenssituation scheint doch merkbare Auswirkungen zu haben. Der Mensch ist und bleibt eben ein soziales Wesen.

Wie auch immer, ich habe mich gestern entschlossen nach Rochefort zu fahren und bin zu einem Zeitpunkt um die Mittagszeit in La Rochelle losgefahren, der mir die Ankunft zur Öffnungszeit des Hafentors in diesem Tidenhafen in der Charente ermöglicht. Schwacher Wind von vorne ließ nur eine Motorfahrt im flachen Wattenmeer östlich der Isle d’Oléron zu. Fast ohne Welle bei brühender Sonne war ich bemüht, die rechnerisch angesetzten 5 Knoten präzise zu fahren. Heraus kamen dabei eine um etwa eine halbe Stunde zu frühe Ankunft und ein höchst unangenehmer Sonnenbrand. Abwarten bis zum Kippen der Strömung von stromauf nach stromab konnte ich bei langsamer Drehzahl bzw. im Leerlauf auf dem Fluss, auf dem sich mit mir dann noch zahlreiche andere Sportboote vor dem Hafentor sammelten. Für die Leser, die das Geschehen nicht nachvollziehen können: Die Tide wirkt sich auf dem unteren Ende des Flusses bis weit ins Land aus. Wenn es kein Tor vor dem Hafen gäbe, dann würde dieser bei Ebbe Leerlaufen und die darin befindlichen Schiffe würden aufsetzen bzw. umfallen. Wenn das Flusswasser wieder auf das Beckenniveau angestiegen ist, wird das Tor wieder geöffnet, bleibt aber nur für etwa eine Stunde offen, da sich solange der Wasserstand nur wenig ändert. Zuerst fahren die Schiffe hinaus, danach die Wartenden hinein. Dieser Hafen hier ist äußerst eng, um möglichst viele zahlende Schiffe zu beherbergen. Ich glaube nicht, dass ich schon einmal in einer derartigen Enge mit der Odd@Sea einen derartigen Slalomkurs navigieren musste. Ich liege jetzt jedenfalls in der äußersten NW-Ecke mit fast dem längstmöglichen Zufahrtsweg. Für die Zufahrt zu diesem Hafenteil muss stets erst die Straßenbrücke einer Hauptstraße nach oben gekippt werden. Imposant, aber notwendig, um auch Segelschiffe mit hohem Mast die Einfahrt zu ermöglichen. Belohnt wird diese Mühe mit einem Liegeplatz inmitten der Stadt und vollständig umgeben von Wohnhäusern mit kleinen Geschäften. Die Passanten laufen also in wenigen Metern am Schiff vorbei.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass mich diese Flussfahrt an meinen langen Weg quer durch Europa vor einigen Jahren erinnert und mir die gleiche Freude gemacht hat. Da dabei allerdings keine Tidenverhältnisse zu berücksichtigen waren, konnte ich dabei sehr viel entspannter fahren.

Hier warte ich zunächst auf den Erik, der seine hier zur Überwinterung abgestellte „KIRE“ zu Wasser lassen will. Er wird voraussichtlich am Freitag hier eintreffen. Die Odd@Sea soll dann an Land gehoben werden, um das Unterwasserschiff von Pocken und Algen zu reinigen und danach mit Anti-Fouling zu behandeln. Ich habe lange über Letzteres nachgedacht und habe seit der Übernahme des Schiffs bis heute aus ökologischen Gründen darauf verzichtet. Damit habe ich aber auch auf Fahrleistungen ein merkbares Stück weit verzichten müssen. Durch die Corona-bedingte Auszeit ist nun allerdings der Bewuchs so stark geworden, dass ich eigentlich auf die letzte Reinigung im April hätte besser verzichten sollen. Die angenehme Aussicht, danach für mindestens zwei Jahre nicht mehr an das Unterwasserschiff herangehen zu müssen, leitet mich dabei. Im Übrigen klemmt immer noch der Hebemechanismus meines Steuerruders, was ich bei dieser Gelegenheit auch gleich beheben möchte.

