14.9.2020 Ich möchte vor meinem Abflug nach Hamburg noch einmal etwas von mir hören lassen

Mein letzter Blogeintrag war am 5.9., also vor knapp 10 Tagen. Warum? Es gab kaum etwas zu berichten. Wie haben nach einer Nacht vor Anker in der schönen, großen Bucht von Torrevieja wieder einmal im königlichen Yachtclub festgemacht. Dieser Club scheint sich in außerordentlicher und vorbildlicher Weise mit der Ausbildung von Seglern für den Leistungssport zu befassen und stellt diesen dazu eine sehr große und repräsentative Anlage zur Verfügung. Das Hauptgebäude hat den Charakter einer komfortablen Villa mit großem Restaurant und es fehlt auch ein sehr schöner Swimmingpool nicht. Leider ist dieser coronabedingt nur begrenzt nutzbar. Der Liegeplatzpreis trägt dem Ambiente dieses Clubs Rechnung. Uns wurde jedoch bereits vor der Ankunft ein hier ansässiger, perfekt spanisch sprechender deutscher Journalist empfohlen, der uns bei Fragen außerordentlich behilflich sein sollte. So war es dann auch. Michael ist hier sehr gut bekannt und vermittelte mir einen unschlagbaren Monatspreis für meine kommende Abwesenheitszeit. Vielen Dank dafür, lieber Michael. Wegen der Pandemie ist die Marina nur mäßig belegt.

Die Odd@Sea liegt vor zwei Moorings in Torrevieja. Es ist aber nicht viel los!

Jörg und ich haben uns die Tage vor seinem Abflug mit Ryanair nach Memmingen am 12.9. mit zwei Besuchen beim Segelmacher zum Segel hin- und zurückbringen, kleineren Restarbeiten am Schiff und mit abendlichen Restaurantbesuchen bei Gesprächen die Zeit vertrieben. Jörg und ich haben die Genua sofort wieder gesetzt und konnten die hervorragend ausgeführte Reparatur nur bewundert zu Kenntnis nehmen. Für seinen Abflug zum Flugplatz Alicante und auch für Übermorgen hatte wiederum Michael den Peter, einen hier ansässigen Deutschen, angesprochen, der uns mit unserem Gepäck zum Flugplatz bringt. Die etwa einstündige Tour mit Jörg war für uns sehr unterhaltsam und informativ, insbesondere was Land und Leute angeht. Übermorgen werde ich zu meinem Abflug erneut das Vergnügen mit Peter haben.

Viele Liegeplätze sind frei in Torreveija. Corona hat zugeschlagen!
Aber es gibt auch besondere Nachbarn. Hier ein Dreimaster von der Seite gegenüber.

Ansonsten mache ich zurzeit … nichts. Irgendwie ist bei mir ein wenig der Drive verschwunden, nicht gerade bis zur Depression, aber doch irgendwie merkbar. Die Zeit mit Jörg war im Vergleich zu meiner bisherigen Solofahrt natürlich völlig anders. Wenn zwei, die meinen, dass sie es können, aufeinander treffen, dann ist das zum Einen lehrreich, aber auch anstrengend, denn es gibt unterschiedliche Praktiken und Ansichten im Detail, die dann zu Kontroversen führen können. Es gibt an Bord keinen Schiedsrichter und die Akteure müssen sich manchmal irgendwie selbst zusammenraufen, um die Situation zu bereinigen. Wir hatten keine wirklich ernsten Probleme auf unserer gemeinsamen Fahrt, es tauchten zuweilen eher kosmetische Aspekte auf, die dann aber auch sportlich bearbeitet wurden. Außerdem ist hier das seit Tagen hervorragend arbeitende WLAN total ausgefallen. Ich merke daher das Alleinsein jetzt in besonderer Weise und freue mich umso mehr darauf, meine zwischenzeitlich um ein weiteres Mitglied vergrößerte Familie in zwei Tagen in Hamburg wiederzusehen. Ja, ich bin vor wenigen Tagen zum dritten Mal Opa geworden und bin riesig stolz auf meine Enkelin Thea Marie und deren Eltern Lena und John. Wenn es also wieder einmal um eine Auszeit bezüglich meiner Blogbeiträge geht, dann ist diese erklärt durch meine anstehenden Besuche in Hamburg und Berlin. Zurück auf meinem Schiff werde ich erst etwa Ende der ersten Oktoberwoche sein. Bis dahin wünsche ich meinen Lesern alles Gute in diesem langsam endenden Sommer.

6.9.2020 Ein wenig Schwund ist immer

Garrucha hat uns zwei Tage wegen zu starken Wind aus der Richtung unseres Kurses festgehalten. Da wir nach Mitternacht eingetroffen sind, mussten wir nur für einen Tag die Hafengebühr zahlen und hatten zudem einen schönen Abend in einer Tapas-Bar an der Hafenkante. Wie schön! Nach dem Frühstück und vor der Ausfahrt wurden noch kurz die Tanks gefüllt, wir hatten nur wenig Verbrauch gehabt auf dem letzten leg, und begaben uns auf den vom Gegenwind bestimmten Kurs nach Cartagena. Einfach den Autopiloten auf das Ziel ausrichten war nicht möglich, da wir gegen den beträchtlichen Gegenwind kreuzen mussten. Zunächst ging es unter Motorkraft bis zum nächsten Kap gegen den Wind. Danach setzten wir zunächst nur die Genua und wegen des stärker werdenden Windes aus günstiger Richtung kam dann das Großsegel zusätzlich zum Einsatz. Wegen der nur geringen erreichten Gesamtgeschwindigkeit kamen wir erst kurz vor Sonnenuntergang vor Cartagena an, einem sehr großen Industriehafen mit einer Marina. Dabei verlockte uns eine idyllisch erscheinender Kanal um einen großen, weithin sichtbaren Felsen, dort einen extravaganten Ankerplatz zu finden. Dieser war mit Tiefenangaben in der Karte verzeichnet und schien uns befahrbar. So war es dann auch, wenn man von der Kleinigkeit absieht, dass uns auf etwa halber Strecke im Kanal eine flache Brücke eine Weiterfahrt versperrte. Das Wenden in diesem engen Kanal, dessen Wände auf beiden Seiten steil nach oben anstiegen, war insofern nur mit Fingerspitzengefühl zu machen, da er nicht wesentlich breiter war, als die Odd@Sea lang ist. Es gelang und wir fuhren wieder in die Nacht hinaus, da uns eine Ankerbucht auf der anderen Seite der Stadt lockte. Sehr schön eng und tief schien dieses uns ein guter Ort für die Nacht zu sein. Im Stockdunklen tasteten wir uns nach der Karte in dieses Loch hinein und mussten schließlich erkennen, dass der Ankergrund alles andere als geeignet war. Wir gaben schließlich das Ankern für diese Nacht auf und fuhren hinein in den Industriehafen der Stadt. Da uns bisher die Häfen des königlichen Yachtclubs Real Nautico immer gute Dienste für einen erstaunlich geringen Preis angeboten hatte, war dieser dann unsere Adresse für diese Nacht. Wir fielen nach einem Essen an Bord in den Tiefschlaf und erholten uns von den besonderen Erlebnissen des Tages.

