24.1.2018 Kylini, das war wohl nichts!

Nach einer bis etwa 4:00 Uhr ruhigen Nacht wurde es auch hier etwas ungemütlich, denn der Wind frischte aus Nord auf und ich war gezwungen, aufzustehen, mich anzuziehen und draußen die Leinen zu verstärken in der Hoffnung dass diese nicht wieder brechen. Diese Hoffnung wurde erfüllt, denn nach etwa zwei Stunden flaute der Wind wieder bis auf absolute Stille ab. Wenn es für mich einen guten Grund geben könnte, wieder wissenschaftlich zu arbeiten, dann mit der Frage nach den Gründen für diese heftigen und raschen Wetterwechsel in Griechenland. Mit ein wenig Verspätung fuhr ich dann bei Windstille und glatter See aus dem Hafen und in Richtung Kylini gegen 11:00 Uhr ab. Um das Cap herum frischte der Wind mit einer selten gewordenen und deshalb ungewohnten Raumschotrichtung etwas auf, sodass ich die Genua nutzen konnte. Leider dauerte diese Freude nur eine halbe Stunde, denn dann war er wieder verschwunden. Die Genua also wieder eingeholt und gegen einen nun erheblich zunehmenden Gegenwind ankämpfen. In wenigen Minuten schwoll die See so heftig an, dass nun die Farbe Weiß überwog und es naß wurde in der Plicht. Mit nur noch 4 Kt gegenan zu fahren war wenig erfreulich. Jörg rief mich in dieser Situation wie der unerwartete Retter an und konnte mir nur zur Umkehr des noch nicht weit Entfernten Startpunkts raten, was ich auch unverzüglich tat. Den dadurch auf Rückenwind konvertierten Wind konnte ich leider nur kurzzeitig mit bis zu 8 Kt nutzen, denn er schlief nach wenigen Minuten erneut wieder ein. In der Hafeneinfahrt fand ich dann wieder absolute Ruhe und spiegelglattes Wasser vor. Jörgs Rat umzukehren war weniger auf die erlebte aktuelle Situation als auf die kommende Nacht gerichtet, wo am Zielort Starkwind aus einer für den Hafen wenig guten Richtung angesagt wurde. Nun heißt es einmal mehr abwettern an einem (hoffentlich) sicheren Ort. Immerhin ist Katakolon sehr schön, die Cafés an der Pier großartig und mit WiFi ausgerüstet und die Sonne strahlt, als wenn es im Hochsommer wäre. Da kann man es sicher gut aushalten.

Ausfahrt aus dem Hafen von Karakolo bei absoluter Windstille

Apropos sicher. Der unsicheren Situation bei Starkwind aus einer ungünstigen Richtung wollte ich dieses Mal entgehen und stellte meine Odd@Sea in christlicher Weise ab, wie die Bilder zeigen. Sie liegt so verhältnismäßig ruhig und die Leinenbelastung resultiert allein aus den Wind- und nicht mehr dominant aus den Fesselungskräften. Die Leinen werden so nicht mehr ruckartig belastet, was letztlich zu mehreren Rissen geführt hatte. Der Nachteil dieser Methode ist allerdings, dass man sich beim Aufnehmen und Festmachen der sog. Mooringleine, einer sehr starken Leine, die am Hafengrund mit einem Betonblock festgemacht wurde und deren freies Ende mit einer dünnen Leine an der Pier festgemacht wird, fürchterlich die Hände verschmutzt, wenn nicht sogar verletzt, wenn diese mit Muscheln bewachsen ist. Die Bilder zeigen mein Schiff in dieser Weise senkrecht zur Pier geparkt. Die lange starke weiße Leine stützt das Schiff gegen die Windkraft ab und entlasten so die Bug- und Heckleinen. Ich hoffe wir werden so die Nacht sicher überstehen. Ob ich morgen weiterfahren kann, wird der frühe Wetterbericht entscheiden.

Christlich festmachen bedeutet, dass das Schiff senkrecht zur Pier steht und so viel mehr Schiffe nebeneinander in einem Hafen Platz haben. Zwei Bugleinen sichern, dass das Schiff sich nicht vom Pier entfernen kann, eine oder zwei Heckleinen, sog. Mooringleinen, sichern nach hinten in den Hafengrund ab
Die weiße starke Leine im Vordergrund habe ich zusätzlich angebracht, um die anderen Leinen zu entlasten, denn der Wind kommt von links in etwa parallel zur Pier

Etwas schwierig ist das einhändige Festmachen in dieser Art. Ich habe für mich eine Methode gefunden, die recht gut funktioniert: Zunächst mache ich mit einer Brustleine an der Mittelklampe das Schiff an der Pier fest. Dann verbinde ich eine Bugleine so, dass die Entfernung zum Festmacher etwas länger als dessen seitlicher Abstand zum Bug ist. Nun wird die Brustleine wieder gelöst. Dann greife ich mir mit dem Bootshaken die Mooringleine und ziehe diese auf der der Bugleine gegenüber liegenden Seite unter kräftigem Zug in Richtung Bug  und gehe dabei Schritt für Schritt auf dem Schiff nach hinten, wobei sich dieses langsam von der Pier löst und sich senkrecht dazu positioniert. Hier befestige ich die Mooringleine an der Heckklampe und stelle abschließend die Längen aller Leinen so ein, dass das Schiff mit ausreichendem Abstand zur Pier zum liegen kommt. Eine zweite Bugleine auf der anderen Seite macht diese Art des Anlegens perfekt. Es dauert etwas und bei starkem Wind wird wahrscheinlich landseitige Hilfe nötig, aber es geht!

Bei dieser Gelegenheit habe ich nun auch Aufnahmen von den beiden Beulen am Bug gemacht, die durch die zwei Aufschläge auf die Pier in Katakolon entstanden sind. Schön sieht es nicht aus, die Nutzung des Schiffs wird aber überhaupt nicht beeinträchtigt. Das aussagekräftigste Bild ist bereits im letzten Beitrag enthalten, da dieser erst jetzt veröffentlicht wurde.

Heute werde ich die beiden aktuellen Blogeinträge ins Netz stellen und meine selbst auferlegte Pflichten somit erfüllen. Ich bitte noch einmal um Verständnis für die lange Schreibpause, die ich zukünftig vermeiden will.

Ein Gedanke zu „24.1.2018 Kylini, das war wohl nichts!“

  1. Lieber Jürgen
    Liebe Grüße vom Stammtisch
    Wir sprechen gerade von Dir und Du bist irgendwie bei uns.

    Halt Dich Wacker
    Dein Land Team
    Angu – Harald – Seja – Regina – peter

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