Nachtrag: Auch die geringe Zuverlässigkeit des WLAN hat mich aus LA Rochelle getrieben. Es ist äußerst nervig, wenn man viel Zeit nur damit verbringen muss, dass man irgendwie mit der Außenwelt kommunizieren kann. Angekommen in Rochefort ging zunächst erst einmal Garnichts. Heute habe ich lernen müssen, dass ich jeden Tag in der Kapitanerie ein kostenfreies Kontingent von 2 täglichen Stunden WLAN-Nutzung abholen kann. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Nun werde ich versuchen, ein landesweit verfügbares kommerzielles Netz zu nutzen. Erste Versuche schlugen fehl aber ich habe ja Zeit.

14.7.2020 Liegen im größten Sportboothafen Frankreichs

Der Port de Plaisance des Minimes in La Rochelle ist schon etwas ganz Besonderes. Allein die Größe der Fläche, die er belegt und die unübersehbare Anzahl von Schiffen, insbesondere der Segelschiffe, deren Masten wie die Bäume eines dichten Walds wirken, ist wirklich beeindruckend. Natürlich ist dieser Hafen umgeben von unglaublich vielen nautischen Firmen, Werften, Ausrüstern, Motorenwerkstätten, Bootsvermietern uvm. aber auch vielen gastronomischen Anbietern. Außerdem gibt es einen offensichtlich ganzjährig betriebenen Rummelplatz mit verschiedenen Fahrgeschäften. Das Spektakel zieht jedenfalls täglich eine Menge Besucher an. Zum nächsten Supermarkt ist es von hier aus ziemlich weit, sowohl zu dem nächsten in der Innenstadt, als auch zu dem in die andere Richtung. Ohne Fahrrad wäre ich aufgeschmissen.

Aber auch die Hafenorganisation ist bemerkenswert. Man landet als Besucher, wenn man keinen gebuchten Liegeplatz hat, an einem „Welcome“-Steg, der tagsüber, aber nicht mehr nach 20 Uhr abends besetzt ist. Dort wird einem ein Liegeplatz zugewiesen, man muss diesen gleich bezahlen und kann diesen dann anlaufen. Mir blieb, da ich später dran war, der lange Weg hin zur ständig besetzten Capitanerie und wieder zurück zum Schiff nicht erspart. Man ließ mich gnädiger Weise zunächst am Gästesteg für die Nacht liegen und gab mir einen Platz im Gewimmel der vielen Stege, den ich dann aber erst am nächsten Morgen in Beschlag nahm. Allerdings folgten dann diesem Umzug in der Zwischenzeit noch zwei weitere, denn die Liegeplätze sind fast alle bereits vorbestellt. So hatte ich in der Zeit hier einige kleine Törns im Hafen zu absolvieren, die zugleich ein wenig Abwechslung in diese Tage brachten. Es gibt wirklich nur sehr wenige freie Plätze. Die Menschen, die meine Anleger beobachten, bieten i.d.R. ihre Hilfe ungefragt an und stehen danach für einen kleinen Plausch zur Verfügung. Nachdem ich zunächst in Reihe mit etwa gleich großen Schiffen lag, habe ich nun riesige Katamarane und auch deutlich größere Monohulls um mich herum. Wie im richtigen Leben!

So langsam beginnt in der Biskaya nun auch der Sommer mit tiefblauem Himmel und Temperaturen etwas oberhalb 20°C, was bislang noch nicht der Fall war. Stärkeren Wind mit 10kt oder mehr habe ich bisher hier noch nicht erlebt.

Bei meinen Lebensmitteleinkäufen mit dem Fahrrad habe ich mir die Stadt ein wenig angeschaut und dabei festgestellt, dass diese ein wenig wie auch Les Sables D´Olonne aus einem Gemisch von teilweise sehr alten Gebäuden in der unmittelbaren Umgebung der drei alten Hafenbecken in der Innenstadt und eher schlichten modernen Wohnhäusern bis hin zu einigen großen, neuen Hotel- und Appartementanlagen besteht. Da habe ich als jüngerer Frankreichreisender wirklich schon Interessanteres bei meinen vielen Reisen als Segelflieger in Frankreich gesehen. Aber natürlich: Der Strand ist auch hier sehr schön. Die Altstadt und der Hafen sind übrigens voll von Urlaubern. Man hört aber ausschließlich Französisch.