Wegen der Windrichtung war Kreuzen vor der Küste angesagt. Ein Schlag führte hinaus auf das Meer und einer direkt nach Cartagena
Die in dieser Gegend sehr unwirtliche Steilküste.
So zeigte sich der kleine Kanal rund um die Insel neben dem Industriehafen von Cartagena. Dort schien ein Ankern möglich nach unserer Einschätzung. Jedoch war die eingezeichnete, den Verlauf des Kanals kreuzende Linie eine flache Brücke. Da gab es kein Durchkommen und so mußten wir in der Enge drehen und wieder zurückfahren.
So zeigte sich die Einfahrt in den Kanal in Natura. Links eine hohe Kaimauer, rechts eine steile Felswand. Es war bereits wesentlich dunkler, als es das Bild vortäuscht. Im Segelsack auf dem Vordeck haben wir das Kuttersegel verstaut. Den Sack kann man an einer dünnen Leine in die Plicht ziehen und dann das Segel direkt am Kutterstag hissen, da das Fall daran stets befestigt ist. So vermeiden wir ein unnötiges Begehen des Vordecks während der Fahrt.

Noch besser sollten die Erlebnisse am nächsten Tag werden. Wegen kräftigen Winds auf der Nase mussten wir zunächst wieder den Motor einsetzen. Segel konnten hierbei nicht helfen. Am nächsten Kap vorbei gelang eine schnelle Fahrt nach Norden in Zielrichtung Alicante nur unter der Genua. Bei abnehmender Windstärke wollten wir dann das Großsegel zusätzlich setzen und müssten dazu in den Wind drehen. Dabei geschah uns ein Missgeschick auf hoher See: Die Genua flatterte beim Segelsetzen auf den anderen Bug so stark, dass diese sich irgendwo am Mast mit der Hinterkante verhakte. Hierbei behinderte nicht nur der stärker gewordene Wind, sondern auch eine unangenehme Welle, die nach unserer beiden Schätzungen 3 bis 3,5 Meter erreichte. Die Folge war, dass ein etwa einen Meter langer Riss entstand, der uns zwang, dieses äußerst hilfreiche große Vorsegel einzuholen und dafür das wesentlich kleinere Kuttersegel zu aktivieren. Ich ahnte bereits aus meiner Erfahrung mit dieser Konfiguration, dass dieses kleinere Vorsegel ebenfalls schnelle Fahrt hoch am Wind ermöglichen würde. So war es dann auch. Wir erreichten dennoch den Hafen CaboRoig nicht vor Sonnenuntergang. Bevor wir in den Hafen einfuhren, probierten wir ein weiteres Mal in der davor liegenden Bucht, die eigentlich alle Merkmale einer geschützten Bucht aufwies, zu ankern. Geschützt war diese sehr wohl gut vor dem Wind, der Schwell der hochgehenden See ließ uns allerdings keine andere Wahl: Die Einfahrt in den kleinen Hafen, der nur durch ein Paar von roten und grünen Lichter markiert ist und eine sehr enge und zugleich gekrümmte Einfahrt aufweist, im Stockfinsteren. Hier lagen wir die Nacht zwar auch etwas unruhig im Schwell, jedoch sehr viel komfortabler als in der Bucht davor.

Was nun, war die Frage am nächsten Morgen. Wegen des Samstags war kein Segelmacher für die Reparatur der Genau anzusprechen und an diesem Ort war ohnehin keiner dieser Zunft ansässig. In den zahlreichen Häfen in Richtung Alicante wäre sicherlich Hilfe zu bekommen, aber nicht samstags und sonntags. Es kam wieder einmal der Kollege Zufall zum Einsatz. Ein deutscher Segler im gleichen Hafen berichtete uns von einem deutschen Journalisten Michael, der in der Nähe einer der nächsten Häfen wohnen würde und uns sicherlich bei der Suche nach einem Fachmann helfen würde. Ein Anruf klärte die Sache sofort: In Torrevieja, etwa 4,5 Meilen weiter gibt es jemanden und Michael würde den Kontakt herstellen. So erstaunlich einfach ist das hier in Spanien.

So sind wir heute dieses kurze Stück bei schwachem, aber ausreichenden Wind mit ca. 4 Knoten und wieder zwei Schlägen nach Torrevieja gefahren und ankern bei herrlichem Wetter in der großen Bucht vor den Hafen zusammen mit zahlreichen anderen Schiffen.

Wir legten uns zwischen die zahlreichen, in der Bucht ankernden Schiffe und genossen die herrliche Ruhe des Wassers.
In Richtung Stadtufer ist wegen der abnehmenden Tiefe das Ankern nur noch für Motorboote geeignet.
In gleicher Blickrichtung konnten wir die Stille hier in der Nacht geradezu sehen, denn im Wasser spiegeln sich die Lichter.
Der Industrieteil des Hafens von Torrevieja.
Jörg beim Baden …
… und beim Genießen der Situation. Natürlich führen wir beim Ankern stets einen schwarzen Ankerball am Tag (siehe rechts oben. In dieser Stellung zeigt sich eher ein Kreuz, aber er dreht sich ja ständig) und ein Ankerlicht in der Nacht.

Morgen werden wir dann im Hafen liegen, um das Segel zu bergen und zu verpacken. Am Montag erwarten wir dann Michael, der es zum Segelmacher bringen und uns wahrscheinlich mitnehmen wird. Wir verlieren durch dieses Ereignis zwar weitere zwei Tage, werden aber das neue Ziel Alicante so erreichen, dass Jörg einen geeigneten Flug nach München erreichen wird. So ist das Ende unseres gemeinsamen Törns nun abzusehen. Wir haben unser Ziel zwar nicht erreicht, müssen uns aber, davon bin ich fest überzeugt, keinen Vorwurf dazu machen, denn das Wetter war sehr lange immer wieder gegen uns und wir haben, so glaube ich, wacker mir unseren Langtörns dagegen angekämpft. Vielleicht schaffen wir es aber noch in der verbleibenden Zeit bis Valencia, wenn das Wetter uns auf den letzten Metern gnädig eingestellt ist. Schaun´ wir mal.

2.9.2020 Eine gewisse Verzweiflung macht sich auf der Odd@Sea breit

Nach einem wetterbedingt längeren Aufenthalt im Hafen von Almerimar, dem bereits von mir als besonders angenehm und schön beschriebenen Ort, sind Jörg und ich zunächst mit der Absicht, über Cartagena in Richtung der Balearen zu fahren sehr früh am Morgen losgefahren. Zuvor hatte ein ausgiebiges Studium der Wetterberichte von drei meteorologischen Institutionen bereits signalisiert, dass es wohl bei diesem recht schwachen und stets gegen unsere Fahrtrichtung wirkenden Wind sehr schwer werden würde. So war es dann auch. Ohne einen fast durchgehenden Einsatz des Motors haben wir dann auch die während der Fahrt verkürzte Route nach Garrucha nicht vor Mitternacht schaffen können. Wirklich frustriert und beeindruckt vom lange anhaltenden Geräusch unseres eigentlich sehr leisen Volvos, fielen wir am gestrigen Abend nach einem wieder etwa Seelenfrieden stiftendem Schluck Rotwein in die Kojen.

Nichts für ungut: Diese schwierigen Windbedingungen geben natürlich immer auch Gelegenheit, das eigene Boot besser zu verstehen, sprich zu trimmen. Jörg ist in dieser Disziplin Meister und ich lerne dabei von ihm sehr viel an neuen seglerischen Feinheiten.

