3.7.2018 Das angenommene Wetterfenster für die Biskaya war keines

Ich möchte mit diesem Beitrag darüber informieren, dass ich mein gestern gestartetes Vorhaben, die Biskaya in drei Tagen zu queren, abgebrochen habe und heute östlich von La Corunia in einer sehr schönen, aber nicht ganz schwellfreien Bucht ankere. Der Ort hier heißt Puerto de Bares, wobei der Name nicht Deutsch interpretiert werden darf und auch der Begriff des Hafens ist hier nur angedeutet zu finden. Was war der Grund für meine Entscheidung. Das Zeitfenster bezog sich in erster Linie auf die vorherrschende Windrichtung in diesen Tagen und zu wenig auf die Windstärke. Außerdem gab es aus den drei von mir gesichteten Wetterportalen drei verschiedene Prognosen. Gestimmt hat keine, jedenfalls nicht bezüglich beidem, der Stärke und der Richtung des Windes. Als ich in La Corunia losfuhr war der Wind anders als in der Voraussage, so schwach, dass ich vermuten musste, dass ich bis nach Brest unter Motor fahren müsste, denn er sollte eigentlich im Laufe der Fahrt auch noch weiter abnehmen. Das Risiko dazu erschien mir zu groß, obwohl ich mit vollem Tank und 40 Litern in Reservekanistern im Prinzip die Strecke hätte fahren können, wenn denn die Welle unterwegs nicht zu stark die Fahrt drücken würde. Hier lag die große Unbekannte in der Rechnung. Es gab bereits in La Coruna eine sehr hohe Dünung, die von einer chaotischen und steilen Welle überlagert wurde. Das wäre gerade noch so erträglich gewesen, jedoch ist die Lage auf der Dreitagesstrecke nicht übersehbar. Wenn ich von meinem heutigen Standpunkt starten würde, wäre die Strecke bereits in zwei Tagen zu schaffen, wenn das Wetter mitspielt.

Die Odd@Sea (links vorne) im Hafen von La Corunia bei Flut
… und bei Ebbe
Am Abfahrtstag bekam ich einen Schrecken. Ich dachte, dass ich mitten in einer Stadt bin, denn das riesige Kreuzfahrtschiff überragte alles und stand direkt an der Pier der Marina.
Bei der Ausfahrt konnte ich ein Bild von vorne machen von diesem beeindruckenden Menschenwerk.
Neben der Marina stehen alte und neue Gebäude

 

La Corunia hat mir als Stadt sehr gefallen, sie hat einen großstädtischen Charakter, aber auch eine Altstadt, die eher an eine Kleinstadt erinnert. Bei einer Taxenfahrt zur Beschaffung einer neuen Gasfüllung konnte ich die modernen Seiten und bei einem Besuch einer sehr netten Friseuse, die mir auf meinen Wunsch hin einen 3mm-Schnitt verpasste, die Altstadt etwas besser kennenlernen. Der Hafen ist aber dennoch der dominante Teil der Stadt. Dort war ich in einer Marina, die extrem vom Schwell der Großschiffe betroffen war. Die dort stationierten etwa 500 Jachten tanzten in einer Weise, wie ich es mir nicht habe vorstellen können für eine moderne Marina. Ich bin an Bord einige Male bei den plötzlich einsetzenden Wellen von den Beinen gerissen worden. Deshalb fiel mir der Abschied auch nicht ganz so schwer. Wenn man in einer Bucht liegt, die zum Meer hin offen ist, dann erwartet man so etwas, aber in einer teuren Marina?

Nun brauche ich die Unterstützung von Petrus, um auf die nördliche Seite der Biskaya zu kommen. Ich kann es überhaupt nicht fassen, dass ein Meer, das für seine extremen Wetterbedingungen bekannt und gefürchtet ist, über eine derart lange Zeit eher durch Windstille oder Schwachwind auffällt. Irgendwie scheint sich das Wetter wirklich grundlegend zu ändern. Seit Wochen ist in dieser Region von Europa das Thermometer auch nicht mehr über zwanzig Grad gekommen und der Regen ist zwar beständig, aber wenig intensiv. Wenn das so weiter geht, dann werde ich wieder heizen und mein Ölzeug auspacken müssen. Mitten im Sommer!?

Heute stehe ich in einer Bucht vor einem kleinen Ort mit einem kleinen Strand
… die sogar eine Buhne hat, die allerdings nur ein paar Ruderboote schützt. Der Regen zieht gerade ab.

Zum Abschluß kommen noch ein paar Bilder, die vor einigen Tagen aufgenommen wurden.

Der Hafen von Sanxenxo ist ein Ölhafen. Hier steht ein Tanker abfahrtbereit, wie man an seiner Wasserlinie erkennen kann. Er ist leer.
Draußen auf dem Meer werden Tanker über Bojen geleert. Vor dem Schiff sieht man diese Boje, die mit dem Land über eine Laitung verbunden ist. Rechts steht das obligatorische Feuerwehrschiff, um im Notfall sofort helfen zu können. Der geforderte Mindestabstand für andere Schiffe ist beträchtlich.
Einmal mehr eine schöne Ankerbucht vor einem Strand
… diese liegt neben einem kleinen Fischereihafen, der aber zu eng ist für die Odd@Sea
Leuchttürme stehen an jedem Kap. Hier wird das Kap durch mehrere Felsenformationen gebildet. Man beachte das schlechte Wetter, welches in diesen Bildern deutlich wird; Kalt und regnerisch.
An diesem Kap nördlich von Finisterre biegt die Küste der Iberischen Halbinsel nach Osten hin ab.
… aus einer anderen Richtung ist an diesem Kap nichts von Regen zu sehen
Auch vor dem Hafen von Corme, rechts ist der Wellenbrecher zu sehen, gesellte sich ein anderer Segler zu mir. In der Saison, die gerade erst anfängt, stehen hier die Schiffe dicht nebeneinander. Mir begegneten ganze Karawanen von Segleschiffen mit dem Ziel Mittelmeer. In meine Richtung wollen nur sehr wenige.
Ich habe so viele Häfen besucht, dass ich dieses Bild nicht mehr zuordnen kann. Oder liegt es an meinem Alter.

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