Ich werde immer wieder angesprochen von Lesern des Blogs, warum ich denn nicht die Gelegenheiten auf meiner Reise für ausgiebige touristische Programme nutze. Ich kann hierzu nur sagen, dass ich nach wie vor einen sehr großen Respekt vor der Pandemie habe und daher Menschensammlungen weitgehend meide. Einmal im Leben für ein bis anderthalb Jahre auf Tauchstation zu gehen ist zwar äußerst lästig und langweilig, aber sicherlich sinnvoll, wenn ich auf mein Alter schaue. Ich komme nach wie vor damit recht gut klar, freue mich aber schon jetzt auf die Zeit nach der Einführung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Allerdings fehlt mir für die Zwischenzeit jegliche Perspektive. Ich bin völlig antriebslos. Für kurze Rundtörns unter Segel ist die Odd@Sea zu groß, denn sie fordert einhand viel Kraft und die Anleger sind kompliziert und anstrengend.

An Bord habe ich aktuell kaum etwas zu tun. Die letzten Befunde habe ich behoben, außer beim schwenkbaren Steuerblatt, welches sich zurzeit in der abgesenkten Stellung befindet und sich nicht bewegen lässt. Das gleiche Problem mit dem Schwert habe ich hier sehr rasch beheben können. Es war wahrscheinlich durch Pocken blockiert. Das Gleiche vermute ich auch für das Steuer, denn ich hatte die Hydraulik vor nicht allzu langer Zeit (in Hamburg) überholt. Zur Behebung des Problems müsste ich nun allerdings tauchen, was aber so gar nicht mein Ding ist. Da ich sowieso demnächst nach Rochefort fahren werde und dort das Schiff wegen des starken Algenbewuchses aus der langen Hafenliegezeit aus dem Wasser heben muss, werde ich sehr leicht an das Ruder herankommen.

Ärgerlich ist einmal mehr die Unzuverlässigkeit des WLAN in diesem noblen Hafen. Irgendwie scheinen die Sonn- und Montage besonders betroffen zu sein. Bei voller Feldstärke bricht die Verbindung regelmäßig bereits nach einigen Sekunden zusammen. Dann versuche ich es vielleicht fünf bis zehn Mal (ich habe ja Zeit und bin belastbar!), die Verbindung zu stabilisieren und gebe es dann auf. Dann ist halt nichts mit Unterhaltung und Information über die Welt.

Das ist ärgerlich besonders für jemanden, der eigentlich als A-lizensierter Amateurfunker zu drahtlosen Verbindungen ein gutes Verhältnis pflegen sollte. Der Frage, welche Rolle möglicherweise mein eigenes Equipment dabei spielt, werde ich in den kommenden Tagen nachgehen. Der im Computer eingebaute Adapter scheint sehr viel zuverlässiger zu arbeiten, als mein „super duper“-High-Tech-Adapter, den ich eigentlich nur benötige, weil in meinem aus Aluminium bestehenden Schiff auch ein funktionierender Adapter unter Deck keinen Empfang hat. Meinen USB-Stick verbinde ich mit einem USB-Verlängerungskabel mit dem PC und platziere diesen so hoch wie möglich über dem Deck. Dass ich damit aber auch bei sehr großen Feldstärken zum Teil keine Daten übertragen kann, bleibt mir ein Rätsel. Wenn jemand einen Tip dazu hat, wäre ich sehr dankbar. Da diese Dinger nicht allzu teuer sind, werde ich mir wohl zusätzlich ein anderes Produkt zulegen müssen.

Zum Abschluss: Auch wenn die Umgangsbeschränkungen aufgehoben worden sind, das Virus ist noch da und wir haben keine Impfung dagegen. Bleibt also vorsichtig, auch wenn alles wieder normal aussieht.