Es wird angesichts der voraussichtlich noch lange anhaltenden Flaute im fast gesamten Mittelmeer wohl nicht mehr zu schaffen sein, unser angestrebtes Ziel Olbia auf Sardinien rechtzeitig zu erreichen. Dazu bräuchten wir mindestens 6 Tage guten Segelwind. In den kommenden 5 bis 6 Tagen wird sich dieser absehbar jedoch leider nicht einstellen. Jörg muss aber in jedem Fall bis zum 12.9. in die Nähe eines internationalen Verkehrsflughafens kommen, um nach Hause zu fliegen und seinen Verpflichtungen in München gerecht zu werden. Auch ich hatte vor, zu den Geburtstagen meiner Töchter und kurz nach der anstehenden Geburt meines dritten Enkelkindes nach Hamburg zu reisen und benötige dazu einen sicheren Standort für die Odd@Sea in meiner Abwesenheit. Was machen wir also mit der verbleibenden Zeit von etwa 9 Tagen und wohin fahren wir am Günstigsten? Erste Überlegungen sprechen für Alicante oder Valencia. Aber wir haben ja noch etwas Zeit. Auf jeden Fall sind wir beide sehr traurig über die stark verringerten Möglichkeiten, die uns verblieben sind. Irgendwie haben wir uns aber bereits damit abgefunden und bauen bereits unsere innere Verfassung wieder auf. Die tollen 6 Tage auf dem Meer auf der Non-Stopp-Fahrt von La Coruna nach Almerimar entschädigen uns allemal dafür.

Zu unserem Standort hier gibt es etwas Interessantes: Bereits bei der nächtlichen Fahrt entlang der Küste fielen uns das hohe Gebirge aus riesigen schwarzen Küstenfelsen auf, die eine große Anzahl von Feldern mit weißer Oberfläche haben. Als wir dann im Hafen einen riesigen Frachter passierten, der gerade mit Gestein beladen wird, erinnerten wir uns an Alcántara-Marmor, der aus dieser Region stammt und in alle Welt exportiert wird. Ansonsten ist dieser Hafen, insbesondere die Marina, ziemlich verwaist, obwohl das kleine Städtchen einen ganz hübschen Eindruck aus der Sicht von Bord aus macht. Corona zeigt auch hier seine Wirkung. Eine Schule für das Fahren mit Jet-Skies, kleinen stark motorisierten Bötchen, auf denen man rittlings sitzt und durch einen Wasserstrahl vorangetrieben wird, liegt uns gegenüber und beschert uns immer wieder einen unangenehmen Schwell an unserem Liegeplatz.

Sie ist wohlbehalten angekommen im Hafen von Garrucha nach einer eher langweiligen Fahrt unter Motor, die Odd@Sea. Sie liegt nun an einem der fast leeren Stege der Marina.
Gegenüber steht eine alte Kogge zum Verkauf.
Auf Jörgs Anregung hin werde ich zukünftig das Kuttersegel, wenn es während der Fahrt benutzt werden soll, am Kutterstag in seinem Segelsack verpackt auf dem Vordeck verstauen. Wenn ich es benutzen will, muss ich nur den Segelsack mit einer ins Cockpit verlegten dünnen Leine nach hinten und das Kuttersegel an seinem Fall nach oben ziehen und los geht es. Allerdings muss dann bei jeder Wende die Genua eingerollt werden bevor sie wieder in der anderen Richtung ausgefiert wird. Für Umsonst gibt es in der Segelei nichts!
Im Industrieteil des Hafens von Garrucha lag in der Nacht ein großer Frachter, der am Tag darauf kurz vor Sonnenuntergang von zwei Schleppern weg von der Pier und aus dem Hafen hinaus gezogen wurde. Eine imposante Zeremonie, die ich so oft bei meiner letztjährigen Liegezeit im Hamburg Hafen beobachten konnte.

31.8.2020 Teil II des bebilderten Blogs

Erklärungsbedürftig bleibt wohl noch die Tatsache zu sein, dass ich für den Zeitraum nach meiner Rückkehr aus der Ostsee bis jetzt meine Blogbeiträge auf reinen Text beschränkt und diese dann auch noch in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht hatte. Der Grund dafür ist sehr einfach: Es gab nichts Interessantes zu erzählen oder bildmäßig zu beschreiben. Mein Tagesablauf war wahrscheinlich der gleiche wie Eurer. Während der Pandemie war es zudem sehr, sehr langweilig, denn es passierte, insbesondere in der Quarantäne in Les Sables Dolonne, überhaupt nichts. Als es wieder los ging, war meine Abstinenz durch pure Faulheit begründet. Nun aber geht es wieder weiter und zwar rapide.

Zunächst etwas Nautisches: Hier ist die Fahrlinie der Odd@Sea bei der Ankerung vor dem für das Schiff zu kleinen Hafen von Vivero in Nordspanien zu sehen. Wir kamen von Norden in die Bucht hinein und fuhren zunächst gegen den Wind, um dann den Anker fallen zulassen. Da wir dabei Probleme mit der Kette hatten, ich berichtete darüber, ließen wir schließlich die kompletten 50 m Kettenlänge fallen, was uns in Windrichtung nach rechts oben vertrieb. Dort lag dann das Schiff fest und schwoite in einem kleinen Raum bis zum nächsten Morgen. Das Bild zeigt den Weg des GPS-Sensors an Bord bis dahin. Der größere Schlenker nach links und zurück ist der Arbeit an der Kette geschuldet, die zuweilen sehr zeitaufwändig war und das Boot dann weiter abtreiben ließ.
Diese Bewegung der Odd@Sea vor dem Hafen von Viveiro hier in etwas größerer Auflösung. Das Schiff war immer in Bewegung und deren Bewohner haben davon absolut nichts bemerkt, sondern tief geschlafen.
Den richtigen Seemann schreckt überhaupt nichts! In voller Fahrt steigt Jörg über die Heckleiter aus und begibt sich ins offene Meer. Er hält sich an dieser natürlich ständig fest.
Der dynamische Auftieb Jörg’s athletischen Körpers hinter dem Schiff sorgt dafür, dass er nicht sehr weit ins Wasser eintaucht und somit zuweilen seine Details zeigt. Er scheint diesen Zustand im Schlepp sehr zu genießen.
Sonnenaufgänge haben immer etwas Besonderes. Hier kommt es zu einer besonderen Stimmung infolge von Dunst über einem „öligen“ Meer. Der Wind ist eingeschlafen.
Diese Stimmung ändert sich auch etwas später nicht.
Eine andere Situation mit klarer Luft. Kann ein Sonnenaufgang schöner sein als auf dem Meer?
Mitten auf dem Meer besucht uns eine Taube und fährt als willkommener Passagier ein Stück des Wegs auf dem Kicker mit uns, bevor sie sich wieder verabschiedete.
An den Landvorsprüngen dieser Meere befinden sich stets Leuchttürme, welche die Schiffsführer vor einem unbeabsichtigten Auflaufen auf das Land bewahren sollen. Hier ist der Leuchtturm von Faro abgebildet. Dahinter befindet sich eine sehr große Lagune, in die man einfahren kann und die uns durchaus unserer Entscheidung zum Durchfahrens über mehrere Tage schwer machte.
Schon von Weitem sieht man den Leuchtturm von Tarifa am nordwestlichen Eingang der Straße von Gibraltar.
Beim Umfahren zeigt sich dieser aus der Nähe als besonderes Prachtexemplar.
Vor Tarifa wurden zum Schutz der Seestraße große Bunkeranlagen gebaut.
In beginnender Dunkelheit zeigt sich in etwas Dunst der Affenfelsen von Gibraltar schon aus größerer Entfernung.
Dass wir beste Fahrbedingungen bei der Durchfahrt durch die Passage hatten, zeigt der Blick auf Jörgs Navigator. Der Strom und der Wind liefen mit uns!
Jörg hatte mich dankenswerter Weise mit dem Umgang mit meinem Spinnackerbaum vertraut gemacht, den wir in der Folge ausgiebig bei den überwiegenden Raumschotkursen mit großer Wirkung einsetzten. Hier ist die Genua und das Großsegel nch Backbord ausgefiert. Im Hintergrund ist die spanische Küste zu sehen. Ich hatte mich in den Jahren zuvor nicht zur Nutzung dieses sehr sinnvollen Teils durchringen können. Da es aber ohnehin nur bei schwachen Wind segensreich eingesetzt werden kann, werde ich es zukünftig auch solo einsetzen und den dazu nötigen Gang auf das Vorschiff wagen.
Aus geringerer Entfernung betrachtet, sieht man entlang der spanischen Küste bis hin zur französischen Grenze überall die großen, mit weißen Plastikfolien bedeckten Flächen, die sowohl eine vorteilhafte Treibhaus- wie auch eine ebenso stark nachteilige Umweltwirkung haben.
Auch mit anderer Blickrichtung, das gleiche Bild! „Schneebedeckte“ Landschaften.
Die Odd@Sea an ihrem Liegeplatz in La Coruna.
Hier lag nicht nur die Odd@Sea für ein paar Tage bis zu ihrer Abfahrt nach Almerimar …
… sondern auch die Freydis von Erich Wilts, einem Weltumsegler und Schriftsteller, der mit seinen siebzig Jahren immer noch mit Gästen Langfahrten macht. Wir hatten die Gelegenheit, dass uns der Skipper auf sein Schiff zur Besichtigung einlud, was Jörg und ich natürlich mit großem Vergnügen annahmen.
Jörg durfte auch die Mastleiter eines anderen Seglers im Hafen hinaufklettern und dessen Boot von oben fotografieren. Eine sehr seltene Perspektive zeigt sich dabei. Dieses beeindruckende Klettersystem scheint große Vorteile gegenüber den konventionellen zu haben.
Das beeindruckende Gebäude des Schiffahrts- und Hafenamtes in La Coruna mit einer die Bucht schützenden Kanone aus unseliger Zeit im Vordergrund
Die gewaltigen Brecher am Ufer der Bucht zeigen besonders eindrucksvoll den Grund, warum wir in La Coruna einige Tage abwettern mußten.
Auch auf der anderen Seite der Bucht wütete das Meer!
Dei Besatzung eines Zweimasters mit Besansegel scheute dennoch nicht die Ausfahrt.
Unser traumhafter Liegeplatz in einem der drei Hafenbecken von Alemerimar inmitten der Stadt und umgeben von zahlreichen Geschäften und Kneipen. Coronabedingt brummte das Leben hier allerdings nicht so, wie ich es von meinem letzten Besuch vor zwei Jahren kennengelernt hatte.

