3.3.2018 Irgendwie muss es jetzt weitergehen

Nach der schönen Zeit mit Marius ist es wieder etwas ruhiger geworden auf der Odd@Sea. Der Alltag des Lebens hat mich wieder eingeholt. Der Weg mit dem „Hackenporsche“, auf den zwei Kanister geschnallt werden, ist bereits Routine geworden, wenn denn keine Schiffstankstelle in der Nähe, oder der Dieselpreis nicht astronomisch hoch ist. Letzteres ist der Fall in Neapel. Es gibt jedoch eine Straßentankstelle in etwa einem Kilometer Entfernung. Diese Gelegenheit zur sportlichen Aktivität lasse ich mir nicht nehmen. Allerdings war gestern an eine Abfahrt aus der sündhaft teuren neapolitanischen Stadtmarina nicht zu denken, denn es stürmt auf dem Meer. Es galt also bis gestern einmal mehr abzuwettern. Die Marina ist ansprechend, die Menschen hier freundlich und das Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe. Aber die Begrenztheit meines gegebenen Budgets lässt mich überlegen, ob es nicht doch eine preiswertere Alternative für den heutigen und die kommenden Tage gibt. Der Wetterbericht sagt einen am späten Vormittag einsetzenden Starkwind aus Südost in der Region voraus, der am Nachmittag auf West drehen, in Böen stark zunehmen und nach Mitternacht wieder abflauen wird. Es gilt also einen Zeitslot für die Fahrt zu suchen, der zugleich zu einem Ankerplatz führt, der vor dem nächtlichen Starkwind aus westlicher Richtung schützt. Die kommenden drei Tage werden dann wohl wieder fahrbar sein. Danach ist wieder eine weitere Störung mit Starkwind angesagt. Winter eben. Meine Entscheidung fiel deshalb auf eine kurze, etwa zweistündige Fahrt in die nördlich gelegene Bucht von Pozzuoli und dort an die Westküste, die vor dem Westwind vom Meer schützt. Also habe ich um 9 Uhr die Leinen losgemacht und bin bei widrigen Verhältnissen bei einer unangenehm hohen Welle, kaum Sicht und im starken Regen, aber bei erträglichem Wind nach Baia gefahren, wo eine Bucht die notwendigen Eigenschaften zumindest auf der Karte aufweist. Sollte es Probleme geben, sind auch eine kleine Marina und der große Hafen von Pozzuoli nicht weit.

Ein gar nicht so stilles Stilleben – Eine Festung, ein Schiffswrack, ein Katamaranrumpf vor Anker und eine Bucht
An der Uferpier kann man die Brandung des Schwells erkennen
Auf der einen Seite eine Schiffstankstelle
… und auf der anderen Seite die dazu gehörende Schiffswerft

Nun liege ich an dieser Stelle und seit dem Vormittag zunächst bei wenig Wind, aber extremen Schwell aus der alten Südostströmung des Windes, der sehr starke Rollbewegungen in das Schiff bringt und habe dabei mein Mittagessen zubereitet und mit Freude gegessen. Es folgten noch ein Kaffee und Kuchen. Der vorhergesagt Zeitpunkt zum Einsetzen des Starkwinds war wieder einmal genau richtig und der Anker wird nun, um 15:00 Uhr, zunehmend beansprucht. Die Sonne scheint wieder, der Wind heult und die Odd@Sea wird durch das bei jedem Richtungswechsel des gewaltigen Schwojens auftretende starke Rucken des Ankers gebeutelt. Ihr Skipper übrigens auch, der sich an die Sturmsituation in Griechenland erinnert fühlt, wo nur das Ankern in der Hafenmitte in der Not helfen konnte. Es gibt Schöneres, aber an ein Verlassen der Bucht ist jetzt nur noch im größten Notfall zu denken. Es gilt, ruhig zu bleiben, einmal mehr einfach die Zeit abzuwarten und zu hoffen, dass der Anker bis etwa Mitternacht hält und der Wetterbericht die Lage nicht unterschätzt hat. Das Windmaximum ist jetzt jedenfalls erreicht, jedoch die Drehung nach West noch nicht vollständig. Meine Musiksammlung und die kraftvoll Audioanlage wird mir wie immer beim Überstehen derartiger problematischer Situationen helfen. Schlimmer wird es nimmer. Der Morgen verspricht jedenfalls schön ruhig zu werden, jedoch ohne Sonnenschein. Schauen wir mal, wie die Nacht wird.

P.S.: Es ist jetzt kurz vor Sonnenuntergang und ich nehme eine gerade geführte Rücksprache mit meinem lieben Berater Jörg zum Anlass, ihm für seine Vor- und Ratschläge zu danken, die er zu jeder Tages- und Nachtzeit sowohl eigeninitiativ als auch auf meine Anfrage hin zu geben bereit ist und mir damit enorm hilft. Heute betraf sein Rat Finessen bei der Ankerung, die wirklich sehr effektiv wirken. Ich habe nun auf seinen Rat hin die Ankerkette noch einmal deutlich bis auf die Verfügbarkeit von Schwojenfläche verlängert und zudem die Ankerkette durch zwei Festmacherleinen entlastet. Dadurch wird nicht nur das Schiff so stark beruhigt, dass auch der Skipper nun definitiv ruhig schlafen wird, sondern auch die Ankerwinsch vor unnötiger mechanischer Belastung befreit. Kein Rucken der Ankerkette, keine zusätzlichen Geräusche. Herz, was willst Du mehr. Danke Jörg.

Ein Gedanke zu „3.3.2018 Irgendwie muss es jetzt weitergehen“

  1. Lieber Jürgen
    Auch von meiner Seite noch ein paar Worte zu unserer sehr schönen und eindrucksvollen gemeinsamen Woche bei Dir an Bord:
    Nach den anfänglichen physischen Strapazen und den weiteren schaukelnden Nächten an Bord hatte ich mich inzwischen so sehr daran gewöhnt, dass der bewegungslose heimische Boden inzwischen geradezu eine Eigenbewegung zu entwickeln scheint. So ist nun wieder eine Rückgewöhnung ein ein schaukelfreies Zuhause angesagt.
    Die Zeit an Bord war aber trotz der ‚falschen‘ Jahreszeit ein ganz besonderes Erlebis für mich, und das nicht nur in seemännischer sondern gerade auch in menschlicher Hinsicht !
    Das Miterleben Deiner täglichen Anstrengungen, den Widrigkeiten zu trotzen und alle Herausforderungen zu meistern (wenn auch immer wieder mit fachkundiger und äußerst netter Unterstützung durch Deinen Freund Jörg aus München) versetzt mich geradezu in ein demuthaftes Erstaunen und hilft ungemein, die eigene Komfortzone daheim durch eine andere Brille zu betrachten und über alltägliche Kleinprobleme hinwegzusehen.
    Dafür sowie für die vielen netten und tiefen Gespräche nochmals ganz herzlichen Dank an Dich. Wir werden von hier aus Deinen Weg über Internet nun gespannt weiterverfolgen und drücken Dir alle Daumen, die wir in der Familie auftreiben können.
    Liebe Grüße aus dem sonnigen aber noch frostigen Berlin von
    Marius

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