30.6.2020 Mein Aufenthalt in Les Sables D´Olonne ist nach sieben Monaten und einem Jahreswechsel beendet

Die letzten zwei Wochen in Les Sabes D´Olonne waren für mich schrecklich und daher war mein Drang zur Veränderung groß. Überhaupt war ich schon zuvor verwundert über meine seelische Belastbarkeit. Ich machte überhaupt nichts, hatte fast gar keine sozialen Kontakte außer über das Internet und mir ging es eigentlich ziemlich gut. Dann fiel im Hafen das WLAN fast vollständig aus. Vorher war es nur unzuverlässig, funktionierte aber meistens am späten Abend. Es dauerte nicht lange, bis ich wirklich ein wenig Schaden bei diesem „Total Communication Breakdown“ nahm. Zunehmende Denkausfälle verbunden mit merkwürdigen Gefühlsausbrüchen brachten mich zu der Entscheidung, mit dem nächsten Wetterfenster meinen Liegeplatz in Richtung Süden zu verlagern. Gesagt, getan. Gestern war der Tag.

Der Abschied von diesem mir wegen seiner Stille sehr lieb gewordenen Hafen war geprägt durch eine neue Erfahrung, die ich aufgrund meiner bisher eher kurzen Hafenaufenthalte noch nicht gemacht hatte. Die monatliche Liegeplatzmiete hat sich im Juni gegenüber der aller Vormonate verdoppelt! Die Sommersaison hatte begonnen, obwohl es hier noch keinen Tag mit Temperaturen über 20 Grad gab! Na ja, es erwartet mich nun der mit mehr als 3500 Schiffen absolut größte französische Hafen, der für eine Woche etwa den Preis verlangt, den ich bisher im Monat bezahlt habe. Das ist das Schicksal des Dauerseglers!

Die Fahrt selbst war geprägt durch schwachen achterlichen Wind und überwiegend Sonnenschein, den ich nicht auseichend wahrgenommen habe und mich nun mit einem Sonnenbrand herumschlage. Aber, in dem Moment, in dem ich auf das Meer fuhr, war mein desolater Seelenzustand beendet. Es war wie ein Wunder!. Es ging nicht schnell aber stetig voran und ich legte nach sieben Stunden unter Segeln am Gästesteg des Hafens „Les Minimes“ (natürlich dann mit geborgenen Segeln) an.

Bevor sich diese Hochstimmung jedoch richtig ausprägen sollte, kamen noch einige Überraschungen an der Odd@Sea, die ja eine sehr lange Zeit nicht gefahren war. Als ich das Großsegel hinaufziehen wollte, musste ich feststellen, dass meine Kräfte dazu einfach nicht ausreichten. Ich hatte bisher selbst im schweren, aber schnellen Gang nie Probleme damit, nun war ich selbst mit dem langsamen Gang bereits nach wenigen Kurbelumdrehungen am Ende. Nun half wieder einmal der Kopf mit, denn mir kam die Erklärung mit der Erkenntnis, dass ich ja stets vor dem Saisonbeginn die Vorliekrutscher mit Silikon eingesprüht habe. Gerade in Meeresnähe, wo die Luft einigermaßen viel Salz mit sich trägt, steigt die Mastschienenreibung stark an. Damit gab es eine saubere Erklärung für das Ungemach und ich legte noch einen Zahn Kraft auf die Kurbel. Es dauerte zwar ziemlich lange, aber irgendwann war dann das Segel oben. Nun hoffte ich darauf, dass es sich bei der Ankunft wieder selbstständig herunterbewegen würde. Es tat mir den Gefallen.

Was ich daraus gelernt habe: Nun brauche ich wieder ein wenig mehr Bewegung, da mir die Kräfte zu schwinden scheinen, die zum Führen der Odd@Sea benötigt werden.

Was ich dann allerdings kurz vor dem Erreichen der Brücke, welche die Ile de Rée mit dem Festland verbindet, feststellen musste, war außerordentlich ärgerlich: Das Fahrwasser wurde flacher und, da ich die auf meinem Kurs zu erwartende Tiefe nicht präzise kannte, wollte ich vorsichtshalber mein Schwert und mein Ruder aufholen. Weder das hydraulisch betätigte Ruder, noch das Schwert ließen sich bewegen. Da ich bei einer derartigen Situation bereits schon einmal eine Leine mit der Winsch zerrissen hatte, musste ich diese Situation einfach akzeptieren. Letztlich wurde es auf der Zufahrt zur Brücke nicht gefährlich flach, denn ich sah auch große Kielschiffe auf gleichem Kurs vor mir. Was sagt mir das? Ich habe wieder unangenehme Reparaturarbeiten am Schiff vor mir, und ich bin doch ein so fauler Mensch!