30.8.2020 Ein paar Bilder zu unserem Törn von La Coruna nach Sardinien (Teil 1)

Zunächst möchte ich über die gegenwärtige Wetterlage in kürzester Form Auskunft geben: Heute und möglicherweise morgen werden wir von Almerimar nicht weiterfahren können. Der Wind steht in Stärke und Richtung gegen uns und wir zwei älteren Herren wollen uns nicht in Tage des abenteuerlichen und anstrengenden Kreuzens begeben. Weiter soll es dann aber zunächst an der Küste entlang in Richtung Cartagena und dann, je nach den Windverhältnissen, östlich oder westlich um die Balearen herum gehen, bevor der Sprung nach Sardinien erfolgen wird.

Zudem muss ich gestehen, dass mein Erinnerungsvermögen mich hier in Almerimar etwas im Stich gelassen hat. Beim Spazierengehen durch diese von einer riesigen Marina geprägte Stadt hatte ich gestern eine Reihe von Déjà-vus, war mir aber sehr unsicher, ob ich hier bereits schon einmal war. Beim Passieren eines bestimmten Liegeplatzes verstärkte sich meine Unsicherheit noch und als ich dann einen sehr großen Supermarkt sah, war ich mir sicher: Hier war ich schon einmal. Der Blick in meinen Blogbeitrag vom 21.5.2018 belehrte mich dann. Die ausgesprochene Schönheit dieses Platzes hatte mich offenbar bereits vor zwei Jahren verzaubert, was mich damals zu einigen sehr persönlichen Ausführungen veranlasste, zu denen ich auch heute noch uneingeschränkt stehe.

Die folgenden Bilder sind nur schwach chronologisch sortiert, denn es wäre eine Sisyphusarbeit, die dazu gehörenden Daten wieder zu regenerieren und sie dann in den zeitlichen Kontext zu stellen. Zudem gibt es keine thematische Linie, denn sie sind eher zufällig entstanden. Ein paar Bemerkungen sind zum besseren Verständnis hinzugefügt. Die große Anzahl der Bilder hat mich dazu veranlasst, dieses Thema auf zwei Blogbeiträge aufzuteilen.

Jörg nach seiner Enterung der Odd@Sea in La Rochelle. Ist er sich nicht ganz sicher darüber, auf was er sich da eingelassen hat? Er schaut jedenfalls kritisch in die Kamera.
Ich scheine angestrengt wegen des anliegenden Telefonats aus der Heimat zu sein. Am Frühstück liegt das fragende Gesicht jedenfalls nicht.
Na bitte, es geht doch …
Vorschriftsmäßig gegen Corona mit Masken gesichert, wird zunächst das Catering erledigt. Jörg und ich waren mit meinem und einem geliehenen Fahrrad zum Supermarkt gefahren und ein freundlicher Taxifahrer transportierte die Nahrungsmittel in den Hafen. Coronabedingt war das kostenlose Transportangebot des Ladens eingestellt worden.
Reicht das für die Fahrt nach Sardinien? Definitiv nicht. Wir haben aufgrund der längeren Abwetterungszeiten noch mehrere Male eingekauft.
Die Frage ist eher: Wo verstauen wir den ganzen Krempel unter Deck?
Die vielen Gewitter, die um uns herum entstanden, haben wir fast alle umfahren können. Hier bei wenig Wind mit Motorhilfe.
Lilli und Malia: Ihr habt Jörg nach einem komischen Teil an unserem Heck gefragt und ich glaube, dass Ihr diesen Apparat gemeint habt. Nun, es handelt sich dabei um eine Selbststeueranlage nach dem Prinzip „Windpilot“, welche die Funktion eines Autopiloten ausführt, jedoch nur mit den Kräften der Luft (linkes Blatt) und des Wassers (rechtes Blatt) arbeitet. Letzteres wird zum Aktivieren zunächst nach rechts herum in das Wasser gedreht und bewegt über einen Seilantrieb das Steuerrad. Die Windfahne dreht sich jeweils in den Fahrtwind und bewegt über ein stark untersetztes Getriebe das Wasserruder, welches sich aufgrund der großen Wasserkräfte sogleich seitlich bewegt und so das Steuerrad dreht. Man braucht viel Fantasie, um dieses sehr intelligent gestalteten Apparat voll zu verstehen, wenn man ihn nicht direkt vor sich hat und damit herumspielt.
Wir sind zwar weit überwiegend alleine auf dem Meer unterwegs, treffen jedoch immer einmal wieder andere Kollegen, wie hier bei herrlichem Segelwetter. Das Blau des Meeres ist immer wieder phantastisch.
Auch der Küstennebel, hier kurz nach dem Sonnenaufgang, ist ein beeindruckendes Phänomen. Er verschwindet mit zunehmendem Sonnenstand. Kommt man da hinein, müssen AIS, Navigator, Radar und Co. helfen, denn man kann kaum noch den Bug des eigenen Schiffes sehen. In Coronazeiten gibt es allerdings viel weniger Verkehr und es ist halb so schlimm.
Auch die normale Haushaltsführung steht immer wieder an. Hier hat es mich getroffen.
Auch nach mehreren Tagen auf See sind die beiden Skipper immer noch vergnügt, vielleicht ein wenig müde.
Es wird von Zeit zu Zeit notwendig, die Müdigkeit abzubauen. Ein kurzes Schläfchen auf den Polstern der Kabine hift dabei.
Wir hatten mit der Windrichtung auf der Fahrt nach Almerimar insgesamt recht viel Glück. Wie dieses Bild dem Kenner zeigt, handelt es sich um einen Raumschotkurs (Wind von hinten seitlich). Bei nur ca. 8 Knoten Wind fährt die Odd@Sea nachts mit fast 7 Knoten. Da freut sich des Skippers Herz.
Das funktionierte auch am Tag mit einem hoch anliegenden Wind ganz gut, wie dieses Bild zeigt. Bei nur 9,4 Knoten Wind von fast vorne, geht das Schiff zur Freude der beiden Segler an Bord mit mehr als 8 Knoten!
Die Segel stehen beim Amwindkurs prächtig …
… und das Kielwasser zeigt, dass es bei dieser ruhigen See schnell vorangeht. Hier sieht man gut, dass die Odd@Sea relativ aufrecht auch am Wind fährt. Ein Luxus für die Insassen!
Dem Skipper des Vorabends steht die Müdigkeit am Morgen ins Gesicht geschrieben. Er muss dringend in die Koje.
Der ausgeschlafene Kollege macht sich mit einem Tee fit zur Übernahme des Steuers.
Das Geschehen muss natürlich immer einmal wieder dokumentiert werden …
Was gibt es Schöneres als einen frischen Sonnenaufang auf dem Meer?
Vor dem Wind mit den Segeln in „Schmetterlingskonfiguration“ und dem zuverlässig arbeitenden Autopiloten. Da kann man nur glücklich zuschauen! Jörg hat mir die Nutzung des Spinackerbaums (links) in der Praxis gezeigt, was zu wesentlich höheren Geschwindigkeiten und viel mehr Stabilität in der Genua führt. Da kann man nur staunen.
Einer der ganz großen Containerschiffe mit mehr als 350 Meter Länge fährt hinter uns durch, nachdem es lange Zeit so aussah, als ob wir uns treffen würden. Er verminderte aber sein Fahrt, um einige Zeit später nach einer Linkskurve auf Reede zu gehen.

