17.6.2020 Ein wenig Ratlosigkeit hat sich beim Bewohner der Odd@Sea breit gemacht – Ein Situationsbericht

Liebe Leser meines Blogs, wenn es diese überhaupt noch gibt nach meiner langen Schreib-Auszeit, ich möchte wieder einmal ein Lebenszeichen von mir abgeben. Jeder meiner Ansätze in der Zwischenzeit, einen irgendwie interessanten Bericht über meine Lebenssituation hier in Les Sables D´Olonne in Zeiten der Pandemie zu schreiben, hatte sich bereits nach kurzer Zeit des Überlegens mangels Ideen wieder erübrigt. Ich bitte also um Nachsicht für meine Schreibfaulheit.

Immerhin liege ich seit mehr als einem halben Jahr an gleicher Stelle, seit Ende Mai/Anfang April zunächst unter Corona bedingten Quarantänebedingungen, seit Anfang Juni wieder ohne Ausgangssperre. So hatte ich es mir natürlich nicht vorgestellt, als ich hier zunächst nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Kanaren eingelegt hatte. Weitgehend ohne Kontakte zu anderen Menschen musste ich mich deshalb gefühlmäßig neu ausrichten und bin erstaunt, dass mir das einigermaßen gut gelungen ist. Jeder Tag verlief genau wie der voran gegangene: Es passierte neben der Eigenversorgung – gar nichts. Immer an Bord, fast keine körperliche Bewegung. Ich bin stolz auf meine innere Gelassenheit und meine seelische Stärke, denn es geht mir trotz alledem – sehr gut! Aber ich bin ziemlich ratlos, was als nächstes kommt, wie ich die Zeit bis zum Absprung über den Atlantik füllen sollte. Sollte ich überhaupt an meinem großen Vorhaben festhalten?

Ein paar Randbedingungen gehen mir durch den Kopf. Zum einen bin ich überzeugt davon, dass ich in meinem Alter nur dann eine Fernreise antreten sollte, wenn ein wirksamer Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden wurde. Damit rechne ich nicht vor dem zweiten Quartal des kommenden Jahres, eher später. Ich könnte diesen Aspekt ignorieren und zunächst recht schnell und mit wenigen oder gar keinem Landgang zu den Kanaren fahren. Das könnte in 12 bis 14 Tagen zu schaffen sein. Aber was mache ich dann dort bis sich das nächste Fahrfenster in die Karibik zum Winteranfang 2021 öffnet? Jeder, der meine Fahrt bis hierhin verfolgt hat wird erkannt haben, dass für mich eher der Weg das Ziel ist, als irgendwo stationär Urlaub an einem schönen Ort zu machen. Meine Phantasie reicht zur Beantwortung der Frage überhaupt nicht aus.

Irgendwie kann ich mich zurzeit auch überhaupt nicht damit anfreunden meinen ursprünglichen Plan anzugehen, über New York die Binnentour durch die USA in Richtung Mississippi und zum Golf von Mexiko zu fahren. Das Land hat in den letzten Jahren für mich so stark an Attraktivität verloren, dass ich eher auf dieses „once-in-a-lifetime-event“ verzichten möchte. Hierbei spielt dieser Narr und Narziss an der Spitze des Landes die allergrößte Rolle.

Alternativ könnte ich den Weg auf interessante Weise zeitlich deutlich verlängern. Ich denke hierbei an die Querung Frankreichs über den Canal du Midi von Bordeaux über Toulouse und Carcassonne nach Sête am Mittelmeer. Das braucht Zeit, die aber meines Erachtens gut investiert ist. Ich kenne den Kanal recht gut durch meine vielen Frankreichreisen als junger Mann von der Landseite aus. Es ist traumhaft dort. Der Nachteil hierbei ist, dass ich wieder einmal den Mast legen und anschließend wieder aufstellen muss. Meine Übung in diesem Geschäft lässt mich allerdings nicht zu sehr erschaudern. Im Mittelmeer lässt es sich zudem trefflich auch über einige Monate hinweg aushalten. Da ich mir mit diesen Überlegungen den Zeitdruck genommen habe, kann ich die gewonnene Flexibilität für gezielte Besuche von besonderen Orten und mögliche Treffen mit Freunden nutzen.

Das erste Ziel wird zunächst der Hafenwechsel nach La Rochelle sein, denn ich möchte als geborener Städter wieder einmal ein urbaneres Umfeld erleben, wie ich es hier an dem sehr ruhigen Ort nicht habe. Außerdem ist das WLAN hier so unzuverlässig, dass sich ein Ortwechsel allein damit ausreichend begründen lässt. Auch ist dort die Verkehrsanbindung sehr viel besser. Ich kann von dort aus in 10 Stunden mit dem Zug (TGV/ICE) in Hamburg sein. Auch sind internationale Verkehrsflughäfen von dort aus besser erreichbar. Im Moment sind allerdings die Flugaktivitäten jedoch noch stark eingeschränkt. Ich hoffe auch darauf, dass ich meinen Freund Erik in Rochefort treffen werde, was von La Rochelle in etwa 2 bis 3 Stunden mit dem Schiff erreichbar ist. Er kann sicherlich eine helfende Hand zum Aktivieren seines dort noch an Land befindlichen Schiffs gebrauchen. Natürlich kommt auch immer die Option Kanaren in Frage, für die mein Freund Jörg sein Interesse zur Mitfahrt schon vor längerer Zeit angemeldet hat. Es wird also irgendwie weiter gehen.

Ein Gedanke zu „17.6.2020 Ein wenig Ratlosigkeit hat sich beim Bewohner der Odd@Sea breit gemacht – Ein Situationsbericht“

  1. Lieber Jürgen,

    es gibt inzwischen diverse als sehr wirksam erkannte Medikamente gegen den neuen CORONA-Erreger. Impfung dauert noch länger, bis ein solches Präparat als bewährt gelten kann. Eigentlich würde ich für mich persönlich unter einem guten Arzt und Freund mich vorsätzlich infizieren lassen und dadurch den Zufall komplett außen vorzulassen suchen. Eine solche Behandlung in D. ist kaum riskant. Die Adieu-Quote selbst der Risikogruppe ist in unserem Gesundheitssystem statistisch gesehen besser, als die Wahrscheinlichkeit, durch einen Verkehrsunfall betroffen zu werden. Rechne mal durch, wie der Rebell im Innenministerium das praktiziert hat: Mehr Todesfälle durch unterlassen normal notwendig geplanter Normal-OP’s als durch CORONA selbst. Fand er mit Hilfe von Fachärzten. Nur wer richtig unwiderlegbar gut ermittelt, wird dann gefeuert. Sozusagen eine Qualitäts-Auszeichnung, die er vorerst erfahren durfte. Deine Berichte werde ich in aller Gründlichkeit auch von Anfang an zu lesen angehen, das interessiert mich Amateur schon sehr angelegentlich. Für mich ist jeder Einhandsegler Deines Schlages von vornherein bewundernswürdig.

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