Ich konnte bereits am ersten Abend hier im Port Les Minimes feststellen, dass es hier das erwartete dauerhaft zuverlässige WLAN gibt und schaute mir noch spät eine Kabarettsendung an, bevor ich in die Koje ging.

Ich freue mich nun zunächst auf die Ankunft von Erik, meinem „Einführer“ in die Kunst des Mehrtagestörns vor vielen Jahren, den ich dann gerne zu seinem Schiff „Kire“ nach Rochefort fahren und ihm beim Zuwasserlassen und der Fahrtvorbereitung helfen werde. Für die Zeit danach gibt es durch die Pandemie nur wenige und bisher nicht wirklich gute Ideen. Neben einer möglichen Fahrt in das Mittelmeer durch den Canal du Midi steht die Vorstellung von Jörg, der schon einige Male in meinem Blog genannte wurde, auf der Liste der Möglichkeiten, im „Europäischen“ zu bleiben und mit ihm zusammen über die Azoren, die Canaren und die Meerenge von Gibraltar ebenso dahin zu fahren.

Mal schauen, was die Zukunft bringen wird, insbesondere die Entdeckung eines Impfstoffs gegen Corona. Davon hängt eigentlich alles ab.

23.6.2020 Die wollen mich wohl aus dem Port Olona herausekeln! (Nicht ganz ernst gemeint)

Ganz so schrecklich, wie der Titel den Anschein haben mag, ist es allerdings hier nicht in Les Sables D´Olonne. Fakt ist, dass das halbe Jahr meiner Liegezeit hier geprägt war von zunächst längeren Ausfällen des WLAN im Tagesgang, später verbesserte sich die Situation sehr deutlich, um dann wieder für längere Zeiten unzuverlässig zu werden. Meistens konnte ich dann aber noch spät in der Nacht einigermaßen zuverlässig Web-Fernsehen schauen. Bei meiner Ankunft hier wurde mir bereits gesagt, dass das WLAN nicht gut arbeiten würde. Warum, sei nicht bekannt. Seit ich jetzt vor vier Tagen meinen Liegeplatz wechseln musste, weil für eine etwas größere Segelyacht ein geeigneter Liegeplatz nicht zur Verfügung stand und der meinige gut passte, liege ich jetzt an einem etwas engeren, aber immer noch ausreichend breitem Liegeplatz zwischen einem sehr großem Motorschiff auf Steuerbord und einer wenig kleineren Segelyacht an Backbord an einem anderen Steg. So weit, so schlecht. Seitdem habe ich allerdings überhaupt kein WLAN mehr! Mit vier bis fünf Balken ist die Stärke der Hochfrequenzverbindung hier genauso perfekt wie vorher und mein Computer attestiert mir, dass die Verbindung zum Server auch perfekt funktioniert. Am Liegeplatz liegt es also nicht, zumal meine Antenne auf Höhe der zweiten Saling in knapp 10 Metern hängt und deshalb mit meinem Computer über ein USB-Kabel mit Verstärker verbunden ist. Trotz funktionierendem Handshake werden keine nutzbaren Informationen ausgetauscht! Ohne Ausnahme über den gesamten Tag. Das ist so ärgerlich, dass ich mich hier wirklich hinausgeworfen fühle. Dem werde ich nicht lange tatenlos zuschauen, sondern bei der nächsten geeigneten Gelegenheit in puncto Wetter abfahren. Ist das nicht ein Wink des Schicksals für einen faul gewordenen Segler? Ich kann also ohne eine traurige Rückerinnerung an eine insgesamt sehr schöne Zeit abfahren und kann mich auf einen hoffentlich besseren WLAN-Service im nächsten Hafen freuen. Das wird, ich berichtete, wahrscheinlich La Rochelle sein.

