23.4.2018 Eine traumhaft schöne Ankerbucht in Katalonien

Seit dem 17. April habe ich keinen Blogbeitrag mehr geliefert, da ich mich überwiegend an Land aufgehalten habe oder, wie so oft, kein Netz zur Verfügung hatte. Ich bitte also um Verständnis, dass ich erst heute wieder zur Tastatur greife und mich einigermaßen kurz halte.

Ich möchte beginnen mit dem letzten Eindruck des Tages, der mich sehr beeindruckt und zugleich gerührt hat. Wie immer habe ich mit der Hilfe von Seekarten meine heutige Fahrt geplant und mir einen möglichen Ankerplatz weit weg von Häfen gesucht. Das ist hier in Spanien kein Problem, denn die möglichen Ankerbuchten sind dort vermerkt. Allerdings sind diese unterschiedlich gelegen und weisen unterschiedliche Formen auf. Wichtig ist, dass sie das ankernde Schiff vor starken Winden und vor der Dünung des Meeres schützen. Der Wetterbericht ist also zu konsultieren, um die Parameter Windrichtung und -stärke zu ermitteln. Aus der Betrachtung der letzten Stunden ergibt sich dann mehr oder weniger die Dünungsrichtung. Ist der Liegeplatz in beiden Richtungen durch eine möglichst hohe Landschaft geschützt, dürfte die Wahl stets gut sein. Heute war auch während des größten Teils der Fahrt von einem Ankerplatz etwa 80 km nordöstlich aus kein Lüftchen auf dem Meer zu spüren, sodass meine anfänglichen Bemühungen, den schwachen Wind zur Unterstützung des Motors zu nutzen nach kurzer Zeit abgebrochen werden mussten, da der Widerstand der Segel eher negativ wirkte. Da auch in der Nacht mehr oder weniger die Windstille anhalten und es deshalb auch überhaupt keine Welle geben wird, habe ich mir eine tief in die Küste eintauchende, enge Bucht ausgesucht, die in einem Sandstrand ausläuft. Letzteres ist deshalb wichtig, da dann auch im Grund der Bucht mit Sand zu rechnen ist, was ein gutes Halten des Ankers sichert. Mit meiner Wahl lag ich absolut richtig. Hier eingetroffen, hat es mir zunächst fast den Atem verschlagen wegen der Schönheit dieses Fleckchens Erde. Die Traumbucht mit allem, was dazu gehört: Sicherheit, ausreichend Tiefe, Sandgrund, ein sichelförmiger Sandstrand, steile Felsen an beiden Seiten der Bucht. Sie liegt etwa 3 km nordöstlich von Tossa del Mar. Das verspricht eine ruhige Nacht ohne Geräusche und Schwell.

Es bietet sich der Blick auf eine vielversprechende Bucht bei der Einfahrt
Der Strand und damit auch der Ankergrund erweisen sich als perfekt. Ein Restaurant gibt es auch, es ist jedoch nicht geöffnet in außerhalb der Saison.
Klares Wasser und schroffe Felsen am Rand kennzeichnen diese Bucht

Ich muss aber auch noch über die Zeit meiner Funkstille berichten, die voll war von wunderbaren Begegnungen mit Menschen aus meiner Schul- und Studienzeit.

Zunächst wurde bereits bei Andreas und Rita an der Cote Azur klar, dass ich einen weiteren Klassenkameraden treffen könnte, wenn ich in der Nähe von Perpignan Station machen würde. Harald, der zu meinem engsten Freundeskreis auf dem Gymnasium angehörte, machte mit seiner Frau und zwei sehr freundlichen Hunden dort eine Woche lang Zwischenstation auf seiner jährlichen Frankreichtour. Der am nächstem gelegene Hafen von dort ist Canet, den ich rechtzeitig erreichen musste, um dieses Wiedersehen zu ermöglichen. Von Lavandou ging es also die Küste entlang über Ankerbuchten bei Saint Elme und Cassis (ich berichtete darüber) sowie Marseille (Port du Frioul), Port Gardian und Cap D`Agde nach Canet, wo bei meinem Eintreffen meine beiden Gastgeber bereits auf mich warteten und sogar das Bergen der Segel und mein Einfahrt in den Hafen auf einem Film festhielten. Diese Fahrten wurden größtenteils unter Segel ohne Maschinenhilfe absolviert, was mich natürlich nach der langen Zeit des Darbens unter den ungünstigen Wetterlagen natürlich sehr glücklich und mir auch bei dem teilweise etwas schwachem Wind wirklich viel Spaß machte. Die Odd@Sea ist keine Rennziege, sie benötigt viel Wind um schnell zu fahren und kann starken Wind auch gut vertragen.