Hier soll erst einmal Schluß sein mit dem Bilderblog. Der zweite Teil folgt in Kürze.

29.8.2020 Wieder einmal durch die Meerenge von Gibraltar – dieses Mal jedoch von Westen nach Osten

29.8.2020 Wieder einmal durch die Meerenge von Gibraltar – dieses Mal jedoch von Westen nach Osten

Ich bin schreibfaul geworden in der Zwischenzeit und bitte alle Leser des Blogs um Verständnis. Auch für die versprochene Zusammenstellung von Bildern habe ich noch nicht genügend Zeit gehabt. Außerdem haben wir nur sehr selten Zugang zum Internet, da wir meistens weit weg von den Küsten unterwegs sind. Diejenigen, die uns mit Hilfe von Marietraffic verfolgen, werden erkannt haben, dass selbst in den Meerengen nur wenige oder gar keine Monitorstationen vorhanden sind und auch sonst deren Dichte in diesem Teil von Europa sehr gering ist. Denen wird auch nicht entgangen sein, dass wir die letzte Nacht wetterbedingt im Hafen von Almerimar verbracht haben und den Tag auch heute hier verbringen werden. Zuvor wich eine sehr angenehme Segelpartie entlang der Nordküste des Mittelmeers vorbei an Marbella und Malaga einem Kampf gegen zunehmenden Wind und Wellen, bei dem die Odd@Sea durchaus auch ihre Grenzen zu zeigen vermochte. Wir luften mehrere Male beim Absurfen einer Welle ungewollt gegen den Wind und konnten uns aus dieser Lage nur mit Hilfe des Motoreinsatzes befreien. Eine Beendigung dieses Spektakels war dann erst durch Reffen der Segel möglich.

Durch die lange Zeit des Wartens auf günstiges Wetter für die Biskayaquerung und die Abfahrt in La Corunia haben Jörg und ich sehr viel Zeit verloren und sein verfügbares Zeitfenster für die gesamte Reise ist begrenzt. Deshalb haben wir uns nach der Abfahrt aus La Coruna entschlossen, soweit es geht in einem Stück in Richtung Sardinien durchzufahren. Mit jedem neuen Tag fiel uns eine Verlängerung dieser Entscheidung leichter, denn wir gewöhnten uns rasch an den Tagesrhythmus eines Hochseetörns. Nun haben wir gestern bereits Portugal und gegen Mitternacht Gibraltar passiert und fahren zurzeit in Richtung Almeria. 24 Stunden Fahrzeit am Tag machen doch einen großen Unterschied gegenüber den sonst typischen 10 bis 12 Stunden an einem Fahrtag. Eigentlich wollten wir Station machen in Portimao an der westlichen Küste der Algarve. Weil es so schön lief, fuhren wir weiter nach Vilamoura und entschieden dort, dass wir hier lediglich Diesel tanken und sogleich weiter fahren werden. Dazu eine kleine Bemerkung: Man wollte uns in diesem eleganten Hafen doch tatsächlich für das Anlegen am Tankpier einen halben Tagespreis für einen Liegeplatz zusätzlich zum Sprit berechnen. Ich konnte nur noch bewusst radebrechend meine Zustimmung dazu solange verweigern, bis die Dame des Hauses uns ohne Zusatzrechnung vom Hof ließ.

Durchgehend waren die Tage seit unserer Abfahrt geprägt von eher schwachen bis mittelstarken, aber stets aus achterlichen Richtungen kommenden Wind, der uns zum Teil sehr zügig mit bis zu 10 Knoten segelnd, aber auch immer wieder über lange Strecken nur den Motorantrieb mit Spardrehzahl unterstützend voranbrachte. Insbesondere durch Jörgs gutes Zeitmanagement konnten wir die Tidenströmungen und den Gibraltarstrom so ausnutzen, dass wir dabei nur relativ wenig Sprit einsetzen mussten. Zwischen 1200 und maximal 1500 U/Min. reichten dabei völlig aus.

Da auf einer solchen Langfahrt nur wenig passiert, kann ich darüber auch nur wenig schreiben. Wir haben unseren Rhythmus so gefunden, dass ich mich am späten Abend in die Koje lege und bis zum frühen Morgen schlafe und nach einer kurzen Wachübergabe Jörg sich dann bis in den späten Vormittag hinein in seine Koje zurückzieht. Er ist ein ausgesprochener Nachtmensch und kommt damit gut klar. Den aus Filmen bekannten Wachwechsel alle 4 Stunden kennen wir an Bord der Odd@Sea nicht. Den Tag verbringen wir dann gemeinsam an Deck, verrichten die seglerische Arbeit und quatschen dabei oder genießen auch schon mal wortlos die Schönheit des Meeres. Die Malzeiten nehmen wir gemeinsam ein: Frühstück am späten Vormittag bis Mittag, Kaffee und Kuchen am Nachmittag und ein üppiges Mal dann am Abend beim Sonnenuntergang. Ja, wir kochen gutbürgerlich, viel frisches Gemüse und weniger aus der Dose. Jörg macht das Frühstück und den Kaffee und ich die Hauptmahlzeit. Mit jedem neuen Fahrtag hat sich mein Lebensgefühl, welches nach der langen wetter- und Corona bedingten Fahrpause etwas gelitten hatte, wieder normalisiert und es spielt für mich nun keine Rolle mehr, ob wir in der Nacht auf dem Meer bleiben oder in einem Hafen übernachten. Das natürlich nur solange der Proviant ausreicht. Dafür haben wir weitgehend bereits in La Rochelle gesorgt.

Auffällig ist in diesem Jahr, dass sich so wenige Sportboote auf dem Meer und in den Häfen befinden, aber auch die Berufsschifffahrt, insbesondere an den Hot-Spots wie Gibraltar, deutlich weniger zu sehen ist. Einzig die Fischerei zeigt die übliche Aktivität, insbesondere in der Nacht, wo deren Lichter überall um uns herum gut zu sehen sind.