Zurzeit liege ich neben einer Yacht, deren Eigentümer, offensichtlich ein Ehepaar, viel auf dem Schiff sind und auch immer wieder zum Sonnenbaden auf die Biskaya hinausfahren. Das allein ist wenig erstaunlich. Was mich allerdings freut ist, dass er ein perfektes Deutsch spricht, welches er nach seiner Aussage in der Schule gelernt hat. Toll. Sie spricht leider ausschließlich Ihre französische Muttersprache. So kommt es leider nur zu kurzen Begrüßungen sowie zur knappen Kommunikation, wenn ich den beiden beim Auslaufen helfe. Sehr Schade.

17.6.2020 Ein wenig Ratlosigkeit hat sich beim Bewohner der Odd@Sea breit gemacht – Ein Situationsbericht

Liebe Leser meines Blogs, wenn es diese überhaupt noch gibt nach meiner langen Schreib-Auszeit, ich möchte wieder einmal ein Lebenszeichen von mir abgeben. Jeder meiner Ansätze in der Zwischenzeit, einen irgendwie interessanten Bericht über meine Lebenssituation hier in Les Sables D´Olonne in Zeiten der Pandemie zu schreiben, hatte sich bereits nach kurzer Zeit des Überlegens mangels Ideen wieder erübrigt. Ich bitte also um Nachsicht für meine Schreibfaulheit.

Immerhin liege ich seit mehr als einem halben Jahr an gleicher Stelle, seit Ende Mai/Anfang April zunächst unter Corona bedingten Quarantänebedingungen, seit Anfang Juni wieder ohne Ausgangssperre. So hatte ich es mir natürlich nicht vorgestellt, als ich hier zunächst nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Kanaren eingelegt hatte. Weitgehend ohne Kontakte zu anderen Menschen musste ich mich deshalb gefühlmäßig neu ausrichten und bin erstaunt, dass mir das einigermaßen gut gelungen ist. Jeder Tag verlief genau wie der voran gegangene: Es passierte neben der Eigenversorgung – gar nichts. Immer an Bord, fast keine körperliche Bewegung. Ich bin stolz auf meine innere Gelassenheit und meine seelische Stärke, denn es geht mir trotz alledem – sehr gut! Aber ich bin ziemlich ratlos, was als nächstes kommt, wie ich die Zeit bis zum Absprung über den Atlantik füllen sollte. Sollte ich überhaupt an meinem großen Vorhaben festhalten?

Ein paar Randbedingungen gehen mir durch den Kopf. Zum einen bin ich überzeugt davon, dass ich in meinem Alter nur dann eine Fernreise antreten sollte, wenn ein wirksamer Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden wurde. Damit rechne ich nicht vor dem zweiten Quartal des kommenden Jahres, eher später. Ich könnte diesen Aspekt ignorieren und zunächst recht schnell und mit wenigen oder gar keinem Landgang zu den Kanaren fahren. Das könnte in 12 bis 14 Tagen zu schaffen sein. Aber was mache ich dann dort bis sich das nächste Fahrfenster in die Karibik zum Winteranfang 2021 öffnet? Jeder, der meine Fahrt bis hierhin verfolgt hat wird erkannt haben, dass für mich eher der Weg das Ziel ist, als irgendwo stationär Urlaub an einem schönen Ort zu machen. Meine Phantasie reicht zur Beantwortung der Frage überhaupt nicht aus.

Irgendwie kann ich mich zurzeit auch überhaupt nicht damit anfreunden meinen ursprünglichen Plan anzugehen, über New York die Binnentour durch die USA in Richtung Mississippi und zum Golf von Mexiko zu fahren. Das Land hat in den letzten Jahren für mich so stark an Attraktivität verloren, dass ich eher auf dieses „once-in-a-lifetime-event“ verzichten möchte. Hierbei spielt dieser Narr und Narziss an der Spitze des Landes die allergrößte Rolle.