Über die dreidimensionale Bebauung an der steilen Küste Kataloniens kann man nur staunen. Es ist für mich der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise
Wie man an den Kränen rechts und links im Bild sieht, ist hier noch Platz für weitere Bauten an der Steilwand

Die Zeit bei Harald und Gabi war natürlich gefüllt mit vielen interessanten Gesprächen über die gemeinsam verbrachte Zeit als Gymnasialschüler, über unseren Freundeskreis und die Lebensläufe. Beide hatten eine sehr schöne Ferienwohnung bei dem Betreiber eines Olivenhains inmitten der Natur und weit weg von allen Störungen durch die Zivilisation gemietet, wo auch ihre beiden Hunde nach Belieben auf dem großen Gelände herumtollen konnten. Dieses Treffen war insofern sehr zufällig zustande gekommen, da Harald und Gabi als nächste Station Ihrer Reise meine beiden vorigen Gastgeber, Andreas und Rita, besuchen wollten. Es blieben uns drei wunderschöne Tage in einer herrlichen Landschaft im Departement Roussillion, welches, so lernte ich dort, katalanisch geprägt ist und für seinen Wein und die Oliven berühmt ist. Insbesondere vom Wein haben wir gemeinsam so einige Proben genommen. Der Blick von dort oben auf die schneebedeckten Pyrenäen war wirklich überwältigend.

Die Odd@Sea erreicht den Hafen von Canet und der Skipper hat die Segel vor der Einfahrt geborgen (Aufname von Harald)
Da sich auf Kanal 9 in Canet niemand meldete, legte ich zunächst an der Tankstelle an
DIe Vorleine wird zum Festmachen vorbereitet
Schön liegt die Odd@Sea in Canet
Ein letzter Gruß bei der Abfahrt

Damit war aber der Zufälle noch nicht genug gewesen, denn Georg, ein Kamerad aus meiner Fliegerzeit, der schon lange in Toulouse lebt und bei Airbus arbeitet, meldete sich zu einem Kurzbesuch auf der Odd@Sea gerade zu dem Wochenende an, an dem meine Gastgeber ihre Reise fortsetzen wollten. Es passte also punktgenau. Ich wurde von Harald und Gabi zum Hafen gefahren und musste nur kurz warten, bis Georg eintraf. Das Schwelgen in der Vergangenheit konnte also sofort weiter geführt werden, wobei die Themen gar nicht so sehr flugtechnisch geprägt waren, obwohl wir eine lange Zeit gemeinsam in der Akademischen Fliegergruppe in Berlin verbracht haben. Georg und ich machten natürlich eine mehrstündige Runde unter Segeln auf dem Mittelmeer rund um den Hafen von Canet und führten unsere Gespräche über die gemeinsamen und die Zeiten danach bis in den späten Abend weiter. Er nutzte die Achterkoje für die Nacht und wir konnten auch noch den Vormittag in unseren Erinnerungen schwelgen, denn ich wollte noch ein Stück Richtung Barcelona an diesem Tag fahren. Ich glaube, ich habe mit Georg einen ernsthaften Mitsegler in der Zukunft gefunden.

Meine Fahrt am Nachmittag führte bis kurz vor Sonnenuntergang in eine Ankerbucht am Cabo Creus. Es folgte mir auf diesem Weg eine andere Yacht, mit der ich zusammen zwei Ankerbuchten anlief und wir beide unabgesprochen bei der ersten aufgrund des Ankergrunds nicht bleiben wollten. Die letzten Kilometer des ansonsten ruhigen Tages waren durch plötzlich einsetzenden Starkwind gekennzeichnet. Die Bucht unmittelbar vor dem Kap erwies sich dann allerdings als sehr geeignet für die beiden Yachten. Die Nacht verlief entsprechend ruhig. Morgen geht es zunächst in Richtung Barcelona die Küste entlang nach Westen weiter. Nach einer langen Strecke mit mindestens 6 Zwischenstationen soll Denia eventuell der Ausgangspunkt für einen Abstecher nach Ibiza und gegebenenfalls nach Mallorca werden. Mal schauen, was kommt.

Einfahrt in die Ankerbucht am Cabo Creus. Man sieht noch nicht was einen erwartet
Hinter der schmalen Einfahrt öffnet sich die Bucht
Auch ein anderer Skipper hat sich für diese Bucht angesichts eines heftigen Windes entschieden
Recht und links schroffe Felsen
… die aber auch ihre Reize haben
Ein sicherer Platz mit genügend Abstand von den Felsen
… kurz vor dem Ende der Bucht

Ein Gedanke zu „23.4.2018 Eine traumhaft schöne Ankerbucht in Katalonien“

  1. Also, Herr Weltenbummler,

    Harald ist nur noch bis Donnerstag auf Mallorca,
    Seija aber noch 6 Wochen…
    Sie ist in CAS CONCOS tel. +49 162 3333457
    das liegt an der Cala d`OR

    Wir sind gestern Abend wieder in Berlin eingetroffen…
    und Ihr seid schon von Barcelona aus dem Olympiahafen abgesegelt…

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