Eine Bemerkung noch zu meinem Schiff, die sich gar nicht so „odd“ anstellt, wie es ihr Name unterstellen könnte. Die Reinigung und Aufbringung von Anti-Fouling in Rochefort scheint sie geradezu zu beflügeln. Auch bei schwächsten Winden zeigt sie ungeahnte Fahrleistungen. Jörg kennt weit mehr Segelschiffe als ich und kann seine Begeisterung kaum bremsen. Das ist doch einmal was für die geschundene Seele eines Skippers, oder? Seine kleinen Trimm- und andere Tricks als sehr erfahrener Skipper spielen dabei sicherlich auch eine große Rolle. Ich lerne dabei ständig dazu, auch wenn wir durchaus auch verschiedene Ansichten zu manchen Details haben und diese dann auch nach einer ausgiebigen Diskussion verbleiben. Gelassenheit ist dann das Gebot des Moments.

Noch ein abschließendes Wort zu meinem nicht gehaltenen Versprechen zur Lieferung eines bebilderten Blogbeitrags. Asche auf mein Haupt. Jörg fotografiert ständig und hat mir Unmengen an Bildern zur Verfügung gestellt, die ich alle sichten, selektieren, in der Größe auf ein für das Internet geeignetes Format reduzieren, mit ein wenig erklärenden Text versehen und dann veröffentlichen muss. Das braucht Zeit. Während der Liegezeit hier in Almerimar werde ich mich darum kümmern. Hier scheint zwar die Sonne an einem stahlblauen Himmel, der Wind fegt allerdings über die Schiffe im Hafen und verursacht dabei viel Lärm.

19.8.2020 La Corunia wird wohl unserer Standort für ein paar Tage

Ein kurzes Wetterfenster öffnete sich am Dienstag bei einer frühen Abfahrt von Vicedo, das etwa 75 Meilen entfernten La Corunia zu erreichen und so klingelte der Wecker bereits beim Sonnenaufgang und erlaubte uns die Abfahrt aus unserer schönen Ankerbucht bei Vicedo nach einem guten Frühstück um ca. 7:00 Uhr bei fast Windstille und spiegelglatter See. Das änderte sich dann aber rasch beim Verlassen der Bucht. Zunächst hatten wir schwachen Wind aus einer segelgerechten Windrichtung, der allerding zunächst die Zuhilfenahme eines schwachen Motorschubs erforderte, um zumindest mit 5 Knoten voranzukommen. Rasmus war uns zugetan und so nahm der Wind im größeren Abstand von der Küste etwas zu und es ging los mit einem reinen Segelvergnügen. Schwache Welle, ausreichender Wind, Herz, was willst Du mehr. Das ging so bis etwa 30 Meilen vor La Corunia. Nun kam der Wind von vorne und nahm stark zu, was uns zum Kreuzen zwang. Bei guter Segeltrimmung zeigte sich die Odd@Sea von ihrer besten Seite. Es ging hoch am Wind zügig voran, wobei uns allerdings der flache Rumpfbug beim Eintauchen in die Welle jeweils etwa einen halben Knoten Fahrt nahm. Eine weitere Vergrößerung der Windstärke veranlasste uns dann zum Reffen und es wurde zugleich etwas ungemütlicher bei einer ansteigenden Wellenhöhe. Unsere Annahme, dass der Wind in Landnähe abnehmen und uns ein aufwändiges Kreuzen erspart bleibt, erfüllte sich leider nicht. Um gegen den nun starken Wind anzukommen, mussten wir wieder den Motor zu Hilfe nehmen und so wurde der letzte Teil dieses Törns bis zur Einfahrt in den großen Hafen von La Corunia doch noch einigermaßen anstrengend.

Ich hatte noch sehr gute Erinnerungen an den Hafen von Real Nautica da Corunia, wo ich vor zwei Jahren vor meiner letzten Biskayaquerung gelegen hatte und so passierten wir die Einfahrt zur Marina von La Corunia an Steuerbord. Dort angekommen, trafen wir ein weithin bekanntes deutsches Seglerehepaar auf deren in Fachkreisen sehr bekannten Segelschiff Freysis. Deren Bücher zum Thema Langstreckenseglern sind wohl allen ambitionierten Seglern bekannt. Hier nahmen sie Passagiere für einen längeren Törn an Bord, der auch in unsere Zielrichtung gehen soll. Auf der anderen Seite unseres Schiffs wartete ebenfalls ein deutsches Seglerehepaar auf die Fortsetzung deren Törns bei besserem Wetter. Ansonsten zeigt sich der Hafen eher leer, offensichtlich bedingt durch die andauernde Pandemie. Nun hat sich unsere Aussicht auf eine Weiterfahrt in Richtung Gibraltar auf den kommenden Sonnabend konkretisiert. Wir müssen also ebenfalls noch zwei Tage abwettern. Dann jedoch scheinen die Aussichten längerfristig als sehr gut und wir schöpfen wieder Hoffnung auf ein schnelleres Vorankommen als bisher.

Liebe Leser, ich bin mir sehr darüber bewusst, dass es wieder dringend nötig wird, dass ich meinen Blog mit Bildern vom Geschehen anreichere. Die Gründe für meine lange diesbezügliche Abstinenz sind zwei: Für die sehr große Langeweile des letzten halben Jahrs konnte ich auch bei meiner größtmöglichen Kreativität keine Vorstellungen für einigermaßen interessanten Motive finden und die möglichen Motive sind für einen Einhandfahrer naturgemäß beschränkt auf die Momente, wo es etwas interessanten zu sehen gibt und gleichzeitig die Kapazität des Fotographen ausreichend groß ist. Letzteres führt zu immer gleichen Motiven, wie man sie in meinen Beiträgen zu den letzten Blogs besichtigen kann. Das ist dann weder für den Autor, noch für den Betrachter erquicklich. Jetzt fahre ich aber zu zweit mit Jörg und es sollte somit möglich werden, dass wir zusammen etwas mehr Leben in den Blog bekommen. So wird in den kommenden Tagen ein reiner Bildbeitrag ohne Berichte zu sehen sein. Ich hoffe auf Euer Verständnis.

16.8.2020 Segeln in der Biskaya ist äußerst mühselig in diesen Tagen, wenn man in Richtung Mittelmeer will

Irgendwie kommt der Wind zurzeit immer aus der Richtung in die wir fahren wollen. Das konnten wir bereits feststellen, als wir den Hafen Laredo nach dem Tanken am 14.2. um etwa 10:30 Uhr verließen und aus der Bucht von Santonia ausliefen. Ohne „Holeschläge“, die uns zwar Höhe gegen den Wind, aber nur wenig Strecke auf dem Weg zum Ziel brachten, ging nichts an diesem Tag. Zunächst passierten wir, an der Küste entlang fahrend, die Stadt Santander um etwa 14:00 Uhr, danach Gijon um etwa 23 Uhr. Ohne die Hilfe des Motors, wenn auch mit nur geringer und damit spritsparender Drehzahl, ging aufgrund des schwachen Winds Garnichts. Das nennt man dann „motorsegeln“. Am folgenden Morgen zwang uns dann ein Gewitter zum Kurswechsel weg von der Küste, um gegen 16 Uhr wieder Kurs in Richtung Küste zu nehmen. Teilweise frischte dann der schwache Wind ein wenig auf und wir konnten dann sogar einige Stunden segeln, ohne den Motor aus Unterstützer zu benötigen. Die in Küstennähe wieder empfangbaren Wetterinformationen machten uns aber schnell klar, dass uns eine Fortführung unserer Fahrt um die Nord-West-Ecke Spaniens nicht gut gelingen würde, denn der Wind frischte, aus unserer Fahrtrichtung kommend, stark auf. Dieses zwar nicht so stark, dass ein Gegenanmotoren nicht hätte gelingen können. Dazu hatten wir dann aber keinen Nerv mehr und so entschieden wir uns, den Ort anzulaufen, der bereits schon einmal in meinem Blog auftauchte: Vicedo. Der örtliche Hafen ist immer noch zu klein für Segelyachten, sodass wir inmitten dieser malerischen Bucht tief in der Nacht den Anker warfen. Zuvor mussten wie bei völliger Dunkelheit eine enge Stelle zwischen dem Land und einer kleinen, der Bucht vorgelagerten Insel durchfahren. Ohne einen guten Navigator, der auch totales „Blindfliegen“ erlaubt, würden derartige Operationen nicht möglich sein.

Das Ankern ging dann auch nicht ganz ohne Komplikationen, denn meine Ankerkette ist stark verrostet und viele Kettenglieder haben sich dabei zusammengefügt, als wären diese miteinander verschweißt. Freilich lassen sich diese „Schweißungen“ einigermaßen leicht mit einem Hammer lösen. Da die Kettenglieder beim Zusammenrosten untereinander willkürliche Verbindungsrichtungen eingehen, klemmen diese sich immer wieder in der Kettenwinsch ein und müssen dann zunächst mühselig mit der Hand herausgezogen werden bevor sie dann einzeln mit dem Hammer auseinandergeschlagen werden können. Danach sah das Vorschiffsdeck jedenfalls aus wie ein Schrottplatz, denn die teilweise auch großen Rostpartikel verteilten sich ziemlich intensiv bis hin zum Mastfuß. Sie wurden dann am nächsten Morgen wieder aufwändig entfernt.

Hierbei, wie auch eigentlich immer, kommt Jörg seiner Königsdisziplin in äußerst kompetenter und intensiver Weise nach. Ordnung und Sauberkeit schaffen, immer und überall. Es ist schon sehr interessant, was ihm dabei so einfällt! Manchmal sind es wirklich staatstragende Ideen, welche die Handhabung des Schiffs deutlich verbessern helfen, manchmal auch hilfreiche Kleinigkeiten, über die man durchaus auch verschiedener Meinung sein kann. Auf jeden Fall stellen diese dann aber immer auch eine funktionierende Lösung dar. Phänomenal! Er ist dabei jedenfalls immer in Bewegung und puzzelt stets an irgendetwas herum. Wenn ich sein Naturell mit dem Meinigen vergleiche, dann kann ich mich selbst nur als einen äußerst faulen Menschen bezeichnen.

Bei stark auffrischenden Wind schwojte zwar die Odd@Sea vor Anker in dieser Nacht und auch noch am folgenden Morgen ordentlich, lag dabei aber stets sehr ruhig, sodass wir auch kurz nach Mitternacht noch eine warme Malzeit einnehmen konnte, bevor wir uns in die Kojen legten. Für die nicht in die Fachterminologie Eingeweihten: Beim Schwojen dreht sich das Schiff ständig langsam aber beständig kreisförmig um seinen Anker durchaus bis zu 45° nach Steuerbord (Rechts) und nach Backbord (Links) hin und her.

Wie geht es weiter? Die aktuellen Wetterberichte lassen uns kaum Chancen zur sinnvollen Weiterfahrt bis etwa übermorgen. Auch wenn die angesagten Winde durchaus auch zeitweilig schwach daherkommen, es gibt zwischendurch aber immer wieder für Stunden andauernde Starkwindphasen. Das wäre erträglich, wenn der Wind nicht stets von vorne kommen und sich seine Richtung nicht stets entsprechend unserer Kursline entlang der Küstenlinie krümmen würde. Wir haben sämtliche Fahrtaktiken für diesen Zeitraum gedanklich durchgespielt und feststellen müssen, dass wir nur mit starkem Einsatz des Motors den Weg in Richtung La Coruna schaffen könnten. Das ist aber für ein Seglerherz dann doch eine zu starke Überforderung. Da sind wir bei der bisher bei unserem gemeinsamen Törn gemachten Erfahrung bereits stark strapaziert worden. Wie bleiben natürlich bezüglich der Wetterberichte am Ball und sind für kurzfristige Abreisen gerüstet.

13.8.2020 Eine weitere Querung der Biskaya ist vollendet

Jörg ist pünktlich wie verabredet in La Rochelle mit dem Flugzeug von München über Porto in La Rochelle angekommen. Zunächst stand bei fast unerträglicher Hitze die Abfahrbereitschaft in die Biskaya für den kommenden Tag auf dem Plan. Zuvor, am Sonntag, musste jedoch noch das Catering für die Fahrt nach Sardinien beschafft werden. Das wäre grundsätzlich möglich für ein paar Stunden am Vormittag, die Variante des Lieferservices direkt an den Hafen jedoch nicht. So entschieden wir uns kurzerhand, unser Vorhaben um einen Tag zu verschieben und gingen am Abend lieber in ein Restaurant am Hafen, um unser Wiedersehen zu feiern. Mit meinem und einem geliehenen Fahrrad für Jörg fuhren wir stattdessen am Montag zum Supermarkt. Nun war allerdings die Frustration bei uns groß als wir hören mussten, dass grundsätzlich in Zeiten von Corona kein Lieferservice angeboten wird. Also mussten wir entweder den Inhalt von zwei überfüllten Einkaufswagen mit dem Fahrrädern zu Hafen und zum Schiff befördern, oder, und da war eine freundliche Verkäuferin hilfreich, einen Taxifahrer anzuheuern, der diesen Transport ohne einen menschlichen Gast durchführen würde. Am Ende war auch dieses absolut kein Problem und unser Einkauf fand den Weg an unseren Steg auch ohne unsere Begleitung. Wir kamen natürlich etwas später dort an, bezahlten dem freundlichen Fahrer seinen Dienst und begannen dann damit, bei weit über 30° C im Schatten, die Unmengen an schweren Kisten und Flaschen den langen Weg über den Steg bis zu Odd@Sea zu tragen. Das ging an die Substanz. Etwas ruhiger gestaltete sich das Auspacken und Verstauen. Jörg, der damit schon viele Erfahrungen gesammelt hat, machte das mit Einfallsreichtum und Können.

So ging es dann zwar erst am Dienstagmorgen los, aber es war abzusehen, dass dieser Zeitraum für eine Fahrt nach Santander, besser geeignet war, als ein früherer. Geeignet heißt nicht, dass wir uns einen Segeltraum erfüllen konnten, sondern nur, dass wir auf dieser Strecke nur begrenzt mit Wetterstörungen rechnen müssten. Ein schwacher Wind aus wechselnden Richtungen, der stundenweise auch aussetzte, zwang uns zu der Fahrvariante des Motorsegelns, die bei der flachen See durchaus auch Vergnügen bereiten konnte. Meine Strapazen beim Reinigen des Unterwasserschiffs und dem Aufbringen des Anti-Foulings in Rochefort haben sich spürbar gelohnt. Die „Odd“ läuft wieder wie neu. Es ist eine Freude! Leider holte mich jedoch mein Fahrdefizit aus mehr als einem halben Jahr aber trotzdem ein, ich musste mich übergeben und habe die ganze Nacht hindurch bis zum nächsten Morgen sehr darunter gelitten. Für Jörg, den Seebär, den Garnichts mehr anhaben kann, war es natürlich ein wirklicher Spaziergang. Kurz vor der spanischen Küste haben wir uns dann dazu entschlossen, etwas nördlicher zu fahren und den Hafen von Laredo anzulaufen. Andernfalls wären wir kurz vor unserem eigentlichen Ziel noch in ein Gewitter eingefahren und noch dazu in einen für die Größe der Odd@Sea etwas ungeeigneten Hafen. Hier in Laredo war ich bereits vor Jahren mit dem Erik und seiner „Kire“ und kannte den Hafen gut. Er war, wie damals auch, nicht einmal ein Viertel voll, verlangte aber auch jetzt wieder einen relativ hohen Preis. In der Bucht hier liegt einer der größten Sandstrände Nordspaniens und in der Nachbarstadt Santona wurde einst die „Santa Maria“ gebaut.

Eigentlich wollten wir in einem Stück in das Mittelmeer fahren. Die Wetterbedingungen sind allerdings im Moment nicht geeignet für sehr anspruchsvolle Ziele. So hoffen wir auf den typischerweise beständigen Nordwind, der uns zügig entlang der portugiesischen Küste nach Gibraltar bringt. Im Moment ist dieser allerdings nicht zu haben oder fehlt vollständig.

Heute haben wir nur Kleinigkeiten bei einer kurzen Stadtbesichtigung eingekauft, geduscht, gut an Bord gegessen und gequatscht. Morgen werden wir, nach einem weiteren Tag des Abwetterns heute, bei ebenfalls zunächst sehr schwachem und wechselhaft drehenden Wind versuchen, die Küste entlang in Richtung Westen nach Gijon oder, wenn es denn möglich ist, „um die Ecke“ herum in Richtung La Coruna zu fahren. Dann jedoch bei etwas stärkeren, aber von eher von vorne kommenden Wind. Es sieht also nicht sehr gut aus, aber, da wir nicht mit Starkwind oder Sturm müssen rechnen, werden wir unser Glück versuchen.

7.8.2020 Morgen geht meine Zeit in Rochefort zu Ende

Morgen kommt der Jörg aus München mit dem Flugzeug mit kostensparendem Umweg über Porto nach La Rochelle. Ich will als guter Gastgeber ihn direkt am Zielort empfangen und trete daher mit der abnehmenden Morgenflut meine Rückreise nach La Rochelle an.

Die letzten Tage waren geprägt durch viel, viel körperlich schwere Arbeit in brühender Hitze, in den letzten Tagen bis knapp unter 40 °C. Die Odd@Sea wurde zunächst mit einem riesigen Kran aus den Wasser gehoben und mit einem von einem starken Trecker gezogenen, hydraulisch an die geometrische Schiffsform anpassbarem Spezialfahrzeug an einen Parkplatz an Land befördert und dort auf starken Stahlböcken abgestellt. Da sie unten eine schmale horizontale Ebene aufweist, wurden keine seitlichen Stützen benötigt in der Annahme, dass die Breite der Ebene auch bei stärkerem Wind nicht die Stabilität des Aufbaus überfordert.

Als jemand, der sich über eine lange Zeit stets an Bord auf dem Wasser aufgehalten hat und einfach immer, also auch bei Windstille auf dem Schiff kleine oder große Körperbewegungen zur eigenen Stabilisierung macht, war das eine Herausforderung. Es gab zwar nur wenig Wind, aber die wenigen Windböen ließen das Schiff doch ein wenig auf den Böcken wackeln. Da kommt dann leicht Panik auf, denn im Wissen, dass man sich auf hartem Land aufhält, würde ein Kippen der Böcke zur Zerstörung des Schiffs und ggf. auch seines Skippers führen. Diese lange Sensibilisierung für leichteste Bewegungen war hier sehr störend.

Was war zu tun? Zunächst habe ich mit einem großen Spachtel den starken Bewuchs durch Algen und harten Pocken und Muscheln unterhalb der Wasserlinie abgeschabt. Dieses ergab nach der heutigen Reinigung der Standfläche dann einen richtig großen Berg. Danach wurde das Schiff mit einem starken Kärcher und einem wirklich starken Wasserstrahl abgespritzt, wobei die nach der ersten Behandlung noch vorhandenen Reste entfernt wurden. Diese Arbeit machte ein Mitarbeiter der Werft. Dann kam mein großer Auftritt, der mich wegen der Hitze an den Rand des Wahnsinns gebracht hat: Zwei Lagen von Anti-Fouling-Farbe mussten aufgetragen werden.

Ich hatte vom Vorbesitzer zwei große Kanister mit amerikanischem Material für den Pazifik übernommen, die hier zum Einsatz kommen sollten. Leider waren beide Kanister mit schwarzem Material gefüllt. Das würde ich nur einem Menschen empfehlen, den ich nicht gut leiden kann. Bei hohen Temperaturen erwärmt sich das Material in der Sonne stark, wird dabei zäh und kaum mehr zu applizieren und ihm muss ständig Verdünner zugesetzt werden. Dass es dabei und beim Ausrollen am Schiff ständig Spitzer gibt ist genauso unvermeidlich, wie die häufigen Reinigungen der Werkzeuge und des ansonsten weißen Schiffs, welches dabei eingefärbt wird. Beim zweiten Anstrich kann man zudem kaum unterscheiden, wo man gerade Farbe appliziert hat, denn es sieht alles gleich aus. Schrecklich!

Mit viel Einsatz und einem hitzebedingten arbeitsfreien Tag ist am Ende doch noch ein erfreuliches Ergebnis entstanden. Wenn ich davon Fotos gemacht hätte, dann hätte ich im Anschluss meinen Fotoapparat wegen Verdreckung wegschmeißen müssen. Ich bitte um Verständnis.

Mein Fahrrad hat mich dann auch noch beschäftigt, denn es hatte einen Platten auf dem Hinterrad. Da dieses für mich unverzichtbar ist, war sofortige Aktion gefordert. Ich besorgte in einem kleinen, aber feinen Fahrradladen direkt am Hafen Flickzeug, welches allerdings das Problem auch nach dreimaligen Wiederholen nur begrenzt lösen konnte. Mit Optimismus startete ich zu meiner routinemäßigen Einkaufstour in die Innenstand und als ich unmittelbar vor dem Carrefour Cité ankam, hatte ich wieder einen Platten, dieses Mal gut hörbar mit lautem Knall. Shit ist immer! Offenbar war der desolate Mantel die Ursache, denn ich lief mit meinen Einkäufen am Lenker direkt wieder zu dem Fahrradladen und ließ dieses Mal mein Rad auf Anraten des Mechanikers dort, um es nach etwa einer Stunde für wenig Geld repariert funktionierend wieder abzuholen.

Gestern wurde die Odd@Sea wieder in ihr Element verbracht, wobei ich die von den Böcken an Land verdeckten Streifen am hängenden Schiff nachbearbeiten konnte. Wegen der Hitze trocknete die Farbe sehr schnell und konnte entsprechend schnell gewässert werden. Nun stehe ich mit dem Bug Richtung Schleuse und kann morgen um etwa 9:00 Uhr auslaufen. Durch die eigentlich ungeplante Eigenarbeit konnte ich die Kosten dieses Aufenthalts hier an der Charente in Grenzen halten. Allerdings habe ich körperlich in den letzten Tagen stark zugesetzt und wahrscheinlich den durch die lange Bewegungslosigkeit an Bord angerichteten körperlichen Schäden kompensieren können. Ich bin zwar müde, aber mir geht es gut. Die Hitze wird aber ab morgen wieder etwas abnehmen.

Jörg und ich werden am Montag das für den zweiwöchigen Trip benötigte Catering beschaffen, uns für diesen fertig machen, tanken und wahrscheinlich am Dienstag morgen losfahren. Dann beginnt ein neues Abenteuer, auf das wir uns beide schon jetzt freuen.