Alternativ könnte ich den Weg auf interessante Weise zeitlich deutlich verlängern. Ich denke hierbei an die Querung Frankreichs über den Canal du Midi von Bordeaux über Toulouse und Carcassonne nach Sête am Mittelmeer. Das braucht Zeit, die aber meines Erachtens gut investiert ist. Ich kenne den Kanal recht gut durch meine vielen Frankreichreisen als junger Mann von der Landseite aus. Es ist traumhaft dort. Der Nachteil hierbei ist, dass ich wieder einmal den Mast legen und anschließend wieder aufstellen muss. Meine Übung in diesem Geschäft lässt mich allerdings nicht zu sehr erschaudern. Im Mittelmeer lässt es sich zudem trefflich auch über einige Monate hinweg aushalten. Da ich mir mit diesen Überlegungen den Zeitdruck genommen habe, kann ich die gewonnene Flexibilität für gezielte Besuche von besonderen Orten und mögliche Treffen mit Freunden nutzen.

Das erste Ziel wird zunächst der Hafenwechsel nach La Rochelle sein, denn ich möchte als geborener Städter wieder einmal ein urbaneres Umfeld erleben, wie ich es hier an dem sehr ruhigen Ort nicht habe. Außerdem ist das WLAN hier so unzuverlässig, dass sich ein Ortwechsel allein damit ausreichend begründen lässt. Auch ist dort die Verkehrsanbindung sehr viel besser. Ich kann von dort aus in 10 Stunden mit dem Zug (TGV/ICE) in Hamburg sein. Auch sind internationale Verkehrsflughäfen von dort aus besser erreichbar. Im Moment sind allerdings die Flugaktivitäten jedoch noch stark eingeschränkt. Ich hoffe auch darauf, dass ich meinen Freund Erik in Rochefort treffen werde, was von La Rochelle in etwa 2 bis 3 Stunden mit dem Schiff erreichbar ist. Er kann sicherlich eine helfende Hand zum Aktivieren seines dort noch an Land befindlichen Schiffs gebrauchen. Natürlich kommt auch immer die Option Kanaren in Frage, für die mein Freund Jörg sein Interesse zur Mitfahrt schon vor längerer Zeit angemeldet hat. Es wird also irgendwie weiter gehen.

12.4.2020 Frohe Ostern

Ich möchte es nicht versäumen, allen den an meinem Blog interessierten Menschen ein frohes Osterfest zu wünschen und dass Ihr mit Eurer Kreativität daraus etwas Einmaliges macht, auch wenn es so gar nicht der Tradition in Mitteleuropa entsprechen mag. Das Wetter scheint zumindest überall in der Lage zu sein, Euch dabei zu unterstützen. Was wir gerade erleben kann wohl getrost in die Reihe der Kuriositäten der Kategorie „Once in a lifetime“ eingeordnet werden. Hoffentlich.

Aus Les Sables D´Olonne kann ich nichts Neues berichten. Jeder Tag läuft wie der voran gegangene ab. Das ist alles andere als aufregend, wenn man so gar keine menschliche oder tierische Kontakte hat. Alle vier Tage der Weg zum Supermarkt. Das war es dann an sozialen Kontakten. Das Wetter gibt nun auch seit fast zwei Wochen keinen Anlaß zum Aufpassen. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und der Wind sehr schwach. Auch die Temperatur ist jetzt mit über 15° recht komfortabel geworden.

Macht das Beste aus der Situation – Sie wird sicherlich in absehbarer Zeit enden und das normale Leben wird wieder Einzug halten. Ich freue mich darauf, dann wieder hinaus auf das Meer fahren zu können.

28.3.2020 Wie geht es mit der Langeweile?

Diese Frage, die ich jetzt schon häufiger gestellt bekommen habe, möchte ich nicht ganz unbeantwortet lassen. Zunächst einmal drückt Langeweile ja eigentlich einen in der modernen Gesellschaft vergessenen Luxus aus: Man steht nicht unter Druck, es wird von einem nichts abverlangt, man kann sich beliebig intensiv mit sich selbst beschäftigen, zumal, wenn es nichts Dringliches am Schiff zu tun gibt. Das drückt doch eine unglaubliche Chance zur Selbstverwirklichung aus.

Nun ist der Tag aber auch recht lang und er wird in dieser Zeit wegen des wachsenden Sonnenstands immer länger. Bis auf die Endreinigung an und unter Deck, die ich mir für die Tage vor der irgendwann anstehenden Abreise vorbehalte, ist an der Odd@Sea nichts mehr Notwendiges zu machen. Die Abreise wird nach Einschätzungen der hiesigen Einheimischen nicht vor Mitte bzw. Ende April möglich sein. Ich habe also sehr, sehr viel Zeit, die ich irgendwie auszufüllen versuche.

Ein Highlight meines derzeitigen Lebens ist der etwa alle vier Tage stattfindende Einkauf im nicht weit entfernten Supermarkt Super-U. Mit dem Fahrrad bin ich in zwei bis drei Minuten dort. Es würde sicherlich nicht auffallen, wenn ich diesen Weg verlängern würde, um Zeit totzuschlagen. Mich hindert daran aber meine Loyalität zu dem Menschen hier, die sehr diszipliniert mit der Ausgangssperre umgehen. Vieleicht ist das sogar der Grund dafür, dass diese Region Frankreichs im Hinblick auf die Viruskrise den mit Abstand geringsten Stand an Infizierten und Toten im Land hat. Das beruhigt mich außerordentlich und trägt dazu bei, dass ich überhaupt keine diesbezügliche Nervosität kenne.

Um die lange Zeit an Bord irgendwie mit Aktivitäten zu füllen, bekoche ich mich täglich ausgiebig und zu immer gleichen Zeiten, durchaus auch mit anspruchsvolleren Gerichten. Der Abwasch wird stets sofort gemacht, was wiederum Zeit kostet. Kaffee und Kuchen sind danach obligatorisch.

Bereits im Januar ist mir aber ein Zeitvertreib wieder eingefallen, der mich schon früher beschäftigt hat und den ich auch aus Altersgründen für nicht ganz unsinnig halte: Tetris. Die meisten werden dieses einfache Computerspiel mit den auf verschieden geformten Kombinationen von 4 Quadraten beruhenden Spielobjekten kennen, die vom oberen Bildrand stetig und mit länger werdendem Spielverlauf ansteigender Geschwindigkeit nach unten fallen. Ich habe mir mangels des damals unter Windows mitgelieferten Originalprogramms ein Derivat davon mit dem Namen „Another Tetris“ besorgt, welches kostenlos ist und exakt die gleichen Funktionen hat. Damit habe ich bereits die Wartezeiten auf dem Rhein und in Griechenland gefüllt, denn da gab es durchaus auch schon zeitliche Längen. Für diejenigen, die mir bis hierhin folgen konnten: Mein höchster Score liegt heute bei 22 Leveln und etwa 37000 Punkten und der niedrigste der 10 höchsten Einträgen bei Level 20. Ich glaube, dass das nicht ganz schlecht ist, wäre aber für eine fachkundige Rückmeldung dazu dankbar.

Auf jeden Fall ist das dazu benötigte Gehirnjogging ganz gut für mein Wohlbefinden. Einerseits ist das Erlebnis einer erfolgreichen Steigerung der Leistung stets sehr befriedigend, andererseits macht mich ein letztes Spiel am späten Abend, mit der Unterstützung meines geliebten Merlots, richtig müde und verschafft mir einen langen und sehr tiefen Schlaf an Bord. Ich glaube, dass dieser meine wirklich außerordentlich stabile Gesundheit und mein Wohlbefinden hier in der Diaspora weitgehend begründet. Dass mich dabei meine Musik (Rock & Roll in jeder Form) ständig unterstützt, ist selbstverständlich.

Am Abend fühlt es sich bei mir so an, als ob ich mich in meiner alten Wohnung in Berlin-Charlottenburg befinde. Ich schaue mir über das Webfernsehen zunächst die Tagesschau um 8:00 p.m. an und danach suche ich nach einer geeigneten Kabarettsendung oder einen interessanten Film in den Mediatheken von ARD und ZDF. Da das Netz hier in den Abendstunden relativ stabil ist, geht das überraschend befriedigend. Mein technischer Aufwand zur Verbesserung der WIFi-Feldstärke hat sich jedenfalls gelohnt.

Mal sehen, wie lange mich diese Strategie noch guter Dinge